In Schopfheim kommen Jugendliche immer noch viel zu oft und viel zu leicht an hochprozentigen Alkohol. Zu diesem Ergebnis kommt die Stadt, nachdem sie erneut Jugendliche zu Alkoholtestkäufen losgeschickt hat. Die Tests fanden im November statt und sind nun ausgewertet. Dabei stellten Ordnungsamt und Polizei fest, dass Jugendliche im Vergleich zum Vorjahr sogar noch häufiger ohne Probleme Schnaps einkaufen konnten. Konsequenz: Bußgelder – und die Mitarbeiter der Einzelhändler sollen in Seminaren sensibilisiert werden.

Insgesamt vierter Test

Am 19. November letzen Jahres waren sie unterwegs, die jugendlichen Testkäufer, die im Auftrag der Stadt in acht verschiedenen Schopfheimer Geschäften – darunter Supermärkte, Tankstellen und Kioske – ausprobieren sollten, ob und wenn ja wie leicht sie an Hochprozentiges kommen. Es war nach einem Versuch im Mai der zweite Test im Jahr 2018 und der vierte Test insgesamt. 2017 hatte die Stadt die Tests gemeinsam mit der Polizei und mit dem Zentrum für Suchtprävention Villa Schöpflin in Lörrach eingeführt.

Das Ergebnis nach dem jüngsten Test im vergangenen November bezeichnet die Stadt in einer Mitteilung vom Mittwoch nun als „ernüchternd“: Es wurden wiederholt zahlreiche Verstöße gegen das Verkaufsverbot von Alkohol an Jugendliche festgestellt. Von insgesamt 13 Testkäufen in den acht verschiedenen Läden wurde bei sieben Testkäufen hochprozentiger Alkohol verkauft. Ähnlich bescheiden war die Quote beim Versuch im Mai: Bei 13 Testkäufen waren seinerzeit neun Jugendliche beim Schnapskauf erfolgreich.

Nachdenklich wird Schopfheims Ordnungsamtsleiterin Cornelia Claßen vor allem mit Blick auf die Zahlen vom Vorjahr: 2017 waren die Tests vergleichsweise erfreulich verlaufen. „Wir haben 2017 bei zwei Testkäufen ganz andere Ergebnisse“, sagt Claßen. Im April 2017 seien bei zehn Testkäufen zweimal Schnapsflaschen über die Theke gegangen, im Dezember 2017 bei zwölf Testkäufen dreimal. „Das hört sich ganz anders an als das Ergebnis diesmal“, sagt Cornelia Claßen. Die Tests seien jeweils nach dem gleichen Muster verlaufen: Die Test-Jugendlichen sind jeweils älter als 16 und jünger als 18 Jahre und versuchen in den Geschäften, hochprozentige Alkoholika zu bekommen.

Warum die Stichproben 2018 deutlich mehr Stirnrunzeln verursachen als die Tests im Jahr 2017, darüber könne man nur spekulieren. „Ich war ernsthaft überrascht vom Ergebnis und dem Anstieg“, sagt Cornelia Claßen. Ohne Konsequenzen soll die Aktion nicht bleiben: Für die Verkäufer, die den Jugendlichen den Schnaps verkauft haben, wird es teuer. Das Bußgeld beträgt 150 Euro, zusätzlich kommen noch Gebühren obendrauf – rund 180 Euro werden am Ende fällig. Im Wiederholungsfall – und auch ein solcher wurde aufgedeckt – kommt auch eine Abmahnung vom Arbeitgeber dazu. Aber dabei soll es nicht bleiben: In einem Gesprächskreis mit Ordnungsamt, Polizei und Villa Schöpflin hat Schopfheims Polizeirevierleiter Christoph Dümmig vorgeschlagen, die Angestellten der Geschäfte in Seminaren der Villa Schöpflin für das Thema zu sensibilisieren.

„Die Stadtverwaltung und das Polizeirevier Schopfheim haben nach den Testkäufen mit den Verantwortlichen der jeweiligen Einzelhandelsgeschäfte Gespräche geführt, und die Beteiligten waren sich einig, dass der Jugendschutz ein wichtiges Anliegen für Alle ist“, heißt es in der Pressemitteilung. Und noch eine Konsequenz zieht die Stadt aus dem unerfreulichen Testergebnis: Auch 2019 und darüber hinaus werden wieder Jugendliche in Schopfheimer Geschäften unterwegs sein und testen, wie leicht sie an den für sie verbotenen Stoff kommen.