Zweck der in Schopfheim angestrebten Bürgergemeinschaft sei die gegenseitige Hilfeleistung, erklärt Friedrich Albes von der Agendagruppe. Bezahlt werden die angebotenen Dienstleistungen nicht mit Geld, sondern mit Gegenleistung. Abgerechnet wird in Stunden.

Die Art der Dienstleistungen sind dabei absolut gleichwertig, egal ob es sich ums Rasenmähen oder um die Lösung eines kniffligen Computerproblems handelt. Es gilt das Prinzip: geleistete Stunde gegen geleistete Stunde.

Die Palette der anzubietenden Dienstleistungen soll vom Gartengießen, die Betreuung von Haustieren oder die Begleitung zum Arzt oder zu Ämtern reichen. „Anderen wird es vielleicht eher um ein gutes Gespräch gehen oder beispielsweise ums Kartenspielen.“ Jeder biete das an, was er machen kann oder machen will. Auch das Wieviel stehe im Ermessen der Mitglieder; eine Verpflichtung zu einer bestimmten Anzahl von Arbeitsstunden gebe es nicht.

Was die Arbeitsstunden betrifft, sei es den Mitgliedern der Gemeinschaft auch möglich, sich ein sogenanntes Zeitkonto anzulegen, sich sozusagen Zeitstunden anzusparen, die zu einem späteren Zeitpunkt eingelöst werden können, erläutert Friedrich Albes. Ein Vorteil des Modells ist aus seiner Sicht, dass die Zeitwährung, anderes als Geldwährungen, keiner Preissteigerung und keiner Inflation unterliege. „Wer weiß, ob man sich in 20 Jahren jemanden für die Gartenarbeit überhaupt noch leisten kann.“

Friedrich Albes ist vollkommen überzeugt von dem Bürgermodell. Die Idee mit dem Zeitkonto sei vor allem für ältere Generationen attraktiv: Mobile und gesunde Jungsenioren könnten älteren Mitbürgern bei der Alltagsbewältigung helfen und die entsprechenden Stunden ansparen, um diese später einzulösen, wenn sie selbst einmal zu hilfsbedürftigen alten Menschen geworden sind.

Und was, wenn es die Schopfheimer Zeitbank-Gemeinschaft zu diesem späteren Zeitpunkt gar nicht mehr geben sollte? Wenn der hilfsbereite ehemalige Jungsenior auf seinem inzwischen wertlosen Konto geleisteter Arbeitsstunden sitzen bleibt? Dieses Risiko werde durch die bundesweit bestehende Vereinsstruktur minimiert, sagt Friedrich Albese. „Es müsste dann jemand einspringen von einer anderen Ortsgruppe.“

In Lörrach gibt es einen Ortsverein Zeitbank plus bereits seit einigen Jahren. Hatte die Sektion Lörrach zur Gründung 16 Mitglieder, so sind es jetzt 140, erklärt die stellvertretende Vorsitzende Irena Rietz. Sie erläutert den Ablauf, mit dem Dienstleistungsnehmer und -anbieter zusammengebracht werden. Demnach werden Anfragen per E-Mail an den Vorstand gerichtet. Die Vorsitzende Gabi Vögtlin schickt die Anfragen daraufhin per Rundmail an die Mitglieder des Lörracher Ortsvereins. Ältere Mitglieder, die nicht mit dem Internet vertraut sind, haben eine Patin oder einen Paten, der für sie die Anfragen in E-Mail-Form fasst und weiterleitet. „Bis jetzt haben wir noch nie eine Absage erteilen müssen“, berichtet Irena Rietz. Ein Großteil der Anfragen betreffe die Bereiche Fahrdienste und Gartenarbeit, sagt sie. Sehr teuer ist es nicht, in Lörrach Mitglied von Zeitbank plus zu sein; der Mitgliedsbeitrag beträgt derzeit 36 Euro pro Jahr. Kontakt untereinander habe einen hohen Stellenwert, so Rietz; jedes Neumitglied wird persönlich besucht und einmal pro Monat findet ein Mitgliedertreffen statt.

Um nun die Schopfheimer für das Projekt Zeitbank plus zu begeistern, wird es im Mittelpunkt der nächsten Agendagruppen-Sitzung am 26. September stehen. An dieser Sitzung werden Gabi Vögtlin, die Lörracher Ortsvereinsvorsitzende, und Ingrid Engelhart vom Verein Spes Zukunftsmodelle das Zeitbank-Modell vorstellen und erläutern.

Falls ein Schopfheimer Ortsverein von Zeitbank plus entstehen sollte, hat Friedrich Albes schon Pläne geschmiedet, wie er sich selbst einbringen will. „Ich würde mit zehn Stunden Büroarbeit und zehn Stunden Fahrdiensten einsteigen – das ist meine Startzusage im Verein.“

Die öffentliche Sitzung der Agenda-Gruppe Kultur und Soziales mit dem Schwerpunktthema Zeitbank plus findet am Mittwoch, 26. September, um 18 Uhr im Café Hebel in Schopfheim statt.