Schopfheim – Auf Wanderschaft begeben sich üblicherweise Gesellen. Beim Theodor-Heuss-Gymnasium (THG) werden im neuen Schuljahr indes auch einige Fünftklässler wandern – durchs Schulhaus. Grund: Die Anmeldezahlen liegen mit 166 deutlich über der vom Gemeinderat eigentlich beschlossenen Obergrenze von 150. Weil es dieses Mal wohl keine Handhabe gibt, diese Zahl noch zu senken, wird es deshalb sechs statt eigentlich maximal fünf Klassen geben – darunter eine „Wanderklasse“.

  • Die Ausgangslage: Der Gemeinderat hatte eigentlich 2017 eine Obergrenze von maximal 150 neuen Schülern pro Schuljahr festgelegt – was bei einem Klassenteiler von 30 Schülern maximal fünf Klassen entspricht. Der Gedanke hinter dieser Entscheidung: Bei dauerhaft höheren Schülerzahlen müsste die Schule erneut ausgebaut werden. Das aber will der Gemeinderat eigentlich nicht, da in den vergangenen Jahren bereits ganz erheblich ins Gymnasium investiert wurde.
  • Das Problem: Das Schopfheimer Gymnasium ist weit und breit das einzige, das den neunjährigen Weg zum Abitur anbietet (G9). Zwar kehren nach und nach Bundesländer dem Turbo-Abi (G8) den Rücken und zurück zum neunjährigen Abitursweg – nicht aber Baden-Württemberg. Hier ist nach wie vor G8 Standard, G9 gibt es nur als Schulversuch an 44 Gymnasien im Land. Die nächstgelegene Schule von Schopfheim aus ist in Freiburg. Die Folge: Seit Jahren erlebt das THG einen Ansturm. Zum einen, weil ohnehin seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung die Anmeldezahlen an Gymnasien steigen. Zum anderen aber auch, weil das Alleinstellungsmerkmal G9 das THG auch für Schüler außerhalb des „historisch gewachsenen Einzugsgebiets“ anzieht, so der bei der Stadt Schopfheim für die Schulen zuständige Fachbereichsleiter Jürgen Sänger. Historisch gewachsen – damit ist Schopfheim und die Umgebung, also Kleines Wiesental, Maulburg, Hausen, Hasel gemeint. Auch Wehr gehört dazu.

Zuletzt aber gab es auch Anmeldungen etwa aus Rheinfelden, Schwörstadt und aus Lörrach. Bereits im vergangenen Jahr sah es deshalb so aus, als würde die Obergrenze überschritten. Damals lagen im Frühsommer 167 Anmeldungen vor, darunter 16 aus Rheinfelden. Dann aber wurde am Rheinfelder Gymnasium eine dritte Eingangsklasse angeboten und es gelang, einen Großteil dieser Schüler „auch nach Rheinfelden umzulenken“, erzählt Sänger. Am Ende lag die Zahl der Neuanmeldungen bei exakt 150.

  • Das neue Schuljahr: In diesem Jahr allerdings ist die Sache komplizierter. Unter den jetzt vorliegenden 166 Anmeldungen sind nur zwei aus Rheinfelden, fünf weitere sind aus dem Bereich Steinen/Lörrach. Alle anderen aber sind aus dem traditionellen Stammgebiet des THG. „Wir haben hin- und herüberlegt, was wir in diesem Fall machen können, um die Obergrenze doch noch einzuhalten und die Schüler umlenken zu können“, betont Sänger.

Unter anderem wurde mit dem Gedanken gespielt, von den angemeldeten Schülerinnen und Schülern aus Wehr nur die Wehrer zu nehmen und jene aus dem Teilort Öflingen Richtung Bad Säckingen zu lenken. „Das wären aber auch nur acht gewesen, das hätte auch nicht gereicht, um auf 150 zu kommen“, erläutert Sänger. Ohnehin sei das mit dem „Lenken“ auch gar nicht so einfach. Ende 2017 setzte der Verwaltungsgerichtshof Mannheim eben diesem „Schülerlenken“ engere Grenzen, nachdem Eltern aus dem Kreis Waldshut erfolgreich gegen die Lenkungspolitik der Gemeinschaftsschule Wutöschingen geklagt hatten.

Abgesehen davon seien auch die Zahlen aus Schopfheim und den Teilorten selbst sehr hoch. In ihrer Planung ging die Stadt davon aus, dass 45 Prozent der Kinder auf das THG wollen. Das wären 60 Anmeldungen gewesen. Tatsächlich aber sind es jetzt 81 Anmeldungen. Auch deshalb seien nun am Ende Schule und Stadtverwaltung zur Erkenntnis gekommen, „dass uns nichts anderes übrig bleibt, als sechs neue Eingangsklassen zu akzeptieren“. Dies wurde dem Gemeinderat bereits in einer nichtöffentlichen Sitzung mitgeteilt. Eine Entscheidung musste deshalb bereits jetzt getroffen werden, weil die Stadt vom Regierungspräsidium Freiburg aufgefordert war, mitzuteilen, ob Schopfheim die Anmeldungen akzeptieren wird oder nicht.

  • Die Folge: Weil die Zahl der Klassenzimmer nicht auf sechs Eingangsstufen ausgelegt ist, wird eine der sechs neuen fünften Klassen eine sogenannte „Wanderklasse“ werden. Das bedeutet: Sie haben kein festes Stamm-Zimmer. Allerdings hat es am THG noch genug Räume, um eine Container-Unterbringung vermeiden zu können. Gleichwohl spricht Sänger von einer „Situation, die jetzt nicht unbedingt glücklich ist“.
  • Perspektive: Mit Blick auf die Anmeldungen im nächsten Jahr werden sich Stadt und die Schulleitung zwar nochmals Gedanken über Lenkungsmöglichkeiten machen. Sänger verhehlt aber nicht, dass das schwierig werden wird. Im Grunde sei der Spielraum begrenzt. Was bedeutet: Sollte es die nächsten Jahre so weitergehen, könnte doch die Debatte drohen, der der Gemeinderat eigentlich einen Riegel vorschieben wolle: jene um eine Erweiterung.