Hat eine Frau ihren Ehemann über längere Zeit unterdrückt und dabei auch vor Körperverletzungen und Nötigungen nicht Halt gemacht? Um diese Frage geht es derzeit am Amtsgericht Schönau. Angeklagt ist eine 42 Jahre alte Frau. Damit nicht genug: Die Frau soll ihren 49 Jahre alten Mann mit einem Liebhaber provoziert haben. Die Angeklagte bestreitet die Vorwürfe.

Es war eine unheilvolle Dreiecksbeziehung zwischen zwei Eheleuten und einem Nachbarn aus einer Gemeinde im Wiesental, die mehrfach in verbalen und körperlichen Auseinandersetzungen eskalierte. Die Ehefrau des geschädigten Ehemannes hatte sich deshalb jetzt wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Nötigung vor dem Amtsgericht Schönau zu verantworten.

Die Tat soll sich laut Staatsanwaltschaft wie folgt abgespielt haben: Am Abend des 9. Mai 2018 sei der Nachbar (43) in das Haus des Ehepaares gekommen, um seine Geliebte, also die Ehefrau, aufzusuchen. Im Verlauf eines heftigen Streitgesprächs, in dessen Verlauf der Ehemann seine Trennungsabsicht bekundete, soll die Ehefrau ihren Gatten laut Anklage bespuckt, gestoßen, gewürgt, zu Boden gebracht und ihn mit ihrem ganzen Körpergewicht unter sich fixiert haben. Mit letzter Kraft habe sich der körperlich schwächere Mann der Attacke entziehen können und sei in ein Nachbarhaus geflohen. Dort rief er die Polizei. An Verletzungen habe der Ehemann bei einer ärztlichen Untersuchung sichtbare Kratzspuren und Hämatome davongetragen. Bei der polizeilichen Vernehmung habe sich die Ehefrau zunächst kooperativ verhalten, sei aber dann, als sie das Protokoll unterschreiben sollte, „renitent“ geworden. Sie habe das Protokoll zerrissen und die zerfetzte Seite in den Mund gesteckt. Als sie einige Seiten aus der auf dem Tisch liegenden Polizeikladde an sich reißen wollte, hätten ihr die Polizeibeamten Handschellen angelegt und sie aufs Polizeirevier gebracht.

Weiterhin wird der Frau vorgeworfen, den Wohnwagen, der zur Hälfte auch Eigentum des Ehemanns ist, vorsätzlich beschädigt zu haben. So jedenfalls schilderten der Ehemann und die als Zeugen geladenen Polizeibeamten den Tathergang. Der Mann gab zu Protokoll, dass es immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen mit dem Geliebten seiner Ehefrau gekommen sei. Dieser habe sogar einen Schlüssel für das gemeinsame Haus erhalten und dieses auch laufend unangekündigt betreten. Die Belastungen seien so groß geworden, dass er in medizinische Behandlung musste. Er konnte zudem längere Zeit nicht arbeiten.

Die Angeklagte bestritt vehement alle Vorwürfe. Sie hatte einen Stapel mit Dokumenten zu ihrer Entlastung dabei und verlas seitenlange Statements, die sehr persönliche medizinische Daten über ihren Ehemann enthielten. Diese ärztlichen Dokumente hat sie nach Aussage ihres Ehemanns unrechtmäßig aus dessen Computer entnommen.

Die Frau forderte lautstark die Gerichtsschreiberin auf, all ihre Einlässe genauestens zu protokollieren und fiel mit ständigen Zwischenrufen auf. Diese gingen so weit, dass ihr Anwalt einmal mit der Hand auf den Tisch schlug, um den Worten seiner Mandantin Einhalt zu gebieten. Dennoch zog sich die Verhandlung über insgesamt viereinhalb Stunden hin, sodass einige Zeugen erst in der Anschlussverhandlung am 29. November vernommen werden können.

Der geschädigte Ehemann der Angeklagten erklärte sich gegen Ende seiner Vernehmung bereit, seine Aussagen zu beeiden und legte, nach Aufklärung der Amtsrichterin Ulrike Götz über die Konsequenzen einer Falschaussage, die Eidesformel ab.