Wiesental Regenmassen halten Rettungskräfte im Wiesental in Atem

Unwetter im Wiesental: Kleine und Große Wiese traten teils über die Ufer und die Trinkwasserversorgung in Gündenhausen wurde mit Sandsäcken geschützt.

Land unter hieß es am Sonntag an mehreren Stellen im Wiesental. Die Flüsse Wiese und Kleine Wiese konnten die Regenmassen teils nicht mehr fassen und traten vereinzelt über die Ufer. In mehreren Orten liefen Keller voll. Auch auf Straßen kam es zu Problemen. In Gündenhausen wurde eine Sandsackbarriere errichtet zum Schutz der Trinkwasserversorgung. Die Rettungskräfte bereiteten sich auf eine lange Nacht vor.

„Wir haben rund 150 Einsatzstellen im ganzen Landkreis“, fasste Kreisbrandmeister Christoph Glaisner am frühen Sonntagabend gegen 18.30 Uhr die Situation zusammen. Der Schwerpunkt lag demnach im Wiesental. Laut Glaisner waren hier sämtliche Kräfte der Feuerwehr von Lörrach bis Todtnau inklusive des Kleinen Wiesentals im Einsatz, ferner die THW-Ortsgruppen Lörrach, Schopfheim und Rheinfelden sowie die Kräfte des DRK. Um die Einsätze zu koordinieren, war im Feuerwehrgerätehaus Schopfheim ein Krisenstab eingerichtet worden.

Wie Glaisner berichtete, waren an mehreren Orten, darunter in Langenau, Todtnau und Steinen, Keller vollgelaufen, Große und Kleine Wiese waren stellenweise über die Ufer getreten. Am meisten Sorgen bereitete den Einsatzkräften am frühen Sonntagabend die Situation zwischen Gündenhausen und Maulburg.

Der Zusammenfluss der Wassermengen am Schnittpunkt von Großer und Kleiner Wiese hatte einen Rückstau im Kraftwerkskanal verursacht, dort war das Wasser über die Ufer getreten. Um weiteren Schaden zu verhindern, wurde der bestehende Damm auf einer Länge von 250 Metern mit Sandsäcken zum Schutz der Wasserversorgung verlängert.

Auch kurz vor Maulburg waren die Kräfte zum Schutz der Wasserversorgung im Einsatz – hier war Wasser ins Pumpwerk Müschelen eingedrungen. Kritisch war es auch in Zell-Mambach. Hier konnte eine Überflutung des Campingplatzes dank des Eingreifens der Einsatzkräfte gerade noch rechtzeitig abgewendet werden, berichtete Glaisner. Zwar gingen die Wiese-Pegelstände am frühen Sonntagabend als Folge nachlassender Niederschläge leicht zurück – für Entwarnung war es aber noch zu früh. Glaisner jedenfalls ging von einer langen Nacht für die Einsatzkräfte aus: „Es ist noch nicht vorbei.“ 

In Langenau ist die Kleine Wiese bereits am Samstag über die Ufer getreten. Am Sonntag erreichte der Pegel dann einen kritischen Stand. Das Löwenzahnstadion war vollkommen überspült, in der Fabrikstraße staute sich das Wasser an der Brücke zurück. In der Inselstraße waren die Keller zweier Häuser geflutet. Die Feuerwehr schaffte es kaum, sie zu leeren. Dankenswerterweise habe Wolf-Dieter Hänßler sein Kraftwerk geöffnet, so dass die Fluten in den Kanal abgeleitet werden konnten.

In Tegernau war am Sonntagnachmittag eine große Tanne auf die L 139 gestürzt und machte ein Durchkommen unmöglich. Die Feuerwehrabteilung Tegernau rückte aus und schaffte das Hindernis aus dem Weg, berichtet der Kleinwiesentäler Kommandant Helmut Höcklin auf Anfrage. In Neuenweg drohte ein Keller vollzulaufen.

Am Sonntag war bereits um 10 Uhr die Feuerwehrabteilung Gersbach zur Wehratalsäge in Gersbach-Au gerufen worden. Ein Baum war von dem starken Wasserstrom der Wehra in die Staufalle des Sägewerks geschwemmt worden und versperrte sie. Das Wasser drohte über das Ufer zu treten und die Landstraße zu überfluten. Der Baum wurde beseitigt.

In Schönau war die komplette Mühlmatt – das breite Feld entlang der Wiese – überflutet und hatte sich am Sonntag in einen strömenden See verwandelt. Um 11 Uhr sperrte die Feuerwehr diesen Bereich dann komplett ab. Dennoch wollten am Mittag Spaziergänger den Fußgängerweg über die Mühlmatt mit ihrem Hund laufen und Kinder spielten im Hochwasser. Dies verärgerte Jürgen Bianchi, Einsatzleiter der Schönauer Feuerwehr. Die Leute unterschätzten die große Gefahr, die hinter einem Hochwasser stecke.

Bei der Firma Ranir in Schönau war das Wasser der Wiese so hoch gestiegen, dass die Feuerwehr einen Wall baute und eine Mauer verlängerte. Den Hochwasserschutz habe man damals extra für diese Stelle gebaut, doch noch nie zuvor eingesetzt. Über Balken wurden einen Plane und Sandsäcke gelegt. Auch am Campingplatz in Schönau stieg das Wasser bedrohlich hoch. „So ein Hochwasser haben wir schon über 30 Jahre nicht erlebt“, berichtet Bianchi.

Für einen kurzen Zeitraum wurde wegen Erdrutschen auch die Straße zwischen Utzenfeld und Wieden am Sonntagmorgen gesperrt. „Das Erdreich ist sehr aufgeweicht durch den Regen. Ein kleiner Erdrutsch ging dann auf die Straße ab“, berichtet Utzenfelds Feuerwehrhauptmann Christian Ulrich. Die Feuerwehr räumte die Straße kurzfristig, so dass sie bald wieder befahrbar war.

In Schlechtnau war Ortsvorsteher Sven Behringer am Nachmittag damit beschäftigt eine Bach-Unterführung frei zu machen, damit das Wasser die Straße nicht weiter überflutet. Auf den Straßen im Wiesental machte der Regen das Fahren gefährlich, auch auf der B 317. Wasserfälle prasselten an den Felsen neben den Straßen herab und überfluteten diese stellenweise. Trotz Aquaplaning-Gefahr gab es aber keine Meldungen über Unfälle.

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