Schopfheim – Zwei, drei Schnitte mit den Scheren und dann fiel es, das blaue Band: Christof Nitz und Dirk Harscher, der ehemalige und der aktuelle Schopfheimer Bürgermeister, haben am Sonntagmittag die erste Fußgängerzone der Stadt, die Scheffelstraße, offiziell freigegeben und eingeweiht. Beide betonten, dass der Umbau der früheren Einbahnstraße nur ein erster großer Schritt zur Umgestaltung der Innenstadt sei. In dieser lief zeitgleich bei bestem Wetter der Herbstmarkt, der verkaufsoffene Sonntag des Gewerbevereins.

„Ein sehr wichtiger Schritt in der Stadtentwicklung“ ist die Fußgängerzone für Dirk Harscher. „Wir haben damit einen neuen Hot-Spot in der Innenstadt.“ Kurz nach 12 Uhr war es, als zu den Klängen des kleinen Posaunenchors der Musikschule jene Feierstunde begann, mit der die erste Schopfheimer Fußgängerzone nach gut sechs Monaten Bauzeit endgültig ihrer Bestimmung übergeben wurde – wenn auch schon seit Donnerstag die neuen Geschäfte auf dem Uehlin Areal geöffnet haben. Im Sonnenschein an der Kreuzung zur Hauptstraße herrschte Gedränge, viele Schopfheimer wollten sich den Moment nicht entgehen lassen.

„Die Stadt muss sich künftigen Herausforderungen stellen“, sagte Harscher. „Der Puls der Zeit muss spürbar sein.“ Deshalb sei diese Fußgängerzone auch „keine Einzelmaßnahme“, sondern könne nur „ein weiterer Baustein sein innerhalb eines kontinuierlichen Entwicklungsprozesses für eine lebenswerte Stadt“. Wie sich diese entwickelt, sei in den kommenden Jahren eine Hauptaufgabe der Verwaltung, der Arbeitskreise und auch im Gemeinderat.

Viele Dankesworte hatte Dirk Harscher im Gepäck. Allen voran durfte sich Bernhard Karle vom Tiefbauamt über ein dickes Lob freuen. Schließlich sei er es gewesen, der die Bauabschnitte koordiniert und unter allen Beteiligten den Überblick behalten hatte. Nicht weniger als zehn Unternehmen hatten beim Bau der rund 950 000 Euro teuren und seit 2015 geplanten Fußgängerzone Hand in Hand gearbeitet und das Werk tatsächlich termingerecht erledigt. Dabei wurden zum Beispiel Wasserleitungen getauscht, neue Leitungen verlegt, Pflastersteine gesetzt, versenkbare Poller für die Ein- und Ausfahrt installiert, Laternen, Sitzbänke, Fahrradständer und Mülleimer aufgestellt. Für diese Gemeinschaftsleistung dankte Harscher ebenso wie den Anwohnern und Geschäftsinhabern für ihre Geduld: „Diese Zeit war nicht immer einfach. Es gab viele Unannehmlichkeiten“, sagte Harscher. „Aber ich bin sicher, diese Zeit ist schnell vergessen und es werden alle von dieser Fußgängerzone profitieren.“

Synergieeffekte für den gesamten Einzelhandel

Gerade für die Geschäftsinhaber hoffe er auf „Synergieeffekte, die den Einzelhandel in der ganzen Stadt stärken“. Und schließlich ging der Dank auch an den Gemeinderat, der „an einem Strang gezogen“ hatte, als er noch unter der Ägide von Ex-Bürgermeister Christof Nitz die Weichen für die Fußgängerzone stellte. Für Nitz war es ohnehin ein Wochenende des Schulterklopfens. Bereits am Freitag hatte der langjährige Bürgermeister in Wiechs die Einweihung der neuen Halle mitgefeiert – auch dieses Projekt entstand unter seiner Amtsführung. „Wir haben jetzt eine wunderbare neue Fußgängerzone“, sagte Nitz, der auch in die Zukunft blickte: „Man muss sich jetzt gut überlegen, wie man mit der Hauptstraße verfährt.“ Damit meinte der Ex-Burgi die Diskussion um die von einigen geforderte Umwandlung der Straße in die nächste Fußgängerzone. Die Bürger hätten dank der Gemeindeordnung Mitspracherechte, doch dürfe man nicht den Aspekt der Finanzierung vergessen: „Man kann sich nicht hinstellen und sagen: Ich habe tolle Ideen, aber bezahlen soll es wer anders.“

Dann fiel das blaue Band und Harscher und Nitz luden das Publikum zum Bummel durch die Fußgängerzone und die Innenstadt ein. Dort warteten zahlreiche offene Geschäfte und Stände mit Waren, Getränken und Speisen auf Gäste. Und auf für Musik war an verschiednen Ecken gesorgt.