Berühmte Dichter und ihre Werke werden vom Sockel geholt und aus der Perspektive des täglichen Lebens betrachtet: Die Künstler des Wortes machen als Büste, Buchstütze, Briefbeschwerer, Ausstechform, Biermarke oder Gartenzwerg die Literatur „begreifbar“ – auch außerhalb des Buches. „Literatur zum Anfassen“ im Schopfheimer Museum ist also etwas zum Schmökern und Stöbern; die literarischen Texte und Helden werden in ihrer Vermarktung präsentiert: auf Tassen, Tellern, Tüchern.

Günter Grass als Buchstütze.
Günter Grass als Buchstütze. | Bild: Jürgen Scharf

Die Welt der Dichter wird hier einmal auf andere Art erschlossen in Gegenständen, die sich besser ins Gedächtnis einprägen als jede Prachtausgabe: Goethe als Badetuch, Pippi Langstrumpf als Spiel, Victor von Scheffels „Trompeter von Säckingen“ auf Hinterglasbildern, Charles Perrault mit Märchenfiguren, Wilhelm Busch mit „Max und Moritz“ als Spielkarten, Micky Maus als Zauberlehrling aus dem Disney-Film, bis hin zu Günter Grass als Bücherstütze.

Vergnügliche Blick auf die Literatur

Museumsleiterin Ulla K. Schmid hat in einer eigentlichen Zufallsmischung von Autoren und ihren Bestsellern eine Übersichtsschau zusammengestellt, die einmal einen vergnüglichen Blick auf die Literatur wirft. Der beginnt bei Homer und hört mit Harry Potter auf – eine bunte Auswahl. Ein Schwerpunkt ist Johann Peter Hebel, was nicht verwundert im Wiesental. So blickt einen das bekannte Porträt des Dichters von Adolf Glattacker auf einem Kissen an, daneben stehen Vasen und Krüge mit Hebels Konterfei.

Zeitgeschichtliche Dokumente

Es bleibt nicht bei Souvenirs wie in Museumsshops, es gibt darüber hinaus zeitgeschichtliche Dokumente zu sehen: Hebelporträts, die auf einer Serie Notgeldscheinen von 1921 samt einiger seiner Motive abgedruckt sind. Für dieses Notgeld der Stadt Schopfheim wurden auf der Rückseite Strophen aus Hebelgedichten sowie passende Zeichnungen und für die Vorderseite ein Vreneli in Tracht ausgewählt. Der alemannische Dichterfürst erscheint auch auf einem Kartenspiel („Dichter-Quartett“) zusammen mit den Großen der Literatur. Unter den 109 Ausstellungsstücken finden sich als schwerstes und ältestes Exponat die Cicero-Büste von 1800, als leichtestes die Briefmarke mit Annette von Droste-Hülshoff, als längstes der „Faust“-Schal, als witzigstes die Salz- und Pfefferstreuer mit Goethe und Schiller, als hochprozentigstes der Theodor-Storm-Punsch und als ungewöhnlichstes die Schillerlocke.

Die Ausstellung dauert bis 30. September, geöffnet Mittwoch 14 bis 17, Samstag 10 bis 17, Sonntag 11 bis 17 Uhr. Begleitende Lesungen „Literatur von A bis Z“ am 29. August („Von Hebel bis Karl May“) und 5. September, 15 Uhr.