Was haben Jacques Offenbach und Clara Schumann gemeinsam? Sie könnten beide in diesem Jahr ihren 200. Geburtstag feiern. Der Schopfheimer Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon hat sich unter den diesjährigen Komponistenjubiläen umgeschaut und einige für ein Extrakonzert in der Stadtkirche herausgegriffen. Den chronologischen Anfang seiner Gratulationscour unter dem Titel „Happy Birthday“ machte Bogon bei dem Organisten und Komponisten Matthias Weckmann, der vermutlich 1619 zur Welt kam, Schüler von Heinrich Schütz war und Hoforganist in Dresden wurde. Nur 30 Orgelwerke sind von dem frühbarocken Musiker, dessen Geburtsdatum nicht eindeutig feststeht, handschriftlich überliefert. Bogon spielte aus einer Reihe von Choralbearbeitungen drei Verse über das Lied „Nun freut euch lieben Christen Gmein“, die in der Verzierung und Kolorierung der Choralmelodie die Kunstfertigkeit Weckmanns deutlich machten. Clara Schumann, eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts, war weit mehr als die Frau von Robert Schumann. Als berühmte Klaviervirtuosin feierte sie international große Erfolge und trat auch als Komponistin hervor. Aus ihrem kompositorischen Schaffen wählte Bogon Präludium und Fuge op.16 Nr.2, original für Klavier geschrieben. Die Bearbeitung für Orgel hatte ihren eigenen Charme.

Hommage an Charles-Marie Widor

Als Dritten würdigte Bogon den 1844 geborenen französischen Orgelsinfoniker Charles-Marie Widor, der an der Kirche St. Sulpice in Paris an einer Orgel des legendären Orgelbauers Cavaillé-Coll mit 100 Registern wirkte. Dem „Vater der Orgelsinfonie“ gelang es, den orchestralen Klangreichtum auf die Orgel zu übertragen. Als Hommage zum 175. Geburtstag Widors interpretierte Bogon zwei Stücke aus dessen fünfter Sinfonie: den zweiten Satz Allegro cantabile in differenzierten Klangnuancen, zart schwebenden Klängen und der himmlischen Stimme der „Voix celeste“ sowie die mitreißend virtuose, dynamisch-motorische Toccata, die ein gehaltvoller Orgelreißer ist. Bogon spielte nicht nur, sondern erzählte auch etwas über die Lebensgeschichte der Komponisten. Optisch aufgewertet wurde das Orgelrecital, das als Bonus für den Freundeskreis für Kirchenmusik gedacht war, durch Projektionen von Illustrationen und historische Abbildungen der drei Komponistenjubilare.