„De Dilldapp-Orde, ’s isch kei Witz, gebührt dies Johr em Christof Nitz.“ Dieser unverkennbar nach Narrenart gereimte alemannische Satz stammt tatsächlich von Christof Nitz selbst. Der Alt-Bürgermeister, in hunderten von Ansprachen erprobter Kenner der Rhetorik – für Ansagen in Mundart war er nie bekannt. Doch am frühen Morgen des „Schmutzige Dunschdig“ im Narrenkeller reimte er munter alemannisch drauf los. Vielleicht lag’s daran, dass es zum ersten Mal seit 16 Jahren nicht mehr er war, der von den Narren entmachtet wurde. Wahrscheinlich aber war der Grund, dass die Schopfheimer Narrenzunft Christof Nitz mit dem Dilldapp-Orden am Donnerstag die höchste Schopfheimer Narrenauszeichnung verliehen hat.

Dem „jüngsten Alt-Bürgermeister weit und breit“, so Jeannot Weißenberger in seiner übrigens auf Hochdeutsch gehaltenen Laudatio, widmete die Zunft diesen Orden, mit dem eine besondere Verbundenheit zur Fasnacht und zum Brauchtum belohnt wird. Und die, so berichtete Nitz in Reimform, ist ihm schon als „kleiner Bub im Spättlehäs“ der Narrenzunft Furtwangen eigen gewesen. „Ich war und bin ein großer Freund der Schopfheimer Fasnacht“, betonte der Ex-Burgi, der aber auch nachdenkliche Töne anschlug. „Wenn ehrenamtliche Helfer oder Polizisten angegriffen werden und es unter Jugendlichen Alkoholexzesse gibt, ist das keine Fasnacht mehr.“

Es sei – und da nahm er seine früheren Mitarbeiter vom Ordnungsamt in Schutz – kein Wunder, dass Behörden immer mehr Auflagen zum Wohle der Sicherheit machen müssten, „auch wenn das sehr schade ist“. Umso mehr freue es ihn, „dass wir in Schopfheim eine friedliche Fasnacht haben, hinter der sehr viele Ehrenamtliche stehen“. In Schopfheim, so Nitz, „funktioniert vieles, was woanders nicht mehr funktioniert“.

Auf vieles, das in seiner Amtszeit als Bürgermeister funktionierte (und einiges, das weniger gut funktionierte) warf Jeannot Weißenberger noch einmal einen Blick zurück. „Mit großem Geschick und Nonchalance hast du die Geschicke der Stadt gelenkt und große Projekte auf den Weg gebracht“, lobte der Laudator. „Die Verkehrsberuhigung der Innenstadt ist auf einem guten Weg, am Schulcampus dürfen sich nun andere die Zähne ausbeißen und das Schwimmbad und der Sportplatz sind immer noch dort, wo sie hingehören.“ Und: „Immerhin hat Schopfheim nun einen Sportplatz mit eigener S-Bahn-Haltestelle, wo sich die Fanmassen ungehindert über die große Freitreppe Richtung Stadion bewegen können.“ In der Scheffelstraße, witzelte Weißenberger, kann sich nun keiner mehr einen Sonnenbrand holen, „weil die Sonne gar nicht mehr in die Straße scheinen kann“. Die 16 Jahre Nitz-Amtszeit „sind nicht nur ein Teil deines Lebens, sondern auch ein großes Stück von unserem Leben“. Gerade der Narrenzunft sei Christof Nitz als Bürgermeister immer wohlgesonnen gewesen und habe die Wünsche der Narren „immer so weit wie möglich erfüllt“. All dies macht den früheren Rathauschef in den Augen der Fasnächtler zu einem würdigen Träger des Dilldapp-Ordens. Nitz nahm denn auch mit Humor, dass als Dilldapp – so hat er in der Wikipedia entdeckt – auch „eine trottelige Person“ bezeichnet wird. Denn dort steht auch geschrieben, dass ein Dilldapp „ein jagdliches Fabelwesen“ ist, ähnlich dem Wolpertinger. Und als solches wünsche er der Schopfheimer Fasnacht auch eine gelungene Saison 2019, die er – zumindest teilweise – auch noch persönlich mitbegleiten werde.

Mit besten Wünschen entließen ihn auch die Narren. Vor allem einen Wunsch hatte Laudator Weißenberger: „Ich hoffe, dass einmal ein schöneres Bild von dir im Rathaussaal hängen wird als das von deinem Vorgänger.“