Die Organisatoren der Internationalen Mundart-Literaturwerkstatt in Schopfheim sind immer auf der Suche nach jungen Talenten. Das ist nicht leicht, aber man findet sie doch. Bisher gab es bei diesen Leseveranstaltungen keine Slam-Poetry, kein Spoken Word. Das hat sich heuer geändert. Daniela Dill, studierte Literaturwissenschaftlerin und Co-Leiterin des Jungen Schreibhauses in Basel, ist eine junge Slam-Poetin. Sie machte aber keine Wortperformance und rezitierte ihre hintergründig witzigen Gedanken zur Schweizer Wohnsituation („Modern Wohnen“) nicht als Bühnendichtung, sondern las sie ganz klassisch vor. Aber auch das war eine Bereicherung der Literaturwerkstatt, die sich um das Thema „Heimatland – Fluch oder Segen“ drehte.

Heimat und Heimatland

Die Begriffe „Heimat“ und „Heimatland“ sind lange Zeit ideologisiert, verkitscht, verhöhnt und überfrachtet worden. Das Wort Heimatland scheint noch immer auf dem Sprachindex zu stehen, wenn man die Vorrede von Moderator Volker Habermaier auf Schwäbisch richtig verstanden hat. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei Heimat nicht mehr Heimatland gewesen, sondern mehr und mehr Europa. Im Gegensatz zum verpönten Wort „Heimatland“ findet Habermaier „Heimat“ als etwas Schönes, wenn man eine habe. Seit einigen Jahren feiert der Begriff fröhliche Urständ. Heimat ist wieder „in“. Da sind solche Lesungen geeignet, auf der Suche nach Identitäten und neuem Heimatgefühl nachzuhaken: Wo ist Heimat zu verorten, was macht sie aus?

Martin Lukas Blum als Newcomer

Wie es heute mit Heimaterfahrungen aussieht, dazu haben die Autoren aus Österreich, der Schweiz und Deutschland literarisch zu ihrer Kulturheimat beigetragen. Das war also beste Heimatkunde, wenn man von dem Esslinger Werbetexter und Journalisten Olaf Nägele, der mit schwäbischen Krimis um dem unkonventioneller Pfarrer Goettle bekannt geworden ist, in humorvollen Geschichten einiges über schwäbische Mentalitäten erfährt. Neben „alten Hasen“ wie ihm waren auch Newcomer dabei. Der Vorarlberger Martin Lukas Blum aus Vorarlberg, wie Johann Peter Hebel Theologe, Pädagoge und Autor, ist noch ganz am Anfang seines literarischen Schreibens. Markus Manfred Jung, zur Zeit Burgschreiber in Laufenburg, erinnerte sich in einigen Glossen an seine Anfangszeit 1990. Alemannische „Spoken Words“ von früher hat er in einem Lautgedicht rhythmisiert und als Rap vorgetragen. Das war schon fast Mundart-Slam. (js)