Schätze hat Heimatforscher Werner Störk so einige ausgegraben – insbesondere wertvolle historische Funde. Störk hat damit aber auch selbst eine einzigartige Kostbarkeit erschaffen: einen Datenschatz. Internetseiten voller hintergründiger regionaler Geschichtsinformationen mit mehr als 200 000 Besuchern pro Jahr. Um diesen für die Nachwelt zu sichern, hat Störk ihn jetzt neu sortiert. So gingen einige Datenjuwelen in den Besitz der Stadt Schopfheim und weiterer Wiesental-Gemeinden über.

Ob Goldwaschen, Schanzen, Bergbau, Glasmacher, „Türkenlouis“, Dreißigjähriger Krieg, Schwedentrunk, Wölfe, Bären, Sagen, Märchen, Gersbacher Besonderheiten oder militärische Spezialbegriffe wie „Krähenfüße“: Wer im Internet nach historischen Themen mit regionalem Bezug im Internet sucht, stößt auf die Internetseiten der ehemaligen AG Minifossi. Werner Störk, Heimatforscher, Bundesverdienstkreuzträger sowie Gründer und Leiter der vielfach preisgekrönte Schülerarbeitsgemeinschaft der Friedrich-Ebert-Schule, trug unter ihrem Namen in mehr als 30 Jahren einen gigantischen Datenschatz zusammen, bereitete diesen pädagogisch und leserfreundlich auf und präsentierte diesen weltweit.

Werner Störk.
Werner Störk.

Nicht allein die Fülle an Informationen machte diese Seiten früh zur ersten Anlaufstelle für solche Infos im Netz. Ähnlich wie etwa bei der Erforschung der regionalen Schanzen hatte sich Störk auch in Sachen Internet als Pionier auf Entdeckungsreise begeben, nämlich schon im Internet-Steinzeitalter der 80er Jahre. Störk kam dabei zupass, dass er als Informatiklehrer früh mit der Materie vertraut war. Störk weiß, wie Internetseiten aufbereitet sein müssen, dass sie von Suchmaschinen optimal zu finden sind.

Zuletzt umfasste die wichtigste Hauptadresse über 1100 HTML-Webseiten, 29 000 Dateien sowie mehr als 13 500 Fotos und Grafiken. Sie wurde pro Tag im Schnitt von bis zu 800 Besuchern angeklickt. „Pro Jahr waren es mehr als 200 000 Gäste aus der halben Welt, die die Seite besuchten“, erzählt er. Vornehmlich solche aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch „Exoten“ von den Cocos Islands oder Tuvalu, Namibia oder Saudi-Arabien.

Profitiert hat davon seit 2001 auch das Evangelische Jugendheim (heute Freizeithaus) – und der Ort Gersbach. Damals ergab sich die Möglichkeit einer Kooperation zwischen der AG Minifossi und dem Jugendheim. Die Schüler-AG konnte dank der Internetseite des Jugendheims auch außerhalb der leistungsmäßig stark limitierten Schulhomepage die umfangreichen Forschungsergebnisse aus dem Raum Gersbach einer breiteren Öffentlichkeit präsentieren. Eine – wie es neudeutsch heißt – Win-Win-Situation. Die Arbeit der AG Minifossi wurde spürbar bekannter, zugleich stieg der Bekanntheitsgrad des Evangelischen Jugendheimes. Dieses hatte bis dahin ebenfalls keinen Internetauftritt. Nun hatte es dank der Verlinkung mit der Minifossi AG eine vielbesuchte Seite – dank Störk. Denn er kümmerte sich um die Seite als Ganzes, also auch um die Internetpräsenz des Heims. Ein weiterer Nutznießer war Gersbach, das damals, Anfang der 2000er Jahre, ebenfalls noch keine eigene Internetseite hatte. Da sich aber vieles auf der Internetseite der AG Minifossi um Funde aus dem archäologischen Schatzkästlein Gersbach drehte, wurden die Besucher auch aufs Golddorf aufmerksam gemacht.

Nun allerdings hat Störk diesen Internetschatz neu sortiert. Zum einen vor dem Hintergrund, dass sich der 68-Jährige Gedanken macht, wie dieses digitale Archivgut langfristig bewahrt werden kann. Aber auch, weil das Freizeithaus organisatorisch und in Sachen Internet nun eigene Wege geht. Störk hat daher nun sowohl die Hauptseite http://www.jugendheim-gersbach.de sowie die ebenfalls viel besuchte Homepage http://goldwaschen.de gelöscht – die wichtigsten Forschungsergebnisse und Projektarbeiten allerdings auf einer neuen Seite frisch aufbereitet. Mit jetzt neu 1,4 Gigabyte, rund 28 000 Dateien und über 12 000 Fotos und Grafiken sowie über 500 speziellen Websites „ist diese neue Homepage dabei nicht nur inhaltlich ein Schwergewicht“, sagt Störk. Ihm liege sehr am Herzen, dass die fachlichen Leistungen der hoch motivierten Minifossi auch in Zukunft gewürdigt werden und die Forschungsergebnisse auch „zukünftig frei zugänglich als Impulsgeber für weitere Forschungen zur Verfügung stehen.“

Bei einer privat betriebenen Internetseite ist das allerdings nicht für alle Ewigkeit gewährleistet. Wie es sich für einen Informatiker gehört, hat er sich deshalb nach zusätzlichen Sicherungen umgeschaut. So hat er Inhalte mit speziellen regionalen/ortsspezifischen Inhalten Gemeinden im Wiesental angeboten – zu einem angesichts der immensen Arbeit, die dahintersteckt, allenfalls symbolischen Preis. Einige wie Schopfheim sowie Wieden und das Kleine Wiesental griffen zu. Die Stadt Schopfheim etwa erhielt über 80 Webseiten mit aktuell mehr als 2000 Fotos und Grafiken.

„Wir haben diese für die Gersbacher Ortsverwaltung gekauft“, erklärt Marcus Krispin, zuständig für Presse und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadtverwaltung, auf Nachfrage. Für Störk eine gute Nachricht: „Ich wollte mit der Internetpräsenz die Arbeit der AG bekannt machen – das ist mir gelungen. Jetzt hoffe ich, dass die Erinnerung daran und die gewonnenen Erkenntnisse auch für künftige Generationen erhalten bleiben.“

Die neue Seite im Internet hat die Adresse http://minifossi.pcom.de