Da hängt er nun und wacht über das Geschehen am Ratstisch: Christof Nitz, wie man es von ihm gewohnt ist. Lässig-leger, mit einem Lächeln im Gesicht, den linken Arm aufgestützt schaut der Ex-Bürgermeister von einem 1,20 Meter mal 80 Zentimeter großen verglasten Rechteck in die Runde. Am Dienstag ist im Rathaussaal das obligatorische Portrait enthüllt worden, das Christof Nitz in eine Reihe mit seinen Bürgermeister-Vorgängern platziert.

Das Nitz-Portrait von Luis Lenz
Das Nitz-Portrait von Luis Lenz | Bild: privat

Das Nitz-Portrait ist dabei ein absolutes Novum. Es ist keines der üblichen Ölgemälde, von denen die alt-ehrwürdigen Lokalpolitiker ernst und erhaben herabschauen. Es ist eine am Computer nachbearbeitete Fotografie, die kurz nach Nitz‚ Ausscheiden aus dem Amt in seinem Wohnzimmer entstanden ist, unter Mithilfe seiner Frau Corinna, die ihn „in Szene gesetzt hat“, wie der Alt-Burgi bei einer kleinen Feierstunde im Rathaus am Dienstagabend berichtete. Die Schopfheimer Künstlerin Luis Lenz – Nitz war schon immer einer ihrer Fans und noch jetzt hängen im Bürgermeister-Dienstzimmer Werke von ihr – hat die Anfrage des scheidenden Rathauschefs im vergangenen Jahr gerne angenommen.

Bürgermeister Dirk Harscher zog das weiße Tuch vom Bildnis seines Vorgängers.
Bürgermeister Dirk Harscher zog das weiße Tuch vom Bildnis seines Vorgängers. | Bild: Nicolai Kapitz

Sie drapierte Nitz in tagelanger Detailarbeit am PC in den Schopfheimer Stadtfarben Blau und Weiß in eine Szenerie, die auch gut und gerne von einem der Sommersound-Abende auf dem Marktplatz stammen könnte, die Nitz in seiner Zeit als Bürgermeister (2002 bis 2018) initiiert hat. Im Hintergrund schattenhaft Menschen und Bühnenlichter, im Vordergrund der lächelnde Ex-Bürgermeister.

Nun hängt das Nitz-Portrait an der Südseite des Saals, wenige Meter neben dem Bildnis seines Vorgängers Klaus Fleck, das dieser 2006 vom Karikaturisten Rainer Ehrt in der Schopfheimer Partnerstadt Kleinmachnow fertigen ließ. Gegenüber hängen neben den Portraits einiger badischer Adliger die ernsten Gesichter von Ernst Friedrich Gottschalk (Bürgermeister von 1840 bis 1844), Franz Heeg (Bürgermeister von 1909 bis 1931) und Flecks Vorgänger Hans Vetter (Bürgermeister von 1949 bis 1978). „Alles Hochkaräter“, sagte Nitz-Nachfolger Dirk Harscher. „Nach ihnen sind in Schopfheim inzwischen schon Straßen benannt. Und auch Christof Nitz war ein Hochkaräter.“

„Es unterscheidet sich bewusst von den gewohnten Portraits“, sagte der so Betitelte. Zunächst einmal sei es unfassbar schwierig gewesen, einen Ölmaler für das Bild zu finden. „Und fünfmal nach Kleinmachnow zu fliegen, um dort Portrait zu sitzen wie mein Vorgänger, wollte ich aus verschiedenen Gründen nicht“, meinte Nitz mit einem kleinen Seitenhieb auf das in den Augen vieler etwas karikaturistisch geratene Fleck-Portrait.

Das digital bearbeitete Foto zeige, dass auch die Ahnengalerie im Rathaussaal im digitalen Zeitalter angekommen ist. „Es ist farbenfroher und einfach anders als die üblichen Bilder. Da wird mancher die Nase rümpfen. Aber es charakterisiert mich sehr gut. Ich wollte bei den Menschen sein.“ Christof Nitz freute sich übrigens aus einem Grund besonders, dass ihm und seinem Portrait der Platz auf der Südseite des Rathaussaals zuteil wurde. „Von da aus“, grinste Christof Nitz mit dem nach-fasnächtlichen Schalk im Nacken, „kann ich den Grünen auf die Finger schauen und gucken, was die so machen. Das ist irgendwie auch eine Genugtuung.“