Die Wellen schlagen hoch nach zwei Polizeieinsätzen am Mittwoch im Schwimmbad. Ausgelöst wurde eine Flut von Facebook-Kommentaren – und der Vorwurf, ein Bademeister gehe bei der Kontrolle der Badekleidung von Kindern zu weit. Das Bademeisterteam wehrt sich. „Das entspricht absolut nicht der Wahrheit“, beteuert Betriebsleiter und Bademeister Mathias Wüst. Er und seine Kollegen sprechen von „Rufmord höchsten Grades“. Jetzt wird ermittelt – wegen der Vorwürfe und umgekehrt wegen Verleumdung.

  • Die zwei Polizeieinsätze: Auslöser der Debatte im Sozialen Netzwerk Facebook mit mehr als 160 Kommentaren war ein Foto, das mehrere Polizeifahrzeuge vor dem Schopfheimer Bad zeigt. Eigentlich wollte der derjenige, der das Foto eingestellt hatte, nur wissen, was da los war. Wie die Polizei und die Bademeister auf Nachfrage dieser Zeitung berichten, erfolgte der erste Einsatz am Mittwoch um 17.30 Uhr. Zuvor waren Polizisten in Zivil im Schwimmbad unterwegs, weil eine Personengruppe im Verdacht stand, Drogen ins Bad mitzubringen, womöglich auch zu verkaufen. „Die Beamten haben einige ertappt beim Drogenkonsum. Um die Gruppe zu kontrollieren, wurden dann auch uniformierte Beamte hinzugezogen“, teilt Polizeipressesprecher Matthias Albicker auf Nachfrage mit. Zwölf Beamte waren vor Ort. Es seien einige Gramm Marihuana und ein angerauchter Joint gefunden worden. Um 19.22 Uhr gab es einen zweiten Einsatz. Auslöser dieses Mal war, dass eine Gruppe von zehn bis 15 jungen Männern in Streit mit einem Bademeister geraten war, der sie wegen ihres Verhaltens ermahnt hatte. Weil sich die Bademeister bedroht fühlten, riefen sie die Polizei zu Hilfe. Diese rückte mit fünf Streifenwagen und zehn Beamten an. Bei ihrem Eintreffen hätten sich „tumultartige Szenen“ abgespielt, so Albicker.
  • Vorwurf: Auf Facebook werden seitdem – vor allem von zwei Kommentatoren – massive Vorwürfe gegen einen der Bademeister erhoben. So schreiben die Nutzer, dass es in diesem Zusammenhang Aufregung gegeben habe, weil der Bademeister bei der Kontrolle, ob Kinder eine Unterhose tragen würden, zu weit gegangen sei. „Der () wollte bei jedem Kind unter die Badesachen schauen, ob sie Unterwäsche tragen“, heißt es da wörtlich. „Vor allem bei Kindern und wenn sie dass nicht wollten vor allen Badegästen, dann ist er in die Kabine mit ihnen gegangen um ‚nachzusehen‘ ...“. Ein Kommentator schreibt, dass es unter anderem um ein siebenjähriges Mädchen gegangen sei. Albicker teilt auf Nachfrage mit, dass die Polizei nur vom Vater eines Fünfjährigen wisse, der sich aufgeregt haben soll, weil ein Bademeister zur Kontrolle an dessen Boxershorts „gezippt“ habe. Die Staatsanwaltschaft habe ein Ermittlungsverfahren eingeleitet, um aufzuklären – auch weil umgekehrt am Donnerstag vom Bademeister Anzeige wegen Verleumdung erstattet wurde.
  • Die Sicht der Bademeister: Betriebsleiter Mathias Wüst sowie die beiden Bademeisterkollegen Roney Hasan und Klaus Karasch reagieren entsetzt und fassungslos. Die Vorwürfe, so sagen sie auf Nachfrage dieser Zeitung, seien „falsch und komplett unwahr“. Sie sehen aber insofern einen Zusammenhang zwischen den Polizeieinsätzen und den Anschuldigungen, als diese ihrer Vermutung nach aus dem erweiterten Umfeld der Personengruppe kommen, um die es bei bei den Polizeieinsätzen ging. „Wir haben seit Jahren schon ein Problem mit dieser Gruppe“, erklärt Wüst. Es gehe da um bis zu 15 Personen im Alter von 20 Jahren und älter, die die Regeln einfach ignorieren würden. „Die halten sich nicht an die Hausordnung. Die wollen ihre eigenen Regeln durchsetzen – aber das geht einfach nicht.“ Immer wieder falle diese Gruppe negativ auf. „Sie sind absolut rücksichtslos und respektlos“, schildert Hasan das Auftreten. So würden sie „wie die Wilden auf der Liegewiese Fußball spielen zwischen den Badegästen“ und die Gefährdung von anderen, gerade auch Kindern, in Kauf nehmen. „Und das, obwohl wir zwei riesengroße Spielfelder haben.“ Wüst berichtet von Flaschenwürfen, auch im Becken würden sie „völlig rücksichtlos“ Volleyball spielen – selbst wenn das Becken voll sei. Hasan: „Sie widersetzen sich jeglichen Anordnungen. Wenn man was sagt, rasten sie gleich aus.“ Auch hätten sie – wiewohl selbst zum Teil ausländischer Herkunft – Hasan wiederholt rassistisch beleidigt.

Abgesehen davon würden gerade Personen aus dieser Gruppe dadurch auffallen, dass sie Unterhosen unter den Shorts tragen, was inakzeptabel sei. „Das ist nicht nur optisch ekelhaft, das geht auch aus hygienischen Gründen ganz einfach nicht.“ Wüst: „In der Unterhose, die man morgens oder am Vortag angezogen hat, sind Kolibakterien drin, Urinspuren, eventuell Spermaspuren. Das will keiner im Badewasser haben.“ Zwar sei diese Unsitte mit der Unterhose generell bei männlichen Badegästen in Mode. Allerdings: „Spricht man Personen aus eben dieser Gruppe darauf an, sind die sofort von null auf hundert.“ Eskaliert sei die Situation am Mittwoch aber aus anderem Grund. „Die haben am Beckenrand wie wild Fußball gespielt und den Ball über das Becken geschossen“, erzählt Hassan. Dabei sei das Becken voll Badegäste gewesen. Als er sie ermahnte, das sein zu lassen, seien sie „äußerst aggressiv geworden“. Als sein Kollege Klaus Karasch dann dazukam, seien sie von bis zu 20 Personen „umzingelt“ und „massiv bedroht worden“. Sätze seien gefallen wie „Dich mach ich fertig“ und „Ich kenne Dich“. Plötzlich sei ein Mann hinzugekommen und habe Karasch angebrüllt, warum er seiner Tochter angeblich auf den Po geschaut habe. Es sei zu Rangeleien gekommen, auch berichten die Bademeister von versuchten Kopfstößen, Karasch von einem „leichten Schlag“, den er abbekommen habe.

Nach dem Eintreffen der Polizei habe sich die Situation beruhigt, wobei den drei aggressivsten Personen Hausverbot erteilt worden sei. Von den Vorwürfen, die nun im Internet erhoben werden, sei das Team völlig überrascht worden. Wüst ist empört: „Das ist Rufmord und Verleumdung höchsten Grades.“ Keiner der drei Bademeister würde einen Gast anfassen, schon gar kein Kind. „Um das in aller Deutlichkeit zu sagen: Keiner von uns fasst Kinder an.“ Auch die Vorstellung, dass einer von ihnen mit Kindern in eine Kabine gehe, sei völlig abwegig. Hasan erläutert, dass selbst dann, wenn ein Kind mal ein Pflaster benötigte und man mit ihm in den Aufsichtsraum gehe, „ganz bewusst die Türe offenlässt, damit jeder sehen kann, was hier passiert“. Der unterschwellige Pädophilie-Vorwurf sei auch deswegen völlig aus der Luft gegriffen, weil die Bademeister gerade zum Schutz von Kindern immer wieder aktiv werden. „Wenn Kinder nackt sind, sprechen wir die Eltern extra drauf an, dass sie was anziehen sollen.“ Auch würden sie genau deshalb einschreiten, „wenn wir sehen, dass jemand filmt oder fotografiert“.

Einen Gast anzufassen sei nicht nur tabu, sondern auch unnötig. Für das geübte Bademeisterauge sei leicht erkennbar, ob jemand eine Unterhose trage, gerade wenn er aus dem Wasser kommt. Wüst: „Wir sprechen dann die Personen höflich an.“ Wenn diese abstreite, dass sie eine Unterhose trage, „kann es Mal sein, dass wir darum bitten, an der Hüfte den obersten Rand der Badehose umzulitzen, damit man sieht, ob da eine Unterhose ist oder nicht.“ Allerdings gehe es immer nur um männliche Jugendliche oder Männer, nur bei ihnen sei das Unterhosen-Tragen verbreitet. „Um Mädchen geht es gar nicht.“ Gleichwohl betont Karasch wegen der Vorwürfe ausdrücklich, dass er „noch nie“ ein Mädchen aufgefordert habe, ihm zu zeigen, was es unter der Badehose trage oder ein Kind angefasst habe. „Das alles entsprecht in keiner Weise der Wahrheit“ – das gelte auch für die Anschuldigung des Vaters sowie für die Behauptung, er habe sich dem Unterhosen-Thema besonders intensiv gewidmet. „Unsere oberste Priorität ist die Sicherheit im Becken“, betont Wüst. Gerade an einem Tag wie Mittwoch, wo 2500 Besucher im Bad waren.

Wüst und seine Kollegen vermuten einen Zusammenhang mit den Hausverboten. Die Regeln jedoch seien zur Sicherheit aller da. „Uns geht es einzig und allein darum, unsere Badegäste zu schützen“, betont Wüst. Daher nähmen sie auch Bedrohungen und Beleidigungen in Kauf – bis zu einer gewissen Grenze. Hasan etwa gibt zu, wegen der Drohungen mittlerweile „ein mulmiges Gefühl zu haben“.