Schopfheim/Berlin – Vor 75 Jahren – am 17. April 1944 – fiel im Zuchthaus Brandenburg-Görden das Fallbeil, mit dem Max Josef Metzger, katholischer Priester aus Schopfheim nach seinem Todesurteil durch die NS-Diktatur hingerichtet wurde. Metzger hatte immer wieder – auch in einer Denkschrift – zum Widerstand gegen die Nazis aufgerufen. In einem Schauprozess wurde er in Berlin dafür verurteilt. In der Bundeshauptstadt hat Metzger – ebenso wie in Schopfheim – Spuren zuvor hinterlassen.

Der Vorgang dauerte sieben Sekunden. Die Uhr zeigte 15.26 Uhr an, als Max Josef Metzger ermordet wurde. Ein halbes Jahr hatte Metzger in der als „Zuchthaus“ bekannten Strafanstalt in Brandenburg an der Havel bereits auf seine Hinrichtung gewartet. Als „für alle Zeit ehrloser Vaterlandsverräter“ war der katholische Priester am 14. Oktober 1943 von Roland Freisler, dem berüchtigten Präsidenten des sogenannten Volksgerichtshofs, nach einem gerade mal 70-minütigen Schauprozess zum Tode verurteilt worden. Auf dem Todesurteil ist sein Geburtsort angegeben – Schopfheim. An jenem 17. April 1944 erfuhr Max Metzger erst zwei Stunden vorher, dass er an diesem Tag als 30. und letzter Verurteilter hingerichtet werden sollte. Er konnte noch zwei Abschiedsbriefe verfassen, bevor das Urteil vollstreckt wurde.

Die Spurensuche in Berlin beginnt wenige Kilometer weiter östlich dieses Hinrichtungs-Schauplatzes, in Wedding. Dort, wo es Max Josef Metzger sogar auf den Stadtplan der Bundeshauptstadt geschafft hat. Der Max-Josef-Metzger-Platz ist ein dreieckiger Ruhepol an der viel befahrenen Müllerstraße. Auf den Bänken sitzen ein paar Jugendliche, ein alter Mann führt seinen Hund aus. Dass der Platz gerade hier liegt, hat einen Grund: Auf der anderen Straßenseite steht die Kirche St. Joseph, eine dreischiffige Basilika im Stile der Neoromanik. Sie ist dem heiligen Josef von Nazareth geweiht, dem Patron der Arbeiter. Das passt hier im Wedding, dem alten Arbeiterbezirk, und es passt auch zu Max Josef Metzger, der nach seiner Promotion in Theologie eine akademische Laufbahn ablehnte, um als Priester näher an den Menschen zu sein. Seit er im Jahr 1915 als Feldgeistlicher die Kämpfe am Hartmannsweilerkopf im Elsass miterlebt hatte, kämpfte er als Pazifist für Völkerverständigung, Abrüstung und das Recht auf Kriegsdienstverweigerung. Da die Friedensbotschaft des Christentums unglaubwürdig bleiben musste, solange die christlichen Konfessionen selbst gegeneinander standen, engagierte er sich für die Ökumene und forderte 1939 in einem Brief an Papst Pius XII. die Einberufung eines ökumenischen Konzils zur Wiedervereinigung der Christen.

In der Berliner Gemeinde predigte Metzger für den Frieden und schon früh gegen die an die Macht strebenden Nationalsozialisten. Mit dieser Bedrohung für Deutschland und die Welt umzugehen, fiel dem Priester nicht leicht. Zwar lehnte er den Nationalsozialismus strikt ab. Doch weil er den Gegner für derart übermächtig hielt, dass sich ein offener Kampf nicht lohne, setzte er zunächst auf eine konstruktive Zusammenarbeit, um schlimmste Auswüchse zu verhindern. Seine Denkschriften und Memoranden brachten ihn nach dem 30, Januar 1933 dennoch schnell ins Visier der Gestapo.

Ein Manifest wurde Metzger zum Verhängnis

Als Max Josef Metzger 1943 in einem Manifest künftige Strukturen für ein demokratisches Deutschland nach dem Krieg formulierte und einem schwedischen Erzbischof zustellen wollte, wurde er von einer Vertrauten verraten. Sein Ende kam schnell. Den Schauprozess führte der gefürchtete Scharfrichter Roland Freisler, der ein Jahr zuvor die Mitglieder der Weißen Rose zum Tode verurteilt hatte und wenig später auch die Hitler-Attentäter um Claus Schenk Graf von Stauffenberg hinrichten ließ. Mehr als 2600 Todesurteile fällte Freisler am Volksgerichtshof – das für Max Josef Metzger nach einem kurzen, von Wutausbrüchen geprägten Prozess. In der Kirche in Wedding gedenkt man des Priesters heute in der Krypta unter der Apsis. Vor der Kirche liegt ein Stolperstein für Max Josef Metzger, den „Bruder Paulus“ des von ihm gegründeten Christkönig-Instituts. Und im Park gegenüber stemmt sich eine Granitsäule in die Erde, als wollte sie übermächtigen Kräften trotzen. Darauf eingraviert: „Ich habe mein Leben Gott angeboten für den Frieden der Welt“ – die letzten überlieferten Worte Max Josef Metzgers aus einem der Abschiedsbriefe, die er schrieb, bevor ihn das Fallbeil traf.