Der Gersbacher Heinz Freiner versteht die Welt nicht mehr. Seit mehr als 80 Jahren besitzt seine Familie eine Hütte im Haseler Wald, im Gewann Schammer. Die Baurechtsbehörde im Landratsamt Lörrach besteht jetzt auf Abriss.

Seine Eltern, die eine Landwirtschaft betrieben, haben das Grundstück einst gekauft und darauf eine Hütte gebaut. „Ich habe diese Hütte und 41 Hektar Land 1968 von meinen Eltern geerbt“, erklärt der 77-jährige Heinz Freiner, der in Gersbach wohnt, aber ein gebürtiger Haseler ist. Bis vor etwa zwei Jahren habe es nie Probleme mit der Hütte gegeben. Dann habe ihn ein Förster aus Gersbach wegen der Hütte angezeigt und der Ärger mit der Behörde im Landratsamt begann.

Die Hütte sei als Unterstand für Mensch und Tier gedacht, sie habe mit 120 Kubik- und 6,8 Quadratmetern keine übertriebenen Ausmaße. Weil er Dinge nicht verkommen lasse, habe er die Hütte instand gehalten, auch etwas verändert, um Gerätschaften besser darin unterbringen zu können. Auch habe er auf engstem Raum einen Tisch, zwei Stühle und eine Couch darin untergebracht. Früher, als seine Eltern die Landwirtschaft betrieben, sei die Hütte doppelt so groß gewesen.

Drinnen bringt er landwirtschaftliche Geräte unter, die er unter anderem für die Waldbewirtschaftung benötigt.
Drinnen bringt er landwirtschaftliche Geräte unter, die er unter anderem für die Waldbewirtschaftung benötigt. | Bild: privat

Die Behörde störe sich am Vordächle des Gebäudes, unter dem Heinz Freiner Gerätschaften aufbewahrt hatte. Das Vordach müsse er entfernen und die Gerätschaften stattdessen in der Hütte unterbringen – was platzmäßig auf Kosten der Sitz- und Liegemöglichkeiten geht. Angekreidet werde ihm auch, dass er vor Ewigkeiten wasserdurchlässige Platten im Hüttenbereich gelegt habe. „Der Boden ist lehmig. Ohne die Platten ist der Boden klebrig.“ Und das Wegle zur Hütte störe das Baurechtsamt ebenfalls. Da er sein Waldstück bewirtschaftet und eine Obstplantage in Hasel hat, nutze er natürlich die Hütte.

Als die Streitigkeiten anfingen, hat sich Heinz Freiner einmal genauer die Forsthütte im Gersbacher Wald angesehen. Ein komfortables Bauwerk, wie er befand, mit 41 Metern Länge, Kamin, Wasser, Strom und sogar einem WC im Wald. Auch dort verlaufen kleine Wegle. Er erstattete Anzeige, denn was angeblich bei ihm nicht erlaubt sei, werde von derselben Behörde der sogenannten Forsthütte sehr wohl zugestanden.

Er war auf die Reaktion gespannt, die auf sich warten ließ. Dann hatte er es Schwarz auf Weiß: Da es sich um eine Hütte des Forstbetriebs der Stadt Schopfheim handele, diene sie dem forstwirtschaftlichen Betrieb und sei erlaubt. Heinz Freiner zog einen Anwalt hinzu, doch der habe ihm in seinem Fall auch nicht weiterhelfen können. Für seine Hütte hat der Gersbacher inzwischen auch schon einiges an Bußgeld gezahlt. Er legte gegen Verfügungen auch stets Widerspruch ein. Doch es nutzte nichts.

Im Juni 2016 schrieb ihm die Behörde im Baurechtsamt des Landratsamts Lörrach: „Nach Abwägung aller betroffenen öffentlichen Belange, mit denen von Ihnen vertretenen Interessen, ergibt sich auch nach wie vor die Notwendigkeit der angeordneten Beseitigungsverfügung.“ Und an anderer Stelle: „Aus Ihrem Vortrag ergeben sich keine neuen Aspekte, die eine andere Sichtweise rechtfertigen.“ Die Waldhütte genieße weder Bestandsschutz noch seien die beanstandeten baulichen Anlagen genehmigungsfähig. Heinz Freiner hatte darauf hingewiesen – und mit Fotos dokumentiert –, dass viele Wildtiere wie Vögel, Wespen und Siebenschläfer an und in der Nähe der Hütte lebten.

Die Antwort der Behörde: Zwar mag es einerseits sein, dass sich beispielsweise brütende Vögel am Haus befinden. Die Gefahren wiederum, die für Wildtiere etwa durch den Zaun geschaffen worden seien, und die Tatsache, dass Waldboden versiegelt werde, seien dem Naturschutz aber abträglich. Da Heinz Freiner seinen Widerspruch nicht zurückgezogen hatte, ging der Widerspruch ans zuständige Regierungspräsidium in Freiburg.

Und jetzt hat Heinz Freiner ein Schreiben aus Lörrach erhalten, dass die Hütte bis Anfang Januar abgerissen werden muss. Der Gersbacher ist verzweifelt. Und er ist nach wie vor davon überzeugt, dass die Hütte Bestandsschutz genieße, denn wie vor 80 Jahren werde sie noch immer für die landwirtschaftlichen Tätigkeiten im Wald genutzt.

Das Landratsamt wollte sich in der zurückliegenden Woche auf mehrere Anfragen nicht zur Thematik äußern.