Das Thema Windkraft spielte eine große Rolle beim Neujahrsempfang in Gersbach. Kritische Anmerkungen von Ortsvorsteher Christian Walter zum frisch eröffneten Windpark auf dem Rohren- und dem Glaserkopf oberhalb des Dorfs vernahmen in der Bergkopfhalle Landrätin Marion Dammann sowie Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz.

  • Die Sicht des Ortsvorstehers: „Was ist hier eigentlich los?“, fragte sich Ortsvorsteher Christian Walter zur Eröffnung des Neujahrsempfangs 2018. Obwohl es der Bevölkerung objektiv gesehen so gut wie nie gehe, herrsche im Land eine Stimmung von Unzufriedenheit, Angst und Skepsis.

Im Rückblick auf 2017 sprach Walter die zwei Windparks am Rohren- und Glaserkopf an und bat die Behörden, vor der Genehmigung weiterer Windparks in der Region die Beteiligten im Vorfeld besser einzubinden. Bei neuen Windparks müsse ein Mindestabstand zu Wohnhäusern von 1000 Metern gelten, forderte Walter. Außerdem bat er Landrätin Dammann, sich für eine Jahreslärmmessung vor Ort durch ein neutrales Büro einzusetzen. Die derzeit teilweise massiven Lärmwahrnehmungen – verursacht von den Rotoren des Windparks – werde man in Gersbach nicht so einfach hinnehmen. Zwei Gersbacher Projekte wurden zur Bezuschussung durch das Biosphärengebiet mit Unterstützung der Stadtverwaltung auf den Weg gebracht.

Hierbei handelt es sich um die Umgestaltung des Rinderlehrpfades und die Anschaffung einer Biotopmähmaschine. Außerdem hofften die Gersbacher auf ein dezentrales Informationszentrum für das Biosphärengebiet Südschwarzwald im Gebäude des Infopavillons. Der Ortsvorsteher stellt sich ein schönes „Eingangstor“ zum Gebiet vor.

  • Die Sicht der Landrätin: Landrätin Marion Dammann überbrachte die Grüße des Landkreises. Baden belege Platz drei in der Glücklichseinsliste der Bundesrepublik. Nahezu Vollbeschäftigung und Steigerung der Reallöhne seien Faktoren der Arbeitszufriedenheit. Das Gesundheitswesen sei gut unterwegs, wenn es auch bei der flächendeckenden Ärzteversorgung durch die Altersstruktur bei den niedergelassenen Ärzten in bestimmten Gebieten Handlungsbedarf gebe. Auch steigende Bau- und Mietpreise beschäftigen den Landkreis, da der Zuzug in den Landkreis anhalte. Trotzdem dürfe das ökologische Gleichgewicht nicht vernachlässigt werden. Mit Wind- und Sonnenkraft sei die Erfahrung in Gersbach heftig. Das Dorf solle aber trotz aller Diskussionen die Türen und Tore zu Nachbarn offen halten, riet die Landrätin.

Fürs Biosphärengebiet und die Premiumwanderwege seien Strukturmittel vorhanden. Der Umbau und die Sanierung der Beruflichen Schulen hätten Fahrt aufgenommen. Für das Zentralklinikum laufe die bauliche und logistische Planung und der Landkreis schreibe schwarze Zahlen.

  • Die Sicht des Bürgermeisters: Schopfheims Bürgermeister Christof Nitz griff einige Gedanken in der Damann-Rede zu EU, Bund, Land, Kreis und Kommunen auf. Auch die Stadt beschäftige sich mit dem Kreisklinikum, der Schullandschaft und der Breitbandversorgung. Die Aufgaben würden hinter den Kulissen zielgerecht in die richtige Richtung gebracht. Die Stadt habe in finanzieller Hinsicht ein hervorragendes Jahr hinter sich. Zwei Kindergärten und eine S-Bahn-Haltestelle wurden in Betrieb genommen. Auch habe man Gewerbegebiete erschlossen. Beim Wohnbau gebe es noch Nachholbedarf. 2000 Menschen suchten aktuell im Schopfheimer Raum Wohnraum. Neue Wohnungen seien beim Eisweiher und in der Roggenbachstraße im Entstehen. Bei der ärztlichen Versorgung habe das mittlere Wiesental bei näherer Beleuchtung durch die Alterspyramide der Ärzte Probleme. Die Bürgermeisterwahl in Schopfheim stehe voraussichtlich im Oktober 2018 an.
  • Das Rahmenprogramm: Der Neujahrsempfang wurde von der Bläserjugend des Musikvereins Harmonie unter Leitung von Markus Bolz und Jan Ühlin und dem Gesangverein Concordia unter Leitung und Klavierbegleitung von Bernadette Böll und Claudia Kahle musikalisch umrahmt.

Der Zirkus Papperlapapp aus Bad Säckingen um Michael Koubik sorgte mit einer eindrucksvollen Feuer- und Lichtershow für Spannung in der Bergkopfhalle.