Ein seit Jahren schwelender Streit zwischen zwei Landwirten aus einer Kreisgemeinde um gepachtete oder getauschte Ackerflächen soll so eskaliert sein, dass sich nun ein 67-jähriger Mann wegen gefährlicher Körperverletzung in Tateinheit mit Bedrohung vor dem Amtsgericht Schopfheim verantworten musste.

Die Staatsanwältin legte dem Angeklagten folgenden Sachverhalt zur Last: Er soll am 4. Mai um die Mittagszeit mit seinem Auto auf den Feldweg vor einen Acker gefahren sein, auf dem ein 64-jähriger Landwirt mit seinem Traktor Feldarbeiten verrichtete. Der Angeklagte soll auf den Traktor des 64-Jährigen zugerannt sein und dabei lautstarke Drohungen ausgestoßen haben. Laut Anklageschrift soll der Angeklagte, nachdem der Traktorfahrer die Türe seines Treckers geöffnet hatte, diesem gedroht haben ihn „abzustechen“. Zudem soll er mit größeren Erdklumpen nach dem Traktorfahrer geworfen und diesen dabei getroffen haben. Dann habe er ein Messer aus der Tasche gezogen, sei auf das Trittbrett des Traktors gesprungen und habe versucht, auf den 64-Jährigen einzustechen, wobei dieser nach einer Abwehrbewegung an der Hand verletzt worden sei. Zudem habe der Angeklagte dem Traktorfahrer noch einen Faustschlag verpasst, der beim Geschädigten eine Prellung an der rechten Gesichtshälfte verursacht habe, so die Ausführungen der Staatsanwältin.

Der 67-jährige Angeklagte schilderte den Vorfall am Dienstag vor Gericht völlig anders: So sei ihm am Morgen des 4. Mai ein Schreiben zugestellt worden, wonach ihm ein Betretungsverbot des ihm nach seiner Ansicht rechtmäßig zustehenden Ackergeländes mitgeteilt worden sei. Deshalb habe er mit dem 64-Jährigen, der diese Fläche bearbeitet habe, über das Pachtverhältnis sprechen wollen. Aber zu einem Gespräch habe es nicht kommen können, weil ihn der Traktorfahrer von seinem Fahrzeug aus nur wüst beschimpft habe. Dabei sei er in einem Abstand von zirka fünf bis zehn Metern vor dem Traktor gestanden.

Er habe keine Dreckklumpen in das Führerhaus des Bulldogs geworfen, habe kein Messer aus der Hosentasche gezogen und sei auch nicht auf das Trittbrett gesprungen. Vielmehr habe er sich, nachdem der 64-Jährige mit dem Traktor auf ihn zugefahren sei, sofort entfernt und sei mit dem Auto weggefahren. Am Nachmittag sei dann die Polizei auf seinem Hof vorgefahren und habe sein Sackmesser konfisziert. Damit nicht genug: Nach Aussage des Angeklagten ist es am Abend noch zu einer Auseinandersetzung zwischen einigen Personen der beiden streitenden Parteien gekommen, wobei von gegnerischer Seite auch ein Baseballschläger eingesetzt worden sein soll.

Landwirt hatte Todesangst

Die Polizei sei angeblich mit drei Einsatzfahrzeugen vor Ort gewesen. Dem Gericht war dies jedoch nicht bekannt und soll jetzt überprüft werden. Der als Zeuge geladene 64-jährige Geschädigte schilderte das Geschehen im Wesentlichen so, wie es sich laut Anklageschrift zugetragen haben soll. Er sei wegen der wüsten Drohungen und der tätlichen Angriffe in Todesangst gewesen. Der Angeklagte habe versucht, ihn aus dem Traktor zu ziehen, und die Messerattacke habe er mit der Hand abwehren können, wobei er sich eine Schnittwunde zugezogen habe. Nachdem er den Angreifer vom Trittbrett gestoßen habe, sei er mit dem Traktor losgefahren, worauf ihn der Angeklagte sogar noch ein Stück weit mit dem Pkw verfolgt habe. Er habe dann am Weg eine Person getroffen, die auf seine Bitte hin die Polizei verständigte, die bei der Vernehmung auch seine Verletzungen fotografiert habe.

Der Verteidiger des angeklagten Landwirts war jedoch der Meinung, dass diese dokumentierten Verletzungen schon älteren Datums und manipuliert worden seien. Zudem habe der Geschädigte über den Tathergang widersprüchliche Angaben gemacht. Deshalb wurde nun ein neuer Verhandlungstermin mit einem Sachverständigen für den 23. Oktober angesetzt.