Bisher standen sie alljährlich im Herbst auf dem Acker, ab sofort wollen die Betreiber des Hofguts Dinkelberg ihre „Botschaft für einen unabhängigen, freien Handel von vermehrungsfähigem Saatgut“ alle zwei Jahre im Wechsel mit dem Hoffest auf die große Reise um die Welt schicken. Das kündigte Markus Hutter den kleinen und großen Saathelfern an, die am Sonntag gekommen waren, um garantiert nicht genmanipulierte Weizenkörner für die „Zukunft zu säen“.

Zusammen mit Markus Hurter schwor Markus Feig die hochmotivierte Gesellschaft von „Bio-Bauern“ auf das „ergreifende, festliche Erlebnis“ ein, „dem vorbereiteten Boden im Vertrauen auf die Natur die Keime für das Brot von morgen“ zu übergeben. Mit der Aktion wolle der Hof Dinkelberg Verbraucher und Erzeuger enger miteinander verbinden, denn „sie alle tragen gemeinsam Verantwortung für eine pflanzen- und tiergerechte Landwirtschaft“, betonten Hurter und Feig vor versammelter Mannschaft, die darauf wartete, mit den gefüllten Saattüten in Reih und Glied über den gepflügten Acker auszuschwärmen und mit Schwung die Saat auszubringen, deren Früchte im Sommer des nächsten Jahres die Getreidekammern des Hofguts füllen sollen.

Noch in diesem Herbst werden die Triebe aus dem Boden sprießen.300 Kilogramm Saatgut auf der für die Aktion präparierten Fläche von eineinhalb Hektar wurden ausgebracht. Das sei, so Feig, „relativ wenig“, erlaube aber eine Ernte von ein paar tausend Kilo im nächsten Jahr. Die zehn- bis 50-fache der ausgebrachten Menge sei möglich, versicherte Feig, der dann noch auf die Bedeutung des Saatgutes aufmerksam mache, das er „in Gefahr“ sieht, weil es nicht mehr so frei wie früher verfügbar sei. Es sei zum großen Geschäft für Konzerne geworden. Drei Firmen produzierten bereits 50 Prozent des Saatgutes der Welt. Und sie wollten „noch mehr Saatgut verkaufen.“

Sie nutzten dann nicht nur ihre Monopolstellung zur Verbreitung ihrer Produkte und bestimmten deren Preise, sondern gingen immer mehr dazu über, statt normalem Saatgut ihre manipulierten Hybridsamen anzubieten, kritisierte Feig. Die Samen für diese Hybridsorten könnten Landwirte nicht mehr selbst nachziehen. Wer es trotzdem versucht, müsse mit Ertragseinbußen von 30 bis 50 Prozent rechnen. 90 Prozent des gesamten Saatgutes sei mittlerweile Hybridsaatgut, betonte Markus Feig und dehnte seine Warnungen auch auf viele Gemüsesorten wie etwa Möhren, Broccoli, Rosenkohl oder Wirsing aus, bei denen der Anteil an Hybridsamen rasant wachse.

Ergebnisse sind in zwei bis drei Wochen zu bewundern

Samenfeste Sorten seien bereits seit geraumer Zeit nicht mehr verfügbar, klärte Markus Feig die Zuhörer auf. Die Bio-Landwirtschaft versuche, das zu ändern, kämpfe aber damit, dass ihre eigenen Sorten nicht so schön, so gleichmäßig gewachsen seien wie die, die in Supermärkten angeboten werden. Es sei nur schwer vermittelbar, warum optisch nicht immer optimale Produkte aus Biobetrieben teurer verkauft werden als die Sorten, die es mit ansprechenderem Äußeren in Supermärkten gebe. Auch deshalb habe man die Aktion „Zukunft säen“ unter dem Motto organisiert: „Säen wir zusammen die Keime für die Landwirtschaft, die wir in Zukunft wollen.“

Die Sorte „Scaro“, die ausgesät werde, stamme übrigens aus der Schweiz vom Bio-„Winzling“ Peter Kunz, der verschiedene Weizen- und Roggensorten züchte und darauf angewiesen sei, sich über den Saatgutpreis zu finanzieren. Markus Hurter unterstrich noch einmal die Bedeutung der Saat-Aktion, dann schritt er zusammen mit der Helferschar zur „Saat“-Tat, deren erste sichtbare Ergebnisse bereits in zwei bis drei Wochen zu bewundern sein werden.