Sie fahren mit Vollgas durch das Unterholz, nehmen keine Rücksicht auf Menschen, Tiere und Natur, machen dabei einen Höllenlärm und sind nur ganz schwer zu erwischen: Wie Jäger aus den Revieren rund um die Hohe Möhr berichten, sind seit einiger Zeit wilde Motorradfahrer in den Wäldern an Schopfheims Hausberg Hohe Möhr – und darüber hinaus – unterwegs. Die Männer auf den Cross-Maschinen fahren ohne Kennzeichen, die Polizei hat es deswegen schwer.

„Das sind keine Dumme-Jungen-Streiche mehr. Das machen die mit voller Absicht und die wissen auch genau, was sie da tun“, sagt Theo Basler. Der Jäger aus Schopfheim ist sauer. Gemeinsam mit seinem Bruder Georg ist er in den Jagdrevieren bei Zell unterwegs, Jägerkollege Bernhard Maeder aus Kürnberg jagt im Revier Raitbach, direkt an den Hängen der Hohen Möhr. Alle drei beobachten seit längerer Zeit, wie sich andere einen Freizeitspaß daraus machen, auf Cross-Motorrädern durch ihre Reviere zu heizen. Weil sich an dem Problem – obwohl die Polizei eingeschaltet ist – nichts ändere, haben sie sich nun an die Zeitung gewandt, in der Hoffnung, dass auch die Bevölkerung auf das Problem aufmerksam wird.

„Seit gut anderthalb Jahren bemerken wir das“, sagt Georg Basler. „Manchmal sind es nur zwei, manchmal auch ganze Gruppen mit vier oder fünf Fahrern.“ Die mutmaßlich jungen Motorradfahrer jagen auf ihren Maschinen über Forst- und Wanderwege, oft aber auch einfach quer durch den Wald. „Mir sind letztens mitten auf einer Lichtung vier Stück entgegengekommen“, berichtet Bernhard Maeder. „Als sie mich gesehen haben, sind sie sofort umgekehrt und abgehauen.“ Nummernschilder waren an den bunten Maschinen keine montiert – „die wissen genau, was sie machen müssen, damit man sie nicht erwischt“.

Ein Handyvideo, das von dem Kürnberger Jäger am Hang der Hohen Möhr aufgenommen wurde, zeigt, wie eine Gruppe von vier Motorradfahrern auf einer Lichtung kehrt macht, als sie den Waidmann erkennen. Mit lautem Knattern verschwinden die Fahrer im Wald. Nicht nur die fehlenden Nummernschilder, sondern auch die Fahrkünste der Motorrad-Raser helfen offenbar dabei, unerkannt zu bleiben: Mehr als einmal, so berichten die drei Jäger, sind die Zweiradfahrer mit akrobatischen Manövern durch den Wald entfleucht, „auf einem halben Meter Breite zwischen meinem Auto und dem Berg durch“, sagt Bernhard Maeder. „Das ist für die eine Freizeitbeschäftigung“, sagt Georg Basler. Es sei schon beobachtet worden, wie ein Geländewagen auf einem Anhänger mehrere der Motorräder auf einen Waldparkplatz fuhr. Dort wurden die Maschinen entladen – und dann ging es ab in den Wald. Meistens, so beobachten die Jäger, sind die Raser abends und am Wochenende unterwegs.

Ein halber Meter Platz zwischen Auto und Berg reicht zum entkommen.
Ein halber Meter Platz zwischen Auto und Berg reicht zum entkommen. | Bild: privat

Fahren im Wald ohne Kennzeichen ist illegal

Das Treiben der Motorradfahrer ist für die Jäger vor allem, aber nicht nur, wegen der Tiere ein Problem. „Die nehmen nicht einmal auf sich selbst Rücksicht“, sagt Theo Basler. „Wenn die mit Vollgas über einen Waldweg brettern und dann Wanderer entgegenkommen, oder ein Traktor – da gibt es keine Zeit mehr zu reagieren.“ Und natürlich werden Wildschweine, Rehe, Füchse und andere Waldbewohner von dem Geknatter völlig verschreckt, ganz zu schweigen von den tiefen Furchen im Waldboden, die die Stollenräder der Sportmaschinen hinterlassen.

Das Befahren gesperrter Waldwege und auch das Querfeldeinfahren stellt eine bloße Ordnungswidrigkeit dar, erklärt Polizei-Pressesprecher Jörg Kiefer. Die Höhe der Bußgelder legt das Ordnungsamt fest.

Wer allerdings ohne Nummernschild unterwegs ist, begeht eine Straftat. Und wer mit seinem Motorrad andere – zum Beispiel Wanderer – gefährdet, macht sich sowieso strafbar. Es ist also keinesfalls legal, auf dem Motorrad durch den Wald zu donnern. Die Polizei hat es in der Angelegenheit aber schwer. „Wir wissen davon“, sagt Schopfheims stellvertretender Revierleiter Michael Trefzer. „Aber wenn wir keinen konkreten Hinweis bekommen, können wir auch niemanden kontrollieren.“ Wer also einen oder mehrere der Fahrer zu Gesicht bekomme, soll sofort die Polizei verständigen, „dann können wir etwas unternehmen und dem nachgehen“.

Die Jäger sind noch nicht einmal scharf darauf, dass jemand erwischt oder bestraft wird. „Das ist uns relativ egal“, sagt Theo Basler. „Wichtig ist uns, dass dieser Unsinn aufhört.“

Die Polizei Schopfheim nimmt Hinweise auf Motorradfahrer im Wald unter Tel. 07622/66 69 80 entgegen.