Bürgermeister Dirk Harscher im Höhenrausch mit Sprungseil.
Bürgermeister Dirk Harscher im Höhenrausch mit Sprungseil. | Bild: Hans-Jürgen Hege

Zu einer luftig-unbeschwerten Reise ins närrische Land der Gaukler, Knastis und anderer fantastischer Gestalten hatte „Farifa-Air“ eingeladen. Für den Fahrnauer Zunftabend wurde die Festhalle kurzerhand zum gigantischen Fluggerät umgebaut, Zeremonienmeister Martin Gerner zur Flugbegleiterin „Trixie“ umgepolt und FGF-Präsident Christian Leisinger zum „Kapitän“ befördert.

Pünktlich um 20.11 Uhr hob die Kiste ab. Kein Wölkchen trübte den Himmel über dem Farifa-Land, es drohten keine Turbulenzen. Und so konnte sich „Trixie“ Gerner als „Saftschubse“ ungestört ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, ihre Gäste im fast schon überfüllten Flugzeug zu unterhalten, sie mit deftigen Witzen und humorvollen Infos von möglichen Flugängsten abzulenken und ihnen so einen unbeschwerten „08/15“-Höhenflug an Bord dieses außergewöhnlichen Zunftabends der Fasnachtsgesellschaft Fahrnau (FGF) bieten zu können.

Dann drückten die Bättelsäcke gehörig auf die Tube und überließen es ihrer herzigen Paukerin Patricia Springmann in Reimen zu betonen: „Ich bi so glücklich un uff Zack, dass ich bi e Bättelsack.“ Froh dabei zu sein waren sichtlich auch die Farifa-Kids, die unter den Fittichen von Melanie Springmann und Nadja Sutter als kleine Roboter über die Bühne tanzten, ehe Leonie Kraft und Leonie Mingo ihr verbales Klagelied über die „rückständigen“ Düfzelgeister vortrugen, die noch immer keine Frauen in ihren Reihen aufnehmen, weshalb den beiden Mädchen bisher zumindest nur die Karriere als Pagen offen stand.

Werner Hilf glänzte – nach mehr als 50 Jahren letztmals in der Bütt und deshalb im Anschluss von VOB-Vizevogt Dirk Bender mit dem „e halb‘s Lebe“-Orden Nummer 289 ausgezeichnet – als Donald Trump. Die Farifa-Narren brachte er allein schon mit einem beherzten „Fahrnau first“ auf seine Seite. Und als er dann auch noch auf seine Wurzeln in den alteingesessenen Familien „Drumm“ hinwies, hätte es der beiden grimmigen Bodyguards um ihn herum nicht mehr bedurft: Niemand wollte ihm von da an noch Böses. Im Gegenteil.

Er sorgte für Begeisterung, als er 40 Jahre zurückblickte und die Eingemeindung „Fahrnaus to Schopfe“ als „what a mistake“ kritisierte und ankündigte, zwischen Schopfe und Fahrnau, das niemals Schopfe zwei werde, eine Mauer zu bauen. Noch vor der Pause wurde Bürgermeister Dirk Harscher in einem tollen „Ropeskipping“-Beitrag der Farifa-„Görls“ zu gewaltigen Seilsprung-Hopsern verdonnert, von denen er sich zusammen mit den übrigen Gästen bei einer „Zwischenlandung zum Auftanken“ bei ein paar Schunkelrunden erholen konnte, bevor der Fanfarenzug Teil zwei des vierstündigen Programms einleitete.

Und schon durften sich die „selig“ nennen, die bis zum Auftritt des früheren FGF-Präsidenten Reinhold Fetscher „ausgehaart“ hatten, um mit ihm – und seinem hippigen Überraschungsgast Claudia Ströble – die spärliche Haarpracht als „Waldsterben auf höchster Ebene“ zu bedauern und etwas über das Schulden machen zu erfahren, das eine „Fortsetzung des Lebensstandards mit anderen Mitteln“ sei: Wer 1000 Euro Schulden hat, hat sein Konto leicht überzogen, wer 500.000 Euro Schulden hat, ist stolzer Besitzer einer Penthouse-Wohnung im Schlattholz, wer 35 Millionen Euro Schulden hat, ist für den Bildungscampus verantwortlich, und wer gar zwei Billionen Euro Schulden hat, der hat den Höhepunkt seiner Karriere erreicht: Er ist Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland.

Kaum hatten die Bättelsäcke bewiesen, dass sie nicht nur mit ihren Instrumenten, sondern auch als Tanzgarde eine prächtige Figur abgeben, zeigten die Düfzelgeister, wie turbulent es inzwischen in einer Fahrnauer Arztpraxis zugeht. Allein im Wartezimmer entwickelten sich interessante Gespräche über hohe Schorlewerte im Blut, über das EM-Fieber des FV-Vorsitzenden oder die zwei dicht aufeinander folgenden Ampeln in der Roggenbachstraße, die als Bremse für den Fasnachtsumzug in Schopfheim gedacht sein könnten, um das „an dieser Stelle etwas hohe Umzugstempo“ mildern zu können.

Den Schlusspunkt beim Fahrnauer Zunftabend setzten die „Fahrnauer Boy Band Boys“, die sich zunächst noch einmal dem aktuellen Ärztemangel widmeten, um dann mit ihrem längst Kult gewordenen Liebeslied auf die „Perle Fahrnau“ zum großen Finale eines gelungenen Zunftabends überzuleiten, zu dem Farifa-Air kurz nach Mitternacht wieder sicher im Herzen von Fahrnau landete.

Tanzten als kleine Roboter über die Bühne: die Farifa-Kids.
Tanzten als kleine Roboter über die Bühne: die Farifa-Kids. | Bild: Hans-Jürgen Hege