Todtnau-Geschwend – Felssturzgefahr gebannt: Seit Donnerstagnachmittag dürfen auch die letzten ausquartierten Bewohner in Geschwend zurück in ihre Häuser. 

„Mit sofortiger Wirkung wurde das Betretungsverbot für die restlichen Häuser in der Gisibodenstraße sowie dem Haldenweg aufgehoben“, teilte das Todt­nauer Rathaus um 15.57 Uhr mit. Damit ist das Versprechen eingelöst, dass alle Geschwender Weihnachten zu Hause feiern dürfen.

Die Stadtverwaltung hatte kurz zuvor die Bewohner telefonisch informiert, berichtet Andrea Ketterer vom Todtnauer Bauamt. Zuvor waren Amtsleiter Klaus Merz und Geologe Clemens Ruch zu den problematischen Felsen in der Geschwender Halde gegangen, um sich vom Abschluss der Arbeiten ein eigenes Bild zu machen. Dann gab Clemens Ruch, der Referatsleiter vom Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe in Freiburg, die Freigabe. Das Betretungsverbot für die bislang gefährdeten Bereiche direkt unter den Felsen ist seitdem offiziell aufgehoben.

Auf die lockeren und tonnenschweren Felsformationen hatten die Experten der Firma Sachtleben in den vergangenen Tagen Stahlnetze gelegt, sie verspannt und verzurrt, berichtete Andrea Ketterer. Trotz Schnee und Eis gelang es den Männern, den selbst gesteckten Zeitplan um eine Woche zu verkürzen. Die akute Gefahr sei gebannt, deswegen müsse dieses Jahr nicht noch einmal an den Felsen gearbeitet werden. Nach dem Winter gehe es zwar an weiteren verdächtigen Felsformationen weiter. Aber: „Nach aktuellem Kenntnisstand wird dann kein Betretungsverbot notwendig sein.“ Auch die Straßensperrungen gehören dann vermutlich der Vergangenheit an.

Bei guter Wetterlage wird die Fachfirma am Dienstag, 17. Dezember, ihr Baustellenmaterial oberhalb des Rabenfelsens abtransportieren. Dabei kommt erneut ein Hubschrauber zum Einsatz.

Mit der Mail aus dem Todtnauer Bauamt am Donnerstagnachmittag geht die Evakuierung genauso überraschend zu Ende wie sie am 23. Oktober angeordnet worden war. Damals klingelten Bürgermeister Andreas Wießner und Rathausmitarbeiter an den Türen der Bewohner in der Gisibodenstraße und am Haldenweg, um über die bislang unterschätzten Gefahren zu informieren. Das Landesamt für Geologie, Bergbau und Rohstoffe hatte am selben Tag seine Erkenntnisse der Rathausspitze mitgeteilt. Es habe sofortiger Handlungsbedarf bestanden, sagte Clemens Ruch später gegenüber dieser Zeitung. Noch am selben Abend mussten rund 80 Menschen ausziehen und sich auf die Schnelle eine Bleibe bei Freunden, Verwandten oder in Ferienwohnungen suchen. Einige durften schon nach kurzer Zeit zurück. Am Schluss waren noch 23 Menschen ausquartiert.

Glück im Unglück: Die Firma Sachtleben aus Wolfach erklärte sich bereit, kurzfristig in Geschwend die Problemfelsen an der steilen Wand zu sichern und stellte dafür einen anderen Auftrag zurück. Mithilfe eines Hubschraubers und am Kletterseil gesichert verankerten die Experten in den letzten Wochen Metallnägel bis zu drei Meter tief im Felsen, um Stahlnetze daran zu verzurren. Damit gilt die Gefahr zunächst als gebannt. Im nächsten Jahr soll noch ein vier Meter hoher und 820 Meter langer Hochenergiezaun errichtet werden. Denn der Granit bröckelt an dem Steilhang von Natur aus, und die Häuser stehen mehr oder weniger direkt am Fuß des Berges. Aufmerksam wurde man auf die Lebensgefahr, nachdem im März ein mehrere Tonnen schwerer Granitblock in einen Garten krachte. Der Koloss war auf dem Weg nach unten bis zu vier Meter hoch gesprungen. Nur durch Zufall kam damals niemand zu Schaden.