Schopfheim Peter Kraus auf dem Schopfheimer Marktplatz: Deutscher Elvis ist quicklebendig

„Only the good die young – Nur die Guten sterben jung“ – so ein Quatsch. Gott sei Dank ist dem nicht so. Der verlängerte Arm seiner Abschiedstournee brachte Peter Kraus auf den wunderschönen Marktplatz nach Schopfheim.

Und dieser dritte Abend beim Sommersound Festival 2015 war ein weiterer Höhepunkt in der Geschichte des Festivals.

Nanu, Rock'n'Roll – und der Platz ist komplett bestuhlt? Die Gäste dankten es, die Musik altert eindeutig nicht, die Menschen schon. Der Altersdurchschnitt ist weit oben in der Skala. Was sie jedoch nicht daran hindert, ihre Begeisterung laut und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Und was auf der Bühne gefeiert wird, begeistert alle – ohne Ausnahme.

Peter Kraus ist gut drauf. Er freut sich, dass so viele da sind und vor allem, dass er selbst immer noch da sei, bemerkt er bei der Begrüßung humorvoll. Und wie. Mit viel Power geht es ab mit „Die letzten Rock'n'Roller“. Das Intro von Chuck Berrys „Johnny B Good“ geht sofort ins Ohr und bei den Glücklichen ohne Sitzplatz in die Beine. Es folgen die Ohrwürmer „Diana“, „Moonlight“ und „Sexy Hexy“ – wie kann das noch besser werden? Es kann.

Vor dem Medley aus bekannten Songs des Kings vermeldet er „Ich bin so froh, dass ich den Rock'n'Roll erfunden habe“ Man könnte fast glauben, er meine es ernst. Was folgte war ein Feuerwerk an bekannten Klassikern von ihm selbst und seinen amerikanischen Vorbildern. Ein wahrer Spaß, die altersgemäße Version von „So wie ein Tiger“ als Walzer im Dreivierteltakt.

Das Original folgte selbstverständlich. Mehr als 40 Titel waren angesagt, die meisten in voller Länge, manche eingepackt in Medleys. Und eine wahre Kunst, dass auch moderne Stücke in der typischen Peter-Kraus-Machart dabei waren. Man meinte, sie waren alle von ihm, was in seinem neuesten Album funktioniert – „viel besser als die merkwürdige Anbiederung von Heino“, meinte ein älterer Herr, der die CD mehrfach gehört hat.

Die Musiker in Höchstform, die zwei Sängerinnen und der junge Mann im Backgroundchor durften nicht nur tanzen und mitsingen, stimmgewaltig ging es auch mehrfach in den Vordergrund. Die eine wurde zu Peters Conny, die zweite Dame zu Helene Fischer. Als Peter Kraus mitten in der Show plötzlich stürzte und vor dem Schlagzeug lag, stockte dem Publikum der Atem. Was tat er, als er sich aufrappelte? Was ein echter Rocker eben tut: Er schaute, ob die Gitarre Schaden genommen hatte. Ein kurzer schmerzverzerrter Blick, er hielt sich den Arm und sofort war es wieder da, das spitzbübische Lächeln.

Und genauso kraftvoll ging es weiter, als sei nichts geschehen. Bis zu seinem Megahit „Sugar Baby“, einer ungeplanten Soloeinlage mit „Bona Sera“ und dem finalen „Schwarze Rose Rosemarie“. Am Ende waren alle begeistert. Auch die Dame im besten Alter (wie Peter Kraus), die vor dem Konzert noch bekannte, dass es damals, vor 50 Jahren, manchmal nicht so schick war, wenn man sich zur deutschen Kopie des Kings bekannte.

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