In großer Raumnot ist die DRK-Ortsgruppe Schopfheim: In der Garage im Käppelemattweg wird jeder Zentimeter ausgenutzt, vier Fahrzeuge müssen Platz finden – und dazu noch ein Umzieh- und Lagerbereich. Zu eng für einen reibungslosen Ablauf im DRK-Alltag und nicht praktikabel bei Einsätzen. Das DRK um den Ortsverbandschef Simon Redling hofft auf eine schnelle Lösung. Die Retter wollen zunächst nach Fahrnau ziehen, perspektivisch aber bei der künftigen Feuerwache West im Lus eine feste Bleibe finden. Am Donnerstag ist das DRK dem Ziel einen Schritt näher gekommen.

Wer das Kult-Computerspiel Tetris noch kennt, der kann sich in etwa vorstellen, wie sich die Mitglieder des DRK im Moment beim Einparken fühlen: Wie seinerzeit am PC oder am Gameboy virtuelle Klötzchen passend aufeinandergestapelt werden mussten, so müssen die DRKler ihre Einsatzfahrzeuge in die derzeitige Garage im Käppelemattweg hineinrangieren. Stoßstange an Stoßstange müssen hier auf engstem Raum vier große Wagen Platz finden: Zwei Rettungswagen, ein Mannschaftstransporter und ein Gerätewagen für den Katastrophenschutz sind in dem Abteil der ehemaligen Fabrikhalle der EKATO untergebracht. „Fürs Einparken brauchen wir jedes Mal zwei Einweiser“, sagt Simon Redling. Die Wagen müssen zentimetergenau aufeinander und zudem nur eine Handbreite von der Wand entfernt geparkt werden, damit alles hineinpasst und das Tor schließt. Für den Kommando-Kombi ist kein Platz mehr, er steht vor der Garage im Regen.

Apropos: Der Regen lässt sich durch ein leises Plätschern auch im Innern vernehmen, an einem maroden Rohr an der Decke tröpfelt es hinab. Das löchrige Dach ist indes die einzige Wasserzufuhr im DRK-Domizil, denn es gibt weder Toiletten noch ein Waschbecken. Im hinteren Teil der Garage hat es viel Phantasie gebraucht, um Spinde, medizinische Ausrüstungen und weitere Gerätschaften unterzubringen. „Wir haben ein paar sehr versierte Handwerker in unseren Reihen“, sagt Simon Redling. Eine hölzerne Empore mit Klapp-Treppe bietet etwas Lagerfläche, darunter sind die Schränkchen der aktiven DRKler, die sich vor Einsätzen hier zwischen den Spinden umziehen müssen.

Rund 100 ernste Einsätze pro Jahr startet das DRK von diesem Stützpunkt aus. Immer dann, wenn die hauptamtlichen Lebensretter von Rotem Kreuz und Maltesern, deren Rettungswachen beim Kreiskrankenhaus beziehungsweise in Gündenhausen liegen, unterwegs sind und ein weiterer Notruf reinkommt, eilen die Ehrenamts-Retter des DRK-Ortsverbands in den Käppelemattweg und bemannen einen Rettungswagen. Deswegen stehen die beiden RTW genannten Fahrzeuge vorne in der Garage. „Wenn wir die anderen Wagen, zum Beispiel den Mannschaftswagen, brauchen, dauert das jedes Mal eine Viertelstunde“, erklärt Simon Redling. Heißt: RTW raus, Mannschaftswagen raus, RTW wieder rein – und bei der Rückkehr das Ganze nochmal – DRK-Tetris eben.

Möglichkeiten, nach einem Ernstfall-Einsatz Fahrzeuge und Kleidung zu reinigen und zu desinfizieren gibt es in der Ex-Fabrikhalle nicht, eine richtige Heizung fehlt ebenfalls. Zudem müssen die DRKler ihre Utensilien vor Einsätzen manchmal regelrecht zusammensammeln. Denn ein Teil der Ausrüstung lagert in der benachbarten Hanf-Union beim DRK-Schulungsraum. „Dort haben wir immerhin nicht das Problem mit der Feuchtigkeit wie hier“, sagt Simon Redling.

Feuerwache West als Lösung

Seit 2012 gibt es dieses eigentlich als Provisorium gedachte Konstrukt. Und seit Jahren bemüht sich das DRK um eine neue Bleibe. „Inzwischen merkt man, dass sich etwas tut“, sagt der Vorsitzende. „Aber jahrelang hat man das nicht gemerkt“ – das DRK fühlte sich von der Stadt im Stich gelassen. Immer wieder sei man vertröstet worden: Die neue Feuerwache West am Lusring, in der irgendwann einmal die Feuerwehr-Abteilungen von Wiechs und Langenau ihren Stützpunkt finden sollen, könne auch für das DRK ein neues Zuhause werden. „Aber passiert ist da bisher nichts“, sagt Simon Redling. „Und vor 2025 passiert da auch nichts.“ Eine Zeitspanne, die dem DRK zu lang ist. „Wir wollen nicht fordernd auftreten“, sagt Simon Redling. „Aber wir wollen trotzdem klar machen, dass es so nicht bleiben kann.“ Deswegen haben die Retter ein Auge auf das Areal in Fahrnau beim Friedhof geworfen, auf dem derzeit noch die Container-Unterkunft für Flüchtlinge steht. „Das Grundstück ist erschlossen, es gibt bereits Container, die wir benutzen könnten, wenn die Bewohner ausgezogen sind“, erklärt der DRK-Chef. Das soll – so die jetzige Planung – im Laufe des kommenden Jahres geschehen.

Spätestens dann will das DRK auch einen Fahrplan haben, wie es weitergehen kann. Denn die Zeit drängt: Das Regierungspräsidium überprüft regelmäßig die Zustände beim DRK vor Ort und hat bereits signalisiert, dass die teilweise vom Land finanzierten Fahrzeuge besser morgen als übermorgen eine bessere Unterkunft benötigen. Obendrein könnte der private Vermieter der Garage jederzeit kündigen, „und dann stehen wir auf der Straße“, sagt Simon Redling. Und schließlich, so erklärt der 25-Jährige, ist es auch für die Moral und die Motivation der rund 30 aktiven DRKler nicht förderlich, wenn sich am Ist-Zustand nichts ändert.

Hoffnungen setzt das DRK in den neuen Bürgermeister Dirk Harscher. „Er hat unsere Garage im Wahlkampf besucht“, berichtet Simon Redling. „Und er hat den Bedarf erkannt.“ Am Donnerstag gab es nun ein Gespräch mit der Stadt und der Boule-Spielgemeinschaft „Le Cochonnet“, denn auch die Freizeit-Bouler haben ein Auge auf das Container-Areal in Fahrnau geworfen. „Wir können uns gut vorstellen, dass wir dort gemeinsam unterkommen“, sagt Simon Redling. Erste Pläne hat das DRK bereits gemacht, für eine Garage, Unterkunfts-Container sowie zwei Boule-Plätze und einen Vereins-Container für die Sportler. „Alle Seiten haben signalisiert, dass sie sich das vorstellen können“, sagt Simon Redling. In einem weiteren Schritt soll jetzt genauer festgelegt werden, wer welchen Platzbedarf hat und wie die Fläche zwischen den beiden Anwärtern genau aufgeteilt wird.