Wer hätte das gedacht: Der Suppenkasper ist ganz aktuell und gar nicht weit hergeholt. Wenn junge Menschen dem Schlankheitswahn verfallen, dann sagt Ulla K. Schmid zu ihnen: „Schon den Suppenkasper gelesen?“ Der hat sich nämlich zu Tode gehungert. Eigentlich sind es schreckliche Geschichten, die der Frankfurter Arzt, Psychiater und Kinderbuchautor Heinrich Hoffmann, der als erster Vertreter der Jugendpsychiatrie gilt, mit seiner weltberühmten Kinderbuchfigur „Struwwelpeter“ erschaffen hat. Die „lustigen Geschichten und drolligen Bilder“ kennt jeder auf Hochdeutsch, deswegen las die Leiterin des Städtischen Museums Schopfheim in der begleitenden Reihe „Literatur von A bis Z“ zur Sonderausstellung „Literatur zum Anfassen“ aus dem Bilderbuch „De Strubelpeter“, ins Alemannische übertragen von Rosmarie Wiegand, die Geschichte vom „Suppe-Chaschper“.

Johann Peter Hebel in vielen Exponaten vertreten

Unter dem Motto „Von Hebel bis Karl May“ hatte Schmid Literatur von Schriftstellern ausgesucht, die mit amüsanten und ungewöhnlichen Objekten in der Ausstellung vertreten sind. In etlichen Exponaten kommt Johann Peter Hebel vor. Die Notgeldscheine der Stadt Schopfheim aus den 1920er Jahren mit Konterfeis, Gedichtzeilen und Motiven des alemannischen Dichters inspirierten die Rezitatorin, das Hebelgedicht „Mann im Mond“ vorzustellen. Außerdem das auf zwei Krügen zitierte Gedicht „Freude in Ehren“. Von Homer, dem Dichter der Epen, der „Ilias“ und „Odyssee“, kam die Geschichte vom Raub der schönen Helena zum Vortrag, aber nur ein paar Zeilen aus dem ersten Gesang, denn Homer mit seinen Göttern und Helden der Antike ist anstrengend. Leichter wurde es bei Erich Kästner und seinem oft verfilmten Kinderbuch „Emil und die Detektive“. Aber wer kennt hier schon das 14. Kapitel „Stecknadeln haben auch ihr Gutes“, in dem Einstiche in die Geldscheine ein wichtiges Indiz sind?

Auch eine Episode aus dem "Dschungelbuch" ist zu hören

In der alphabetischen Reihe folgte noch der britische Schriftsteller Rudyard Kipling mit einer längeren Episode aus dem „Dschungelbuch“, auch eine etwas unbekanntere vom Findelkind Mogli in der Wolfshöhle. Zum guten Schluss durfte Karl May nicht fehlen, die Einleitung zu „Winnetou I“, in der May in der Ich-Form als hehrer Anwalt der Indianer spricht. Man sollte es nicht glauben, aber Old Shatterhand und der edle Apachenhäuptling faszinieren nicht nur die ältere, sondern auch die Internet-Generation. (js)

Lesung: „Literatur von A bis Z“, Museum Schopfheim, Mittwoch, 5. September, 15 Uhr („Von Nauclerus bis Scott“).