Acht hat es schon erwischt, weitere kommen möglicherweise dazu: Mit Hausverboten und Rauswürfen sollen im Schopfheimer Freibad unliebsame Gäste zur Räson gebracht werden. Nachdem Ende Juni diverse Polizeieinsätze wegen mehrerer Störenfrieden im Bad für öffentlichen Wirbel gesorgt hatten, soll die Situation auf diese Weise beruhigt werden. Das hat ein Gespräch zwischen Badbetreiber, Polizei und der Stadt als Besitzer des Bads ergeben.

  • Worum ging es beim Gespräch? In den vergangenen Monaten und nach Auskunft der Bademeister schon seit Jahren war es im Schopfheimer Freibad immer wieder zu Szenen gekommen, in denen Gäste – meistens eine bestimmte Personengruppe, bestehend aus Jugendlichen – über die Stränge geschlagen hatte: Die Teenager spielten mitten auf der Liegewiese Fußball oder droschen Bälle quer über das Becken. Obendrein fielen einige Jugendliche dadurch auf, dass sie unter ihren Badehosen noch die Unterwäsche trugen – für die Badbetreiber aus hygienischen Gründen ein Tabu. Ermahnungen, so berichteten die Bademeister, halfen nichts. Das Ganze gipfelte Ende Juni in tumultartigen Szenen, als einer der drei Bademeister von Jugendlichen aus der Gruppe beleidigt, ein anderer sogar geschlagen wurde.

Die Polizei rückte an, beruhigte die Situation und musste mehrere der renitenten Gäste aus dem Bad befördern. Später sahen sich dann die Bademeister mit einer krassen Anschuldigung konfrontiert: Im Internet kursierten Gerüchte, einer der Badeaufseher hätte sich an der Badehose eines Kindes zu schaffen gemacht – angeblich um nachzusehen, ob es Unterwäsche unter der Badebekleidung trägt. Das wiederum mündete in eine Beschimpfungsorgie – Neudeutsch: Shitstorm – im Internet und gegenseitige Anzeigen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen in der Sache (wir berichteten).

  • Die Ergebnisse: Weder Betreiber noch Ordnungshüter sind gewillt, sich von Badbesuchern, die sich nicht an die Regeln halten, länger auf der Nase herumtanzen zu lassen. „Grundsätzlich geht es uns darum, dass sich die Abläufe im Bad normalisieren und es zu solchen Vorfällen nicht mehr kommt“, erklärt Mike Kunz vom Betreiber, der Sport- und Freizeitmanagement GmbH, der am Gespräch teilnahm. „Wir sind dabei, Störenfriede aus dem Bad herauszubekommen. Und wir wollen unser Hausrecht stärker durchsetzen.“

Acht Besucher sind bereits mit Hausverboten belegt, „es könnten weitere dazukommen“, so Kunz. „Die Bademeister kennen ja die Leute, die Probleme machen.“ Stichwort Bademeister: Die möchte Kunz besonders schützen. Wenn Bademeister angegriffen werden – und sollte es auch nur verbal sein – setzt es sofort Hausverbot. „Wenn sich dann herausstellt, dass das nicht befolgt wird, kommt die Polizei ins Spiel.“ Ein Sicherheitsdienst, der im Schwimmbad – wie in anderen Bädern – dauerhaft aufpasst, ist laut Mike Kunz aber noch nicht im Gespräch. „Wir gehen davon aus, dass wir das mit dem jetzt Besprochenen in den Griff bekommen“, sagt Kunz. „Es wird vielleicht noch etwas dauern, bis es wieder ruhig ist. Aber uns ist wichtig, dass es auf Dauer geregelt wird. Nicht, dass der Ruf unseres Bades leidet, gerade bei Familien.“ Heißt also: Die Bademeister pflegen in Zukunft einen sehr kurzen Draht zur Polizei.

  • Ermittlungen laufen noch: Von dort gab es im Übrigen Ende der vergangenen Woche die Ankündigung, sich per Pressemitteilung zum Ergebnis des Sicherheitsgesprächs ausführlich zu äußern. Weil aber die Staatsanwaltschaft, bei der bekanntlich die Ermittlungen zu besagtem Streit zwischen Bademeistern und Badegästen laufen, noch letzte Details abklären muss, wurde diese Mitteilung bis auf Weiteres zurückgehalten. Revierleiter Christoph Dümmig bezeichnet auf Anfrage die Gespräche lediglich als „sehr fruchtbar“. Man habe „ein gutes Miteinander“ gehabt und sich auf einen „gemeinsamen Weg“ geeinigt.