Seit über 30 Jahren existiert in Schopfheim das Café Irrlicht als Biotop einer alternativen, politisch links orientierten Jugendkultur. Als einziges soziokulturelles Zentrum seiner Art zwischen Basel und Freiburg zieht es junge Besucher aus dem ganzen Landkreis und darüber hinaus an. Doch was genau wird alles im Irrlicht geboten? Erhellendes dazu gab es am Wochenende – da öffnete das Irrlicht beim „Open House-Festival“ seine Pforten im alten Bahnwärterhäuschen.

In diesem Domizil hat das Irrlicht nach einigen Umzügen seinen Platz im Herzen Schopfheims gefunden. Und diese Positionsbeschreibung bezieht sich nicht nur auf die Räume, sondern gilt auch fürs Ansehen: Lange Zeit stießen politische Stellungnahmen, laute Partys und überhaupt eine Kultur abseits allzu schnieker Standards auf Ablehnung. Auch heute noch stößt immer mal wieder ein in manchen Augen politisch allzu explizites Banner an der Hauswand auf Widerspruch. Insgesamt aber haben sich die Fronten zwischen „Irrlichtern“ und „Bürgerschaft“ geklärt. Das Irrlicht wird von den meisten Schopfheimern als Ort einer etwas anderen Jugendkultur geschätzt oder zumindest akzeptiert.

„Selbermachen. Freiraum sein. Eine Alternative bieten für die Jugendlichen, die mit dem Mainstream vielleicht nicht so viel anfangen können. Und: Die Leute sollen sich hier einfach wohlfühlen“ – so umreißen Jelena und Rebecca, was das Irrlicht für sie ausmacht. In diese Ideen ist ein guter Teil des politischen Anspruchs eingebettet. „Selbermachen“ meint beispielsweise auch die basisdemokratische Organisation des Zentrums, in dem ein Kollektiv aus bis zu 15 Jugendlichen die Geschicke selbst in die Hand nimmt. Politisch zwischen links und linksautonom angesiedelt grenzen sich die Irrlichter von Rassismus und Ausländerfeindlichkeit ab. Und weil das Irrlicht das kapitalistische Wirtschaftssystem kritisch beäugt, gibt es keinen Konsumzwang, die Eintrittspreise zu Veranstaltungen sind moderat.

Abends ging der Punk ab – wie hier beim Auftritt von La Flingue aus Marseille.
Abends ging der Punk ab – wie hier beim Auftritt von La Flingue aus Marseille. | Bild: Anja Bertsch

All diese Aspekte wurden jetzt auch beim zweitägigen „Open-House-Festival“ am Wochenende bespielt: Do-it-yourself-Fans konnten sich beim Siebdrucken und Batiken ausleben. Politische Vorträge nahmen die „Neue Rechte“ in Deutschland und den „Anti-ziganismus“ ins Visier; zwischendurch konnten sich Besucher an der „Küche für alle“ an leckerem Curry stärken oder im „Umsonstladen“ das eine oder andere neu-alte Kleidungs-Fundstück ergattern.

Der Nachmittag der offenen Tür lockte neben den „eingesessenen“ Irrlichtern den einen oder anderen Neu-Interessierten zum Blick hinter die Kulissen. Kein Vergleich war das aber zum Gedränge, das an den beiden Festival-Abenden herrschte, an denen fünf Bands ihrem Publikum die unterschiedlichen Spielarten des Punk-Rocks um die Ohren schmetterte: Rau und laut. Abseits des gefälligen Mainstream eben.