Biolandwirtschaft, inklusive Arbeitsplätze für Menschen mit Assistenzbedarf, ein florierender Direktbetrieb in Gestalt der „Dreiland-Biokiste“ und eine Unternehmensform, die den Beruf des Landwirts von seiner schicksalhaften Bindung an ererbte Familientraditionen löst und ihn damit für die Zukunft aufstellt: In einer engagierten Hofführung informierte Betriebsleiter Markus Hurter am Samstag über Konzept und Praxis auf dem Demeterbetrieb Hof Dinkelberg im Schopfheimer Ortsteil Wiechs.

Adressat der Ausführungen war ein gutes Dutzend interessierter Hofgänger aus dem ganzen Landkreis, die im Rahmen des BUND-Programmes „Dinkelberg erleben“ den Weg nach Wiechs gefunden hatten.Wichtiges Thema für alle Landwirte ist die die Trockenheit in diesem Sommer. Auf diese Thema angesprochen, sieht Betriebsleiter Hurter den Hof Dinkelberg wie überhaupt die hiesige Region noch einigermaßen glimpflich davongekommen „Es ist nicht viel gewachsen, aber auch nichts vertrocknet“, bilanziert Hurter für das Wachsen und Gedeihen auf seinem Hof, der seinen absoluten Schwerpunkt im Gemüseanbau hat. Immens wertvoll ist in solch trockenen Zeiten schon ein einzelner Regenguss, der zumindest die obere Schicht der Krume durchfeuchtet, erklärt der Landwirt. Einen solchen Niederschlag gab es Ende Juli.

Auf dem Hof Dinkelberg gibt es aber keine Futtersorgen, weil genug Land vorhanden ist, um den überschaubaren Bestand füttern zu können.
Auf dem Hof Dinkelberg gibt es aber keine Futtersorgen, weil genug Land vorhanden ist, um den überschaubaren Bestand füttern zu können. | Bild: Anja Bertsch

Zusammen mit einigen zusätzlich ausgebrachten Wasserfuhren reichte das, um anzugießen, was frisch gepflanzt wurde, und um am Leben zu erhalten, was schon steht. „Es reicht aber nicht dafür, dass viel wachsen kann“. Für die Ende Juli eingebrachte Getreideernte vermeldet Hurter ein „durchschnittlich bis gut“: Im Frühjahr gab es noch eine Menge Regen, und auch in den folgenden Monaten bis Juli „kam immer wieder ein bisschen was von oben.“ Damit, so betont Hurter, sei die hiesige Gegend auf einem wirklich eng begrenzten Flecken rund um Wiesental und Dinkelberg gegenüber vielen andern (auch benachbarten) Regionen absolut privilegiert. „Wir hatten total Glück“.

Ein ähnlicher Tenor ergibt sich bei der Befragung weiterer Landwirte im Wiesental: So dramatisch wie andernorts in Deutschland sei die Situation beileibe nicht, betonen die Bauern unisono. Nach gewohnten Standards aber kann derzeit kein Landwirt arbeiten, (be)wirtschaften und ernten. Und vor allem der Blick auf die Spätfolgen in den kommenden Monaten macht Sorgen: Was nämlich jetzt an Wachstum und Ernte ausfällt, fehlt als Vorrat. Das betrifft vor allem die Viehbetriebe, denen nicht nur die Weiden, sondern auf der eigene Getreide- oder Maisanbau vor allem der Viehfutterproduktion dient.

„Ein Schnitt fehlt“, berichtet beispielsweise Susanne Greiner vom Milchkuhbetrieb Sonnenhof in Raitbach-Sattelhof mit Blick auf die trockene Kargheit, in die sich ihr „Grünland“ in den letzten Wochen verwandelt hat. Eigentlich hätte hier eine Fuhre Gras mehr eingebracht werden müssen, um die Grassillage herzustellen, die ihre etwa sechzig überwiegend im Stall gehaltenen Milchkühe zu großen Teilen ernährt. Im Moment sei die Situation noch nicht so schlimm, so Greiner weiter: „Wir haben noch Heu vom letzten Jahr“. Damit freilich verfüttert die Familien jetzt bereits den Wintervorrat fürs Vieh, und kann die Kammer zugleich mangels nachwachsendem Grünstoff nicht auffüllen. „Im Winter wird es kritisch“, prognostiziert Greiner daher. Nun hofft die Familie darauf, dass zumindest die Maisernte etwas hergibt. „Die Kolben sind aber nicht so, wie sie sein sollten“, hat die Milchbäuerin schon festgestellt. Damit ist jetzt bereits absehbar, dass der Hof Futter zukaufen muss. Hier freilich droht das nächste Ungemach: „Das wird alles teurer“, prognostiziert Greiner mit Blick auf das sich abzeichnende Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage auf dem Futtermittelmarkt. Im Notfall, so Susanne Greiner, müsse man den Viehbestand verkleinern. Einigermaßen entspannt ist man auch auf dem Gestüt „Zentauer“ in Schopfheim-Schweigmatt: Als Ausbildungsbetrieb für Pferde haben Mutter Karin und Tochter Anja Hass auf ihrem weitläufigen Land ohnehin nur eine begrenzte Anzahl von Pferden unter ihren Fittichen. Für das gute Dutzend Tiere reichen die zehn Hektar Weideland allemal, erklärt Anja Hass. Was den Heuzukauf für die Nicht-Weide-Monate anbelangt, haben die beiden aber ebenfalls bereits eine Ahnung davon bekommen, dass die derzeitige Knappheit in Sachen nachwachsendem Nachschub auf Verfügbarkeit und Preise durchschlagen. Froh ist das Gestüt hier um die langjährig-verlässliche Beziehung zu einem Großhändler. „Wir haben gerade gestern 14,5 Tonnen abgeladen. Das reicht für sechs Monate“, so Anja Hass.