Kultur Schopfheimer Orgelsommer: Travis Baker holt Vogelstimmen aus den Orgelpfeifen

Warum das Abschlusskonzert des Schopfheimer Orgelsommers ein besonderes war und wie es dem Organisten Travis Baker gelang, Vogelstimmen aus den Orgelpfeifen zu holen, erfahren Sie hier.

Gezwitscher in der Stadtkirche: Travis Baker holte Vogelstimmen aus den Registern der Emporenorgel. Das Abschlusskonzert des Schopfheimer Orgelsommers war ein besonderes, gerade in dem Block mit drei Stücken, der mit "A flutter of birds" (Vogelgeflatter) überschrieben war. Eines mit viel Klangmalerei, der Natur abgelauscht. Bei Rameaus auf die Orgel übertragenem Cembalowerk "Le Rappel de oiseaux" aus den "Pièces de clavecin" wird das Gezwitscher der Vögel lautmalerisch beschrieben. In dem barocken Genrestück "Le Cou-cou" von Louis-Claude Daquin konnte man die Kuckucksrufen erkennen, wenn man die Augen schloss.

Messiaens Hinwendung zum Vogelgesang ist programmatisch, wie man in den Vogelgesängen der "Chants des oiseaux"aus dem "Livre d'orgue" hören konnte: Klangporträts des Hobby-Ornithologen Messiaen, der sich der Erforschung der Tonsprache der Vögel verschrieben hatte und in dessen Werk Vogelstimmen eine wichtige Rolle spielen, zum Gegenstand der Musik werden und im Titel erscheinen. Travis Baker wählte für diese Vogelsprache sehr ansprechende Register. Die Vogelgesänge hat er sehr ruhig ausgespielt, in schönen Farben bis ins Pedal; die gefiederten Freunde zoomte er deutlich heran. Seine interpretatorischen Porträts hatten Nähe und Brennschärfe. Das Nachahmende kam klar rüber. Vielleicht hatte er auch die Messiaen- Orgelgesamteinspielung seiner Lehrerin Gillian Weir dabei im Ohr. Als eine kleine Hommage an England, wo der Australier mittlerweile lebt, durfte man das spätromantische Adagio von Frank Bridge deuten.

Das Programm hatte einen sehr breiten Bogen, begann mit spätmittelalterlichen Tänzen, ging über die erste Orgelsonate von Franz Xaxer Schnitzer, einem Mönch aus Ottobeuren, dessen Musik stilistisch typisch für die Zeit der Wiener Klassik war und an die Orgelwalzenstücke von Mozart erinnerte, und ging bis zur abschließenden großen Kür mit Bachs bekannter und gern gespielter Fantasie und Fuge g-Moll BWV 542. Unter Bakers Händen hat das gewaltige Orgelplenostück und der Allzeithit bei Organisten angemessene Größe und klang nach Toccata. Nur die Fuge, deren Schönheit jedem Laienhörer sofort aufgeht und die schon zu Bachs Lebzeiten als "das allerbeste Pedalstück des Herrn Johann Sebastian Bach" bekannt und verbreitet war, wirkte etwas überhetzt.

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