Der Sturm „Sabine“ sorgte am Montag erwartungsgemäß für Verkehrsbehinderungen im Schwarzwald. Besonders getroffen hat es die Orte Muggenbrunn, Aftersteg und Todtnauberg. Das Landratsamt hatte schon in der Nacht alle Zufahrtsstraßen wegen Sturmschäden sperren lassen.

Auch aus Richtung Oberried und Schauinsland waren die Straßen auf den Notschrei mit Warnbaken und „Durchfahrt verboten“-Schildern zugestellt. Die Sperrungen wurden im Radio und auf Nachrichtenseiten bekanntgegeben, zunächst bis 8 Uhr, danach ohne zeitliche Beschränkung. Offiziell waren die drei Orte damit von der Außenwelt mehr oder weniger abgeschnitten. In der Praxis sah das aber anders aus: Viele Bürger fuhren am Morgen trotz Sturm aus den drei Dörfern zum Beispiel zur Arbeit. „In Muggenbrunn selbst stand kein Verbotsschild“, berichtet Muggenbrunns Ortsvorsteherin Marion Isele. Sie hatte kurz vor 9 Uhr keine Probleme, mit dem Auto zur Arbeit hinab nach Kirchzarten zu fahren, hält die Einschätzung der Verkehrsbehörde aber dennoch für gerechtfertigt.

Doch was ist mit jenen, die in die gesperrten Dörfer hinein wollen oder müssen, zum Beispiel Pfleger, Handwerker oder Hotelmitarbeiter? Sie müssen sich entscheiden zwischen Gesetzestreue (und auf der Stelle umkehren) oder an den Verbotsschildern vorbeifahren. Für Letzteres haben sich gestern nicht wenige Autofahrer und sogar Lkw-Fahrer entschieden – und dann feststellen können, dass man trotz Zweigen, Erde oder kleiner Bäume auf der Fahrbahn sein Ziel gefahrlos erreichen konnte. Ein ähnliches Bild ergab sich auf der Straße zwischen Zell-Atzenbach und Riedichen: Diese Strecke wurde von den Behörden um 9.53 Uhr gesperrt. Unser Fotograf sah in Atzenbach dann kurz darauf, dass die Mehrheit an den Sperren einfach Richtung Riedichen vorbeifuhr – Hindernisse auf der Straße dagegen nicht.

Hat also derjenige das Nachsehen, der Verbotsschilder beachtet statt sie links liegen zu lassen? „Die aktuellen Straßensperrungen wurden nicht wegen Sturmgefahr vorgenommen, sondern wegen Sturmschäden“, präzisiert die Pressestelle auf Anfrage. Um das „sichere Fließen des Verkehrs sicherzustellen“ und alle Hindernisse zu beseitigen, wurden einzelne Straßen auch kurzfristig gesperrt, bis die Störungen beseitigt wurden.

Diese Beseitigungen dürfte einige Zeit gedauert haben, weil Feuerwehren und Straßenmeisterei nicht überall gleichzeitig sein können.

Die Situation ist für viele Autofahrer ein Dilemma. Das Landratsamt betont, dass es nicht hafte, wenn es zu einem Unfall auf einer gesperrten Straße kommt. Und als Bußgeld werden 20 Euro für Pkw- und 70 Euro für Lkw-Fahrer fällig. Rechtsanwalt Christoph Buck aus Todtnau kann sich aber nur schwer vorstellen, dass jemand, der trotz Verbot zum Arzt oder zur Arbeit fährt, belangt wird. „Die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten liegt im pflichtgemäßen Ermessen der Behörde. Ich gehe davon aus, dass der Landkreis den besonderen Umständen Rechnung tragen und nach Ermessensausübung von einer Verfolgung absehen wird“, sagt er.

Und wie kam Marion Isele nach Feierabend zurück nach Muggenbrunn? Die Sperrung am Notschrei wurde am Nachmittag aufgehoben. Größere Schäden durch „Sabine“ sind nicht bekannt.