Schopfheim Kaya Yanar und seine Sicht auf den „Planeten Deutschland“

Der Kabarettist Kaya Yanar begeistert das Publikum in der vollbesetzten Schopfheimer Stadthalle.

Mit ohrenbetäubendem Jubel wird Kaya Yanar von seinen Fans in der Schopfheimer Stadthalle empfangen. Vor drei Jahren war er schon mal in der Markgrafenstadt, damals beim Sommersound auf dem Marktplatz, wie er sich gleich erinnert. Dieses Mal steht er vor 780 Besuchern auf der Stadthallenbühne, um seine Sicht auf den „Planeten Deutschland“ auf witzig-humorvolle Art zu erklären.

Die Bühnenkulisse zeigt den Bundesadler, ein riesiges Konterfei von Yanar und ein rotes Herz. Symbol dafür, dass der Comedy-Star mit türkischen Wurzeln seine Heimat Deutschland liebt. Und sogar „lustig“ findet, wie er selbst sagt. Erst mal checkt er, ob Türken im Publikum sind. „Ah ja, wieder mal in der ersten Reihe!“, witzelt Yanar. Und die Deutschen weiter hinten im Saal? „Die sind pünktlich erschienen.“

Er nimmt gerne die Eigenheiten, Sprachen und Mentalitäten der verschiedensten Nationalitäten auf die Schippe: Türken, Deutsche, Schweizer, Russen, Kroaten, Albaner, Niederländer, Polen, alle werden von dem polyglotten 44-jährigen Komiker schlagfertig und reaktionsschnell parodiert und imitiert. Er tut so, als könnte er russisch, arabisch oder niederländisch sprechen, und er lebt auf der Bühne sein überragendes Talent aus, „spiegelreflexartig“ auf Menschen fremder Kulturen zu reagieren, indem er sie nachmacht. Das führt zu absurd-komischen Szenen bei der Yoga-Stunde, bei der er den „inneren Inder“ in sich rauslässt und tänzelnd auf Bollywood macht. Oder in der Anekdote von seiner Reise nach St. Petersburg, wo er in der Eremitage eine Museumswärterin verblüfft, indem er ein Russisch mit ihr spricht, das sie nicht versteht.

Yanar liebt das Spiel mit der Sprache und den Dialekten. Im Schnelltempo haut er einen Gag nach dem anderen raus, hat sofort einen super Draht zum Publikum. Da er in Frankfurt aufgewachsen ist, kann er auch hessisch babbeln, und er mag den bayerischen „deftigen und kräftigen Dialekt“, bei dem die Wörter rausgepresst werden. Man stelle sich mal Titanic auf bayerisch vor: „Obacht, Eisberg!“. Dagegen findet Yanar Anbaggern auf sächsisch ein zweifelhaftes Vergnügen. Der Lachpegel im Saal steigt rapide, als der Parodist und Dialekt-Imitator vormacht, wie Karaoke in Sachsen klingt. Auch die Besonderheiten türkischer Musik oder den typischen Jargon und die HipHop-Gebärden türkischer Jungs von der Straße hat Yanar umwerfend gut drauf. Der Schnellredner schweift zwar gern mal ab, weil er sich liebend gern mit Kulturen und Sprachen beschäftigt, aber er kommt doch immer wieder auf den Kern seines Programms zurück: „Planet Deutschland“.

Seit einigen Jahren lebe er nun in der Schweiz, weil seine Freundin Schweizerin sei, erzählt Yanar. Und spielt die Episode nach, wie er seine Traumfrau in einer Disco in Zürich kennengelernt hat. Nun könne er, so aus der Schweiz, seine Heimat Deutschland „mal von außen“ betrachten, zum Beispiel als Autofahrernation. Wobei Yanar gleich klar stellt, dass Bertha Benz „die erste Autofahrerin der Welt“ war: Gatte Carl hat das Automobil zwar erfunden, aber seine Frau hat es als Erste gefahren. Schon ist Yanar in seinem Element, redet vom Schnellfahren, vom Tempolimit in der Schweiz, von Besuchern aus China, die bei Tempo 200 auf der Autobahn die ersten deutschen Wörter lernen: „Fahr doch, du Penner!“.

Auch die Tierliebe der Deutschen bringt Yanar aufs Tapet. „Der Deutsche liebt sein Tier – auf dem Teller und als Haustier.“ Die Arche Noah hätte es nie gegeben, wenn ein Deutscher an Bord gewesen wäre, kommentiert der Vegetarier Yanar den Fleischkonsum seiner Landsleute. Alle Katzenfans hat er auf seiner Seite, wenn er von seinen beiden Stubentigern erzählt: einer schreckhaften Maine-Coon-Katze und einem Britisch-Kurzhaar-Kater, der nicht miaut, sondern gurrt wie eine Taube.

Ja, und dann wäre da noch die Sportnation Deutschland, wo es laut Yanar „drei Religionen gibt: katholisch, evangelisch und Fußball“. Auch manche Gesetze in Deutschland, etwa zum Thema Dienstreisen, findet er so kabarettwürdig, dass er sie im O-Ton ins Programm aufnimmt und versichert: „Das ist kein Witz von mir!“ Spottlustig lästert er auch über das „singende Tamagotchi“ beim Eurovision Song Contest. Yanar will an diesem Abend „nicht zu politisch werden“. Aber er bringt doch einige kritisch-satirische Nummern über die Verschleierungsdebatte und die Burkas, über die Europa-Krise, über Fremdenfeindlichkeit und „Ausländer raus“-Parolen, Terroristen und Sprengstoff-Attentäter, die andere mit in den Tod reißen. Solche brisanten Themen geht Yanar „mit schwarzem Humor“ an, „anders kann man mit den Themen nicht umgehen“.

Yanar holt sein Publikum ab mit seinem blitzschnellen Reaktionsvermögen, seinem hintergründigen Humor, seiner gewitzten Art, den Leuten die Pointen nur so um die Ohren zu hauen. Und so hört der Kabarettist bei diesem Auftritt seine Lieblingsgeräusche in voller Lautstärke: Lachen und Applaus.

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