Schopfheim – Einen großen Schritt weiter will die Stadt bei der Sanierung des Kindergartens am Marktplatz kommen. In der Sitzung am kommenden Montag bekommt der Gemeinderat drei Sanierungs- und Ausbauvarianten zur Auswahl. Die Verwaltung schlägt dabei auch einen teilweisen Neubau vor. Den ursprünglichen, umfangreichen Ausbauplänen steht allerdings wegen der nahen Alten Stadtkirche der Denkmalschutz entgegen.

  • Was bisher geschah: Der Kindergarten am Marktplatz musste im Juni 2019 in einer Hau-Ruck-Aktion geschlossen werden. Das Haus war Ende 2018 durch Brandsachverständige untersucht worden, dabei haben die Fachleute gravierende Mängel beim Brandschutz festgestellt. So müssen flächendeckend vernetzte Rauchmelder, Brandschutztüren und feuerhemmende Materialien eingebaut werden, für verbesserte Fluchtwege muss zwischen zwei Räumen ein Durchgang geschaffen werden. Weiterhin fehlen nach der Analyse der Brandschutzsachverständigen Feuerlöscher und Markierungen von Rettungswegen. Der Bericht hatte einen weiteren Betrieb der Kita mit ihren derzeit zwei Gruppen unmöglich und die Zwischenlösung mit den Containern nötig gemacht. Seitdem residieren die Kinder auf dem Schulhof der nahen Max-Metzger-Grundschule.

Zwischenzeitliche Spekulationen, die Stadt könnte das Haus verkaufen und anderswo einen neuen – eventuell größeren – Kindergarten bauen, erübrigen sich: Das Haus ist eine Schenkung des Fabrikanten Johann Sutter an die Stadt. Bestandteil der Schenkungsurkunde ist eine Klausel, nach der das Haus nur für die Betreuung von Kindern oder Schülern verwendet werden darf. Folglich befassten sich Stadt und Gemeinderat daraufhin mit einer Sanierung. Soll nur der Brandschutz auf Vordermann gebracht werden? Oder erledigt man mehrere Sanierungen auf einen Schlag? Oder gibt es gar die ganz große Lösung mit Generalsanierung und teilweisem Neubau inklusive Neugestaltung der Außenanlagen?

Im vergangenen September hat der Rat die Weichen für die große Lösung gestellt. Seinerzeit beschlossen die Räte, ein Büro mit Konzepten für Brandschutz, Modernisierung, Aufzug und Umgestaltung der Außenanlage zu beauftragen. Die Kosten wurden mit mehr als einer Million Euro beziffert: 700.000 Euro Sanierung plus mehr als 200.000 Euro für den Aufzug, falls die Studie hergibt, dass dieser auch Sinn macht.

  • Der Denkmalschutz: Das beauftragte Maulburger Büro hat sich also an die Arbeit gemacht und mehrere Varianten untersucht. Bei einem Vor-Ort-Termin Mitte Dezember mit Vertretern vom Denkmalamt kam allerdings ein ganz neuer Aspekt auf den Tisch: Die nahegelegene Alte Stadtkirche St. Michael – „ein Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung“ – darf in ihrem Erscheinungsbild durch einen eventuellen Neubau nicht zu sehr beeinträchtigt werden, heißt es nun in den aktuellen Sitzungsvorlagen für den Gemeinderat. Die beim Dezember-Termin vom Architekturbüro vorgelegten Pläne mit zweigeschossigem Anbau für neue Gruppenräume kämen dem Kulturdenkmal „räumlich zu nah“. Die Kirche genießt sogenannten Umgebungsschutz. Das gelte übrigens auch für das direkt angrenzende Verwaltungsgebäude Hauptstraße 29, das frühere Amtsgericht, in dem heute unter anderem die Kämmerei untergebracht ist. „Die Rückfassaden der Gebäude am Marktplatz bilden zur Kirche eine relativ klare Platzkante aus. Bauliche Nachverdichtungen in diesem Bereich verunklaren diese städtebauliche Situation und beeinträchtigen die geschützte Wahrnehmbarkeit und das Erscheinungsbild“, heißt es in einer Stellungnahme des Denkmalamts. Die Planer mussten umdenken: Die Festlegungen des Denkmalamts lassen nur „eine minimale Kubatur mit Aufzug und WC-Bereich zu“ – und eben keine neuen Gruppenräume. Zudem müsste der Anbau „der bestehenden historischen rückseitigen Fassade Rechnung tragen“, um genehmigungsfähig zu sein.
  • Die Varianten: Die Pläne wurden also entsprechend angepasst und das Ergebnis wird nun im Gemeinderat beraten. Drei Varianten bekommen die Räte zur Abstimmung. In der kleinsten Lösung wird nur der Brandschutz inklusive Elektroinstallationen und Schallschutz erledigt. Variante zwei enthält zudem die grundlegende Modernisierung des Hauses. Variante drei – und diese schlägt die Verwaltung den Räten zum Beschluss vor – ist das durch den Denkmalschutz abgespeckte Komplettpaket: Zusätzlich zu Brandschutz und Sanierung soll der Anbau aus den 50er Jahren abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden. Darin sollen die WCs, ein Aufzug – gemeinsam nutzbar mit der benachbarten Kämmerei – sowie eventuell das Treppenhaus Platz finden. Und außerdem soll es von der Rückseite aus einen barrierefreien Zugang geben. Obendrauf werden nach den Bauarbeiten die Außenanlagen neu gestaltet. Die Kostenschätzung dafür liegt bei rund 790.000 Euro und damit leicht über dem, was im vergangenen September als Kostenschätzung veröffentlicht wurde.

Der Gemeinderat tagt am Montag, 27. Januar, um 19.30 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.