Todtnau-Geschwend – Rund 70 Menschen wurden am Mittwochabend aus ihren Häusern in Geschwend evakuiert, um sie vor drohenden Felsabgängen zu schützen. Sie verbrachten die Nacht bei Verwandten oder in anderen Quartieren. Geologen hatten zwei große Granitquader am Hang oberhalb der Gisibodenstraße entdeckt, die laut Stadtverwaltung „kurzfristig gesichert“ werden müssen. Auch der Haldenweg in Geschwend sei gefährdet.

Am Donnerstagabend informierte Todtnaus Bürgermeister Andreas Wießner die betroffenen Hausbewohner über die Lage. In der kommenden Woche werde eine Baustelle eingerichtet, um die tonnenschweren Felsbrocken, die abzustürzen drohen, zu sichern. Für die Betroffenen bedeutet das, dass sie sechs Wochen lang nicht in ihre Häuser zurückkehren dürfen. Wer sich der Anweisung widersetzt, muss eine Strafe von 5000 Euro bezahlen. Ein Teil der Betroffenen wird im Feriendorf Todtnau untergebracht werden.

Erst im März war ein tonnenschwerer Felsblock in Gärten in der Gisibodenstraße gerollt. Verletzt wurde nur deswegen niemand, weil sich zu dem Zeitpunkt keiner dort aufhielt. Das Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg kam damals zum Schluss, dass die Anlieger mit einem sogenannten Hochenergiezaun zu schützen seien vor zukünftigen Felsabgängen. Dies meldete die Zeitung bereits im Juli diesen Jahres; offenbar gab es damals keinen Grund zur Eile.

Diese Woche kam nach neuerlichen Begehungen des felsigen Steilhangs bei Geschwend dann Schwung in die Angelegenheit: Landesamtsreferatsleiter Clemens Ruch hat Untersuchungsergebnisse diesen Mittwoch persönlich der Stadtverwaltung Todtnau erläutert. „Acht Einzelpositionen erfordern spezielle Einzelsicherungen, wobei zwei Positionen besonders dringlich sind“, schreibt das Rathaus Todtnau in einer Pressemitteilung vom Donnerstag. Offenbar ist bei diesem Gespräch die Entscheidung für die Räumung der Häuser getroffen worden: „Wegen der vorliegenden Gefahrensituation in der prognostizierten Falllinie hat die Stadt Todtnau am Mittwochabend, 23. Oktober, die Nutzungsuntersagung der im akuten Gefahrenbereich liegenden Häuser bis auf weiteres angeordnet.“

Ein Leser meldete sich, der die Nacht rund 60 Kilometer entfernt bei einem Familienangehörigen verbrachte. „Plötzlich stand ein städtischer Mitarbeiter vor der Tür und schickte uns in die Nacht“, erzählt der Mann über die Aktion am Mittwoch gegen 19 Uhr in Geschwend. Für seinen Sohn bedeute dies jetzt „schulfrei“, denn der könne aufgrund der großen Entfernung nach Todtnau nicht am Unterricht teilnehmen.

Karin Spitz aus der Gisibodenstraße war bei dem Felsabgang im März betroffen und erschrak jetzt: „Oh nein, bitte nicht schon wieder“, sei ihr erster Gedanke gewesen, erzählt sie. Ein wenig Panik sei auch im Spiel gewesen – bis sie hörte, dass ihr Haus diesmal nicht akut gefährdet sei, sondern Nachbarhäuser. Zwei große Radlader mussten im März anrücken, um den tonnenschweren Koloss aus ihrem Garten wegzuschaffen. Karin Spitz berichtet dieser Zeitung von Freunden, die am Mittwoch von Bürgermeister Andreas Wießner persönlich evakuiert worden seien.

Gefahren durch Felsen

Zwischen Zell, Schönau und dem Feldberggebiet werden immer wieder lockere Felsen an Steilhängen entdeckt, die mit Stahlnetzen und Schrauben gesichert werden. Trotzdem kullern unterhalb mancher Steillagen immer mal wieder kleinere Steine auf Straßen oder Grundstücke. Die Sicherung der Felsen obliegt den Kommunen oder Straßenbehörden und kostet viel Geld. Beispielsweise hat zuletzt in Zell in der Schönauer Straße ein Sicherheitsnetz 88 000 Euro gekostet. In der Regel lockert gefrierendes Wasser oder Wurzeln die Steine im Zuge normaler Erosion. (dsa)