Schopfheim ÖPNV: Weniger Züge bis Zell?

Hausens Bürgermeister Bühler fürchtet, dass die Bahn zwischen Schopfheim und Zell künftig seltener fährt. Das Landratsamt bestätigt "Überversorgung" im Abschnitt.

Könnte der Takt der ­S-Bahn zwischen Schopfheim und Zell künftig ausgedünnt werden? Das befürchtet jedenfalls Hausens Bürgermeister Martin Bühler. Denn das Land Baden-Württemberg spricht von einer „Überversorgung“ auf dem Wiesentalbahn-Abschnitt von Schopfheim über Hausen/Raitbach nach Zell. Laut Zählungen seien hier mehr Züge unterwegs als nötig. Als Konsequenz fürchtet Bühler, dass einige Verbindungen weggekürzt oder die Gemeinden an den Kosten beteiligt werden. Das Landesverkehrsministerium will immerhin beim Takt bis 2022 nichts ändern.

Martin Bühler traut dem Landesverkehrsministerium nicht über den Weg. „Ich unterstelle dem Land hier nichts Gutes“, sagt Hausens Bürgermeister. „Der Ländliche Raum wird wieder einmal abgehängt.“ Schon in der Verbandsversammlung des Zweckverbandes Regio-S-Bahn vor wenigen Tagen hatte Martin Bühler die Sache mit Wut im Bauch angesprochen. Im Sommer hatte es ein Treffen zwischen den Vertretern der Gemeinden entlang der S 6 und des Landratsamts gegeben. Dort hat die Behörde Zahlen vorgestellt: Die gesamte Strecke der Wiesentalbahn wurde in vier Abschnitte aufgeteilt, nämlich Basel-Lörrach, Lörrach-Steinen, Steinen-Schopfheim und Schopfheim-Zell. Das Land hat Fahrgäste gezählt und dabei festgestellt, dass der Abschnitt zwischen Basel und Steinen noch mehr Zugfahrten vertragen könnte, die Strecke zwischen Schopfheim und Zell aber mit Fahrten überversorgt ist.

„Da bin ich hellhörig geworden. Ich habe die Befürchtung, dass der Takt auf dem Abschnitt von Schopfheim über Hausen nach Zell zurückgefahren wird, wenn das Land mit der SBB wieder in Verhandlungen tritt“, sagt Bühler. „Oder dass die Kommunen an den Kosten beteiligt werden.“ Konkret: Bühler befürchtet, dass entweder weniger Züge fahren, oder seine Gemeinde – und auch Zell – ordentlich draufzahlen, wenn das jetzige Angebot beibehalten wird.

„Diesen Stil betreibt das Land immer schon, wir hatten das Thema auch schon bei den Spätzügen“, ärgert sich Bühler, der übrigens auch mit Blick auf die Zählmethode des Landes skeptisch ist: „Es ist ganz klar, dass wir diese Zahlen nicht erreichen können. Es fahren ja jetzt schon weniger Züge bis nach Zell als bis nach Schopfheim.“

Bühler richtet den Blick auch auf das Vordere Wiesental: Dort, so der Bürgermeister, wird gerade über die Einrichtung weiterer Haltepunkte in Maulburg, Brombach und Lörrach diskutiert. „Das ist vordergründig eine Verbesserung. Aber der Teufel steckt im Detail. Wenn das kommt, dann brauchen die Züge sowieso noch länger. Wenn wir dann in Hausen abgehängt werden, weil es heißt, dass der Takt bis nach Zell nicht gehalten werden kann, dann macht mich das stinksauer. Ich traue dem Braten nicht.“ Auch bei Bühlers neuem Amtskollegen Peter Palme in Zell ruft die Aussicht auf weniger S-Bahn-Fahrten Kopfschütteln hervor: „Ich muss mich meinem Kollegen Bühler in vollem Umfang anschließen. Das wäre ein verheerendes Signal für den Ländlichen Raum allgemein und für Zell speziell“, sagt Palme, da seine Stadt auch mit der guten S-Bahn-Anbindung werbe.

Das Landratsamt spielt in dieser Geschichte nur eine Vermittlerrolle. Die Lörracher Behörde bestätigt aber die Zahlen des Landes: „Das Land Baden-Württemberg hat Erhebungen der Fahrgäste auf den verschiedenen Abschnitten der Garten- und Wiesentalbahn durchgeführt und ist dabei zu dem Ergebnis gekommen, dass auf dem Streckenabschnitt Schopfheim-Zell i.W. eine Überversorgung gegeben ist“, heißt es in einer schriftlichen Antwort auf Anfrage. Ansonsten verweist das Amt auf das Landesverkehrsministerium, wenn es um die Frage geht, welche Konsequenzen die Fahrgastzählung und die „Überversorgung“ auf dem hintersten Ast der S 6 haben könnte.

Änderungen auf der Wiesentalbahn, so erklärt Ministeriums-Pressesprecher Edgar Neumann, könne es frühestens ab 2020 geben. Ab dann nämlich wird das Land mit dem Streckenbetreiber, der Schweizerischen Bundesbahn (SBB) über den weiteren Betrieb verhandeln. Vor 2022 werde sich am Fahrplan nichts ändern. Was allerdings schon früher auf den Prüfstand kommen könnte, ist eine finanzielle Beteiligung der Kommunen. Was sicher sei: Egal, welche Änderungen es künftig auf der Wiesentalbahn gebe, sie werden dann jeweils auf neuesten Fahrgastzählungen basieren. Wenn nämlich nächste Woche der Haltepunkt Schopfheim-Schlattholz in Betrieb geht, ändern sich natürlich auch wieder die Fahrgastzahlen auf dem Abschnitt Schopfheim-Zell, der dann wieder neu bewertet werden muss.

Auf ganz lange Sicht, so Neumann, wird aber eine ganz andere Sache die größere Rolle spielen als die Fahrgastzahlen im Oberen Wiesental: Wenn die Hochrheinbahn in Richtung Waldshut und weiter nach Schaffhausen einmal elektrifiziert ist, werde der Regionalverkehr neu ausgeschrieben. Dann werden die Karten neu gemischt.

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