Seit elf Jahren macht Uta Vollgärtner Führungen in der Alten Kirche St. Michael. Auch nach dieser Zeit entdeckt sie immer noch Neues in dem historischen Sakralbau. Die ehemalige Gymnasiallehrerin, die auch Kunstgeschichte studiert hat, erläutert in ihren aktuellen Rundgängen die „Baugeschichte von den Anfängen bis heute“. Seit drei Wochen im Team der Kirchenführer ist August Bichelmeier, der ebenfalls Lehrer am Theodor-Heuss-Gymnasium war, für Geschichte und katholische Religion. Der Historiker zeigt „St. Michael im Mittelalter“.

  • Zur Baugeschichte: Im Doppelgespräch erzählen die beiden, auf welche Besonderheit sie ihr Augenmerk legen. Uta Vollgärtner beginnt seit Neuestem immer außen, mit einem Rundgang um die Kirche, damit die Leute den Blick schärfen für die Außenansicht, die Fenster, die Eingänge an der Nord- und Südseite. Sie weist auch auf eine schön verzierte Rosette hin, die oft nicht wahrgenommen wird: „Es gibt Leute, die haben die noch gar nie gesehen.“ Im Inneren erklärt Uta Vollgärtner, wie der Vorgängerbau ausgesehen hat, und spricht über Fundamente, die auf karolingische Tradition hinweisen. Anhand eines Grundrisses, Illustrationen und Plänen erläutert Vollgärtner die baulichen Veränderungen der Kirche. Sie weist auf das Dachgestühl des Turms hin, dessen Holz und Gebälk sich um 1356 datieren lässt. Und sie deutet auf die Säulen aus romanischer Zeit, an denen Risse und Feuer- und Brandspuren sichtbar sind. „Die Besucher sollen die Schönheit des Kirchenraums auf sich wirken lassen“, sagt Uta Vollgärtner, in eine Stunde viel Wissenswertes hineinpackt über die Zeit, in der das Kirchenschiff verbreitert wurde, vermutlich nach dem Brand 1330, und die große Umbauzeit im 15. Jahrhundert.

Besonderes Augenmerk gilt dem Netzgewölbe mit den sich kreuzenden Rippen. Auch auf den versetzten Triumphbogen und die Arkaden, die die Wand verstärken sollten, wird hingewiesen. Ebenso werden die freigelegten, teils nur schwach erkennbaren Wandmalereien im Chor, die zu den Kostbarkeiten gehören, so gut es geht in Augenschein genommen: die Szenen aus dem Leben Jesu, die Darstellung der Maria mit Kind und des Erzengels im Chorraum, außerdem in der Nordkapelle die besser erhaltenen Wandbilder der Kreuzigungsszene und Heiligen. Nur zu erahnen ist, was für Malereien noch unter den weiß getünchten Wänden des Kirchenschiffs verborgen sind. Uta Vollgärtner berichtet, dass die sogenannte Höcklin-Kapelle einst eine eigenständige Kapelle mit eigenem Eingang und Weihwasserbecken war. Eine steinerne Konsole mit Mondsichel und weiblichem Gesicht lasse darauf schließen, dass hier einmal eine Mondsichelmadonna stand. Wo die verschwundene Marienfigur abgeblieben ist, weiß man nicht. Auch erinnert Vollgärtner daran, dass die Kirche einst farbige Fenster hatte, die nach Basel gebracht wurden und verschollen sind.

Die mittelalterlichen Buntglasscheiben sind verloren gegangen und durch Klarglas ersetzt worden. Das Maßwerk an den Fenstern sei um 1811 herausgeschlagen worden, weil es die Kirche angeblich zu dunkel machte. Was für Auswirkungen der Brand 1330, das Basler Erdbeben und die Reformation hinterlassen haben, ist ebenso Gegenstand der Spurensuche mit Uta Vollgärtner.

  • St. Michael im Mittelalter: Jeder aus dem Kreis der Kirchenführer hat einen anderen Schwerpunkt, eine andere Herangehensweise. Er sei ein „Spätberufener“, schmunzelt August Bichelmeier, der Ende Juli sein Debüt mit der Führung „St. Michael im Mittelalter“ gab. Der frühere Geschichtslehrer konzentriert sich auf die mittelalterliche Epoche und geht chronologisch vor. „Ich fange mit dem an, was man nicht sieht“, sagt Bichelmeier. Gemeint sind die sechs Gräber aus dem 6./7. Jahrhundert, die bei Ausgrabungen unter dem Kirchenboden gefunden wurden. Eines der Gräber enthielt als Beigabe ein Kurzschwert, was auf Germanisches schließen lasse. Das Nächstälteste, auf das Bichelmeier näher eingeht, ist der Turm. In seiner Führung erzählt Bichelmeier aber auch einiges über die Bauherren, über die Herren von Rötteln, besonders über Markgraf Rudolf IV., der maßgeblich der Kirche „den Stempel aufgedrückt hat“. Unter Rudolf erhielt die Kirche in der wichtigsten Bau- und Umbauzeit im späten 15. Jahrhundert das Gesicht, das es weitgehend noch heute prägt, mit dem prägnanten Netzgewölbe. Bichelmeier berichtet über das Leben und Wirken des Markgrafen von Hachberg-Sausenberg, der Verbindungen zum Herzogtum Burgund hatte und in die große Politik eingestiegen ist. Sein Wappen ist in der Kirche sichtbar. Solche Persönlichkeiten der Geschichte, verbunden mit der baulichen Historie, machen die Führungen abwechslungsreich. August Bichelmeier und Uta Vollgärtner reagieren gerne auf Fragen von Besuchern und freuen sich, wenn diese selbst Interessantes beitragen können. „Es gibt so viel zu sehen“, sagt Uta Vollgärtner, „ich finde es richtig spannend“.

Führungen in der Alten Kirche St. Michael: 18. August, 15 Uhr, „St. Michael im Mittelalter“ mit August Bichelmeier. 25. August, 15 Uhr, „Baugeschichte von den Anfängen bis heute“ mit Uta Vollgärtner.