Eigentlich sind Spenden ja immer gern gesehen. Doch das Ölgemälde „Paradies“ von Schwester Immolata Meyen sorgt derzeit für Unruhen in Todtnau. Die 87-jährige ehemalige Todtnauerin hat der Stadt im November das Kunstwerk geschenkt. Nun möchte sie es aber wieder zurück. Der Grund: Stadt und Künstlerin sind sich nicht einig, wo das Bild aufgehängt wird.

Noch hängt das zwei Meter breite Bild im Altenheim – ein guter Ort, finden Stadt und Heimleitung.
Noch hängt das zwei Meter breite Bild im Altenheim – ein guter Ort, finden Stadt und Heimleitung. | Bild: Wehrle

In der Schenkungsurkunde von Immolata Meyen steht, dass das Gemälde im Standesamt der Stadt Todtnau aufgehängt werden soll. Es war der Wunsch der Ordensschwester vom Kloster Maria Stern in Augsburg, dass es im Todtnauer Trauzimmer an der langen Wand seinen Platz findet. Nun hängt es aber im Untergeschoss des Altenheims. Damit ist die Künstlerin nicht einverstanden.

Warum darf das Bild, das Adam und Eva zeigt, nicht ins Standesamt? Die Stadt will sich nicht vorschreiben lassen, wo das Bild aufgehängt werde, sagt Hauptamtsleiter Hugo Keller. In der Dezembersitzung habe der Gemeinderat über die Schenkung gesprochen und vereinbart, das Kunstwerk nur anzunehmen, wenn der Aufhängungsort keine Bedingung sei, berichtet Hugo Keller. Da dies auch der Künstlerin kommuniziert wurde und von ihr bis Januar keine gegenteilige Reaktion gekommen sei, habe man die Schenkung angenommen. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Bild bereits im Altenheim seinen Platz gefunden. Dort hängt es nun neben dem Eingang zur Kapelle und neben einem Therapieraum.

Schwester Immolata Meyen
Schwester Immolata Meyen | Bild: Wehrle

Ursula Drändle-Heger, die Nichte der Künstlerin, hat die Schenkung vor Ort übernommen und ist nun sauer. Als sie erfahren hat, dass das Gemälde nun im Altenheim hängt, habe sie schockiert ihre Tante informiert. Immolata habe gesagt, dass sie das Bild wieder zurück möchte, wenn ihrem Willen nicht entsprochen werde. Das Bild „Paradies“ sei eines der liebsten Bilder von Schwester Immolata, da stecke viel Herzblut drin, erzählt Drändle-Heger. Das Bild sei – wie andere Werke von Immolata – mehrere Tausend Euro wert. Im Jahr 2010 hatte sie eine Einzelausstellung in Schlechtnau. „Zum Andenken an meine Ahnen Bernauer, die in Todtnau lebten, möchte ich in Dankbarkeit auch allen Todtnauer Bürgern, die meine Schwester Frieda, Schwester Aquineldis, in Argentinien-Jujuy etliche Jahre unterstützt haben, mein Paradiesbild ins Rathaus-Standesamt schenken“, schrieb die Künstlerin in einem Brief im November. Es sei also ein Geschenk an alle Todtnauer. Schon mehrmals sei Drändle-Heger ganz betroffen angesprochen worden, weil das Bild nun „im Keller“ des Altenheims hänge. Der jetzige Ort sei raumklimatisch und beleuchtungstechnisch nicht geeignet, auch befürchte man, dass es beschädigt werden könne. „Man hätte erst die Künstlerin fragen sollen, ob sie überhaupt einverstanden ist, dass es dort aufgehängt wird“, sagt Ursula Drändle-Heger, die auch Vorsitzende des Kulturhaus-Vereins ist. Im Kulturhaus selbst ist für das 2,10 mal 1,10 Meter große Gemälde jedoch auf Dauer keinen Platz; dort hing es nur während der Krippenausstellung und wurde dann Bürgermeister Andreas Wießner übergeben.

Ursula Drändle-Heger
Ursula Drändle-Heger | Bild: Wehrle

Hauptamtsleiter Keller nennt gleich mehrere Gründe, die seiner Meinung nach für das Altenheim sprechen: Im Trauzimmer finden nur rund 15 Trauungen pro Jahr statt, ansonsten werde der Raum als Büro verwendet. Dort gebe es weniger Bildbetrachter als im Altenheim, wo alle, die zur Kapelle gehen sowie die Bewohner, das Bild anschauen könnten.

Doch das ist nicht der einzige Grund: Die Kommunalaufsicht schreibe vor, dass ein Trauzimmer neutral gehalten sein müsse, also keine christlichen Bildnisse aufgehängt werden dürfen. „Es kann nicht sein, dass jemand bestimmt, wo das Bild hinkommt, wenn er es schenkt“, sagt Keller. Unter den Fraktionsvorsitzenden von CDU, Freien Wählern und SPD habe er dann eine Umfrage gemacht – die seien sich einig, das Bild am besten an Immolata zurückzugeben, da es keine Einigung gebe. In den nächsten Tagen will das Rathaus das Gemälde zurückgeben, samt einem Brief und der Schenkungsurkunde, die überflüssig wurde.

Und was sagt das Altenheim Todtnau zu dem Konflikt um das Ölbild? Marita Steinebrunner, Leiterin des Alten- und Pflegeheims, fände es sehr schade, wenn das Bild wegkäme. Die Bewohner erfreuten sich an dem Bild, etwa wenn sie ihm auf der Bank gegenübersitzen und auf ihre Therapie warten. Doch bald blicken sie von dort wieder auf eine weiße Wand.