Auf seiner viertägigen Tour durch die Region machte das „Dreyland Blues Festival“ am Freitag mit einem Doppelkonzert Station im Schopfheimer Stadtpark.

Der Ort

Der Schopfheimer Stadtpark hatte sich schon bei der Bluesfestival-Premiere im vergangenen Jahr als perfekter Spielort für ein Konzert-Openair bewährt und wird dem auch dieses Mal gerecht: Ausreichend Platz für große Bühne und große Zuschauermassen, in seiner geschützt-geschlossenen Anlage ein Ort, an dem sich der Eintritt auch ohne Bauzaun-Bastionen gut organisieren lässt, und vor allem einer, an dem sich eine nette, lauschige Atmosphäre gut schaffen lässt: Wer nah dran sein und tanzen will, findet auf der Wiese vor Bühnen jede Menge Platz. Wer lieber gemütlich sitzt und lauscht, findet im Rückraum jede Menge Gelegenheit – auf Bier- und Parkbänken, an der Vogelvoliere oder auf dem Spielplatz-Kletterturm. Die mächtigen Bäume bieten ein himmelhohes Dach – und würden sicher auch manchen Regentropfen abhalten. Brauchen sie aber dann doch nicht.

Konzept und Musik

In seinem kompliziert-ambitionierten Konzept will das Dreyland Blues Festival über mehrere Jahre hinweg die Geschichte des Blues nachzeichnen. Zum Auftakt der Geschichte hieß es in diesem Jahr „Von Afrika ins (Mississippi) Delta“. Roland Tchakounté war der passende Opener für den ersten von drei Konzertabenden: Der Gitarrist und Sänger stammt aus Kamerun und verbindet in seiner Musik die afrikanischen Wurzeln mit dem klassischen Blues, indem er immer wieder Harmonien, Sounds und Rhythmen abseits des Blues-Schemas ins musikalische Geschehen sprenkelt. Als cool-charismatischer Bandleader steht Roland Tchakounté klar im Mittelpunkt seiner vierköpfigen Band. Zugleich lässt er dem Bluesgitarrenvirtuosen Mick Ravassat an seiner Seite viel Raum für seine energiegeladenen Soli. Nach einer Stunde kündigt Tchakounté den letzten Song an – lässt sich vom begeisterten Applaus dann doch noch zur halbstündigen Verlängerung überreden. Der zweite Act an diesem Abend ist auf andere Weise ebenfalls eine Melange und stellt dabei das mottogebende „Delta“ ganz physisch in den Mittelpunkt. Dort nämlich steht die mächtige Erscheinung von Sänger und Gitarrist Mem Shannon: Er kommt am Tag des Auftritts auf direktem Wege aus seiner Heimat New Orleans nach Schopfheim gejettet, wo er dem Publikum seinen rauen, schnörkellosen Blues präsentiert. Ihm zur Seite haben die Organisatoren die siebenköpfige Kombo von Tommy Schneller gestellt – Saxofonist und Träger des deutschen Blues Award. Die Rhythmussektion und die dreiköpfige Bläserabteilung der Schneller-Band geben dem Spiel Mem Shannons mächtig Druck bei; am Keyboard schafft Kiril Vorwald einen dichten Klangteppich und Gitarrist Steffen Schöps vereinigt sich mit Mem Shannon in deutsch-amerikanischer Gitarrenfreundschaft. „Total Familie hier oben auf der Bühne“, umschreibt Bandleader Schneller das Stegreif-Zusammenspiel von Band und Gaststar, die sich fünf Stunden zuvor zum ersten Mal begegnet sind.

Stimmung und Publikum

Etwa 300 Besucher kommen in den Stadtpark. Die Location hätte auch mehr vertragen – auch so aber sind es genug begeisterungswillige Zuhörer. Der lauschige Sommerabend, den man sich erhoffte und der die bluesige Freiluftfeierei so richtig rund gemacht hätte, ist es leider nicht: Die Temperaturen sind herbstig-fröstelig; immerhin bleibt es nach dem Nachmittagsregen zum Konzert trocken. Mit fortschreitender Uhrzeit – die zweite Band betritt gegen zehn Uhr die Bühne – und weiter sinkenden Temperaturen dünnt sich das Festivalvolk ein wenig aus, die vielköpfige Schar vor der Bühne indes hält sich wacker und begeistert, schützt sich tanzend gegen die Kühle.