Im Bauamt gibt es eine Art Wanderbaustelle. Ihr Name: Personalknappheit. War davon im vergangenen Jahr der Hochbau betroffen, ist nun der Tiefbau nach dem Weggang von Fachgruppenleiter Gerd Woop in der Bredouille. Die Stadt sucht aber nicht nur Ersatz. Vielmehr soll der Tiefbau insgesamt aufgestockt werden. Aufbauende Zukunftsaussichten also für den dezimierten Fachbereich. Im Moment allerdings kann dieser nur Vorhaben mit oberster Priorität abarbeiten.

  • Die Situation: Es erinnert ans Flicken von Straßenbelag. Kaum ist an einer Stelle das Problem behoben, tut sich an anderer Stelle eine neue Baustelle auf. Im Bauamt kennt man das auch in personeller Hinsicht. Vergangenes Jahr war der Hochbau betroffen – insbesondere mit dem Weggang von Gebäudemanagement-Leiter Bertram Ludwig. Nun ist der Tiefbau das Sorgenkind. Ein Mitarbeiter hat in diesem Jahr sein Pensum auf 50 Prozent reduziert. Zudem hat im März Fachgruppenleiter Gerd Woop die Stadt verlassen. Woop hatte 2014 als Nachfolger von Bernhard Springmann die Leitung des Tiefbaus übernommen. Zuvor war Woop, der 1999 als Bauingenieur zur Stadt kam, Springmanns Stellvertreter. Sein Weggang schmerzt buchstäblich doppelt: Woop war nicht nur Fachgruppenleiter, sondern auch wie zuvor als Bauingenieur tätig, sprich aus zwei Stellen wurden im Prinzip eine – verbunden mit entsprechender Mehrbelastung. Inwiefern dies zur Trennung beigetragen haben könnte, ist zwar spekulativ, die genauen Gründe wurden nicht öffentlich genannt. Bürgermeister Dirk Harscher aber bestätigt auf Nachfrage, dass nun im Zuge der Nachfolgersuche zur früheren Konstellation zurückgekehrt werden soll. Mehr noch: Der Tiefbau soll insgesamt aufgestockt werden. Dies war im Prinzip bereits in einem Gutachten der Firma Allevo im Herbst 2018 empfohlen und im November vom Gemeinderat beschlossen worden. Die Gutachter kamen damals schon zu dem Schluss, dass im Tiefbau 1,5 Arbeitskräfte (AK) fehlen. Mit dem Weggang von Woop und der Teilreduzierung des Mitarbeiters nun kamen aber noch weitere 1,5 AK hinzu. „Wir haben deshalb drei Stellen ausgeschrieben“, erklärt Harscher. Er ist überzeugt: Sollten alle besetzt werden, „ist der Bereich gut aufgestellt. Allerdings ist es im Moment sehr schwer, Fachpersonal zu finden.“ Gesucht wird außer einer Fachgruppenleitung auch ein Techniker sowie ein Bauingenieur oder Techniker.
  • Bewerbersituation: Für die Leitungsstelle gebe es zwar einen Interessenten, ein Bewerbungsgespräch habe aber bisher noch nicht stattgefunden. Auch bei der zweiten Stelle, die wahlweise mit einem Techniker oder Ingenieur besetzt werden könnte, ist bislang noch nichts fix. Immerhin: „Für die dritte Stelle, die des Technikers, haben wir jemanden gefunden“, freut sich Dirk Harscher. Dieser werde zum 1. Oktober die Stelle antreten.
  • Ist-Situation: Im Moment aber muss der Tiefbau mit 2,4 Stellen (AK) am Laufen gehalten werden. Zudem übernimmt Bernhard Karle, der Leiter der Eigen- und Versorgungsbetriebe, zusätzlich Aufgaben im Tiefbauamt – wofür ihm Harscher „überaus dankbar ist“, wie er betont. Trotzdem kann die Abteilung so natürlich keine Bäume ausreißen. Im Mai hatte die Stadtverwaltung daher dem Gemeinderat mitgeteilt, dass nur Projekte mit oberster Priorität (1 und 1a) bearbeitet werden. „Ich kann ja nicht die Abteilung auf Verschleiß fahren.“ Dazu gehören der Ausbau der Scheffelstraße, die Erschließung Uehlin-Areal/Sparkassenparkplatz, die Erschließung Lus-West (mit Hubschrauberlandeplatz) sowie Kinderspielgeräte (Neu- und Ersatzbeschaffung).

Außerdem soll noch die Sanierung der Rauschbachstraße, die Umgestaltung der Hauptstraße Ost, der Breitbandausbau, Brückenprüfungen, der Löschwasserbehälter in Raitbach (Unterdorf) und die Verdolung beim Floßkanal/Eisweiher gestemmt werden. Eventuell, so Harscher, rückt noch der Hochwasserschutz bei Langenau etwas nach vorne. Im Moment habe dieser nur Priorität drei.