Es war ein logistischer Großeinsatz besonderer Art des Schopfheimer THW, der in der Grienmatt seit rund vier Wochen läuft: Mit Sack und Pack zieht das THW in sein neues Domizil um. Ein Kraftakt, denn ein THW-Ortsverband hat vor allem eines: Unmengen Material. Doch die Arbeit fällt schon deshalb leicht, weil ganz viel Vorfreude mit im Spiel ist. Sieben Jahre hat das THW auf diesen Neubau gewartet, nun endlich sind die Spezialisten für Hilfs- und Katastropheneinsätze aus ihrer Raumnot errettet. Das wird im Oktober auch noch groß gefeiert.

Es ist noch staubig auf dem Hof und im Flur. Im Gebäude riecht es nach neuen Möbeln und Farbe, stellenweise liegen Kabel auf dem Boden. Noch sind nicht alle Handwerksarbeiten im Neubau des Technischen Hilfswerks (THW) Schopfheim im Industriegebiet in der Grienmatt beendet. Im Prinzip aber ist das neue Domizil des THW fertig – und auch der Umzug ist weitgehend abgeschlossen.

Vieles ist jetzt viel geräumiger – etwa der Aufenthaltsraum oder auch die Büros.
Vieles ist jetzt viel geräumiger – etwa der Aufenthaltsraum oder auch die Büros. | Bild: André Hönig

Vor etwa vier Wochen wurde die neue Unterkunft größtenteils ans THW übergeben – eine 40 Meter lange, zwölf Meter breite und mehr als vier Meter hohe Fahrzeughalle sowie ein zweigeschossiges Gebäude mit 300 Quadratmetern Fläche für Büros, Umkleiden sowie Sanitär-, Aufenthalts- und weitere Räumen. Das Ganze zusammen auf einem 3300 Quadratmeter großen Areal in der Grienmatt. Geplant und weitgehend finanziert wurde das rund zwei Millionen Euro teure Vorhaben von der BImA, der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Sieben Jahre Planung und Bauzeit gingen diesem Übergabedatum voraus. Danach begann der Umzug. Bei einem THW-Ortsverband ist das ein echter Kraftakt. Haben doch die ehrenamtlichen Spezialisten für Katastrophen- und Hilfseinsätze vor allem eines: Unmengen Material. Alles musste zuvor in unzähligen Stunden verpackt und sortiert werden. Logistisches Können ist gefragt – was in diesem Fall aber ja genau die Stärke des THW ist. Der THW-Ortsbeauftragte Sebastian Pfeifer und Steffen Puls (Logistik- und einer der beiden Zugführer) berichten, dass das Vorgehen von langer Hand geplant wurde. Zu den üblichen 11 000 jährlichen Dienststunden des Ortsvereins kommen für den Domizilwechsel sicher weitere rund 3000 Arbeitsstunden. Dafür lief der Umzug „wie geplant gut strukturiert“ – und vor allem: Die Einsatzbereitschaft war stets gewährleistet. Pfeifer: „Wir können das THW ja nicht einfach mal so 14 Tage wegen Umzugs abmelden“. In diesem Halbjahr hatte das THW bereits mehr als 20 Einsätze, auch jüngst beim Brand eines Ökonomiegebäudes in Hausen war es zur Stelle.

Pfiffig und eine Eigenleistung: Steffen Puls zeigt die Schlüsselbox.
Pfiffig und eine Eigenleistung: Steffen Puls zeigt die Schlüsselbox. | Bild: André Hönig

Der Umzug selbst lief in Etappen. In einem ersten Akt wurden Büros, Umkleiden, Lagerräume und Werkbereiche aufgebaut und eingerichtet, am Samstag vor einer Woche wurden dann größere Teile gebracht. Zu guter Letzt durften unter Sondersignal die Fahrzeuge in ihre neue Garage einfahren. Ein bewegender Moment für alle Beteiligten. Die Platzknappheit in der Fahrzeughalle am bisherigen Standort nur wenige hundert Meter entfernt – sie war einer der Hauptgründe, warum das THW auf einen Neubau gedrängt hatte. Zehn Fahrzeuge umfasst der Fuhrpark, darunter mehrere Spezial-Lkws zum Transport von Material, Geräten und Werkzeug bis hin zum Kran und Lichtmast. Dazu kommen einige Anhänger. Dies alles am alten Standort unter ein Hallendach zu bekommen, war bei nur zwei Garagentoren knifflig. „Wir mussten da Tetris spielen“, erzählt Steffen Puls. Eine Anspielung auf das Computerspiel, bei dem herabfallende Objekte platzsparend wie möglich aufeinander platziert werden. In der alten THW-Garage hieß das: Bevor ein hinteres Fahrzeug raus kann, mussten erst vordere weggefahren werden. „Im ungünstigsten Fall bis zu vier.“

Geheizt wird mit Pellets.
Geheizt wird mit Pellets. | Bild: André Hönig

Die neue Halle nun hat zehn Tore – eines für jedes Fahrzeug. „Die Tetris-Zeiten sind zum Glück endlich vorbei. Die Ausrückzeiten verkürzen sich so erheblich“, freut sich Pfeifer. Doch die Fahrzeuge kommen nun nicht nur zügiger weg – auch das Material ist schneller bei der Hand. Mal eben noch dieses oder jenes suchen? Das kam an alter Wirkungsstätte durchaus vor. Puls: „Um am alten Standort etwa an Kabeltrommeln zu kommen, mussten erst fünf Kisten weggerückt werden.“ Nun beginnt eine neue Ära. „Jetzt hat man sie – zack! – mit einem Griff.“ Viel Platz für Material bietet das Hochregallager in der Fahrzeughalle, aber auch der Lagerraum im Gebäude nebenan.

Dass die neue Unterkunft dem THW erhebliche Vorteile bringt, wird bei einem Rundgang auf Schritt und Tritt deutlich. Beispiel Umkleide. „Endlich haben wir getrennte Räume für Männer und Frauen“, so Pfeifer. Bislang mussten sich Männer und Frauen abwechselnd umziehen. Oder die Spinde. Die waren zuvor nur etwa 40 Zentimeter breit – jetzt sind es fast 80 Zentimeter. Pfeifer öffnet einen: Links hängt die Einsatzmontur, rechts die Privatkleidung. „Endlich können wir die Schwarz-Weiß-Trennung, also die Trennung von Uniformen und Privatkleidung ermöglichen.“ Und so geht es in einem fort. Beispiel Aufenthaltstraum. Der alte – beengt. Der neue: freundlich gestaltet, mit Platz für 40 bis 50 Mann. Ganz neu ist der LUK-Raum, ein Raum, von dem aus Einsätze geleitet werden können. „Den hatten wir vorher gar nicht.“ Und auch die Jugend hat jetzt ihr eigenes Domizil, das sie selbst einrichten kann. Ein Tischkicker steht schon drin, an der Wand entsteht ein Bild aus Graffiti. Die Liste dessen, was sich an neuer Stätte alles fürs THW verbessert, ließe sich beliebig fortsetzen. Kurzum: Das Gebäude ist in jeglicher Hinsicht mehr als vorzeigbar – auch ökologisch. Geheizt wird mit Pellets, dazu kommt eine Anlage zur Wärmerückgewinnung, das Dach wird begrünt. Selbst die Grünfläche ums Gebäude drum herum ist ein Gewinn. Puls: „Hier können wir praktische Dinge üben, etwa den Umgang mit der Säge.“

Im Spind kann jetzt Privat- und Einsatzkleidung getrennt werden.
Im Spind kann jetzt Privat- und Einsatzkleidung getrennt werden.

Bei einigen Dingen haben THW-Mitglieder selber Hand angelegt. Etwa bei der Lautsprecheranlage, bei EDV und Multimedia und der Zeiterfassung. Auch die Fahrzeug-Schlüsselbox ist ein Eigenwerk – mit pfiffiger Technik. Um dieses zu öffnen, gibt’s einen Pin – aber nur der Schlüssel, für den derjenige eine Berechtigung hat, lässt sich herausnehmen. In die Kategorie Eigenleistung fällt aber etwa auch der Einbau einer Theke im Aufenthaltsraum. „Man will es natürlich schön haben im neuen Zuhause“, sagt Pfeifer. Der Helferverein, der Förderverein des THW, hat ebenfalls einiges spendiert. Darunter ein Holzlager und eine vollausgestattete Großküche. „Standardmäßig ist nur eine Teeküche vorgesehen“, erklärt Pfeifer. Auch Firmen aus der Region haben das THW unterstützt – das Hochregallager etwa ist eine Spende.

Auch wenn die THW-Unterkünfte genormt sind – die Schopfheimer gehört, auch dank der Spenden und Eigenleistungen, aber auch wegen der modernen Ausstattung – sie ist etwa die erste mit einer Voice over IP (Voip)-Telefonanlage – nun zur Spitzenklasse. „Die Unterkunft ist vom Niveau top und fast schon einzigartig in Deutschland, weil auf dem allerneuesten Stand. In Baden-Württemberg jedenfalls findet man kaum etwas Vergleichbares“, sagt Pfeifer. Die Freude über den Bau, sie ist Puls und Pfeifer anzumerken. „Wir haben jetzt fast dreimal so viel Platz wie vorher. Und wir sind sehr glücklich damit“, bekennt Pfeifer. „Jetzt einziehen zu können, das ist ein sehr gutes Gefühl.“ Und das will das THW mit anderen teilen, so wird gleich zweimal gefeiert.