Schopfheim Feingefühl und Hilfsbereitschaft liegen bei Hanspeter Pfeifer in den Genen

Hanspeter Pfeifer übergibt Orthopädische Schuhwerkstatt nach 40 Jahren in die jüngeren Hände von Nachfolger Thomas Werne.

Hanspeter Pfeifer hat vielen Patienten im wahren Sinn des Wortes wieder auf die Füße geholfen. 40 Jahre lang hat der Orthopädieschuhmachermeister sein hochspezialisiertes Handwerk ausgeübt. Bis zu 10.000 Kunden hat er in seinem Betrieb in der Hauptstraße 8 in Schopfheim in der Kartei gehabt. Jetzt hat er sein Geschäft in jüngere Hände übergeben; sein Nachfolger Thomas Werne wird es am Montag, 15. Januar, eröffnen. Als freier Mitarbeiter bleibt Hanspeter Pfeifer dem neuen Geschäftsinhaber aber erhalten.

Für den jungen Hanspeter Pfeifer war es keine Frage, dass er wie sein Vater und sein Großvater diesen Beruf ausüben würde. Er kann sich noch gut an die Werkstatt seines Großvaters in der Feldbergstraße 3 erinnern und an die Regale im Keller mit Hunderten von Leisten. Noch heute ist an der Hausfront der Schriftzug „W. Pfeifer – Orthopädie-Schuhmacher“ zu lesen. Das W. steht für Wilhelm, den Vornamen seines Großvaters. Hanspeter Pfeifer fand es schon damals schön, dass die kunstvollen Werkstücke, die da in Handarbeit entstanden, anderen Menschen helfen würden. „Man hat ja gewusst: Der mit dem Stumpf, der braucht den Schuh.“

Ob es sich um Hallux Valgus, Spreizfuß, Knickfuß, Fersensporn, Diabetesfuß oder um zwei ungleich lange Beine handelt: Seit mehr als hundert Jahren fertigt die Familie Pfeifer orthopädische Maßschuhe an für die Fußpatienten aus Schopfheim und der Region.

Früher sei die Schuhmacherei ein richtiges Handwerk gewesen, schwere Arbeit. Die Schuhe wurden genäht und – da es noch keinen Klebstoff gab – auch genagelt. „Das hab ich noch können müssen, richtige Bergschuhe nähen.“ Den passenden Faden dazu, den sogenannten Pechdraht, musste er auch selbst herstellen. „Das waren richtige kleine Kunstwerke früher, Unikate sowieso.“

Heute ist mit elektronischer Fußmessung oder per Video erfasster Ganganalyse längst Hightech in die Werkstätten eingezogen – ein Mangelberuf ist der Orthopädieschuhmacher geblieben. Im Landkreis Lörrach gibt es gerade mal vier Kollegen, erzählt Hanspeter Pfeifer. Überhaupt stand der Beruf des Orthopädieschuhmachers nie auf der Hitliste der Traumberufe. „Schuster hatten allgemein einen schlechten Ruf, man denke nur an das Wort Flickschuster. Die haben auch nicht viel verdient früher. Vor dem Krieg waren das arme Leute.“

Dabei stehe gerade hinter dem Beruf des Orthopädieschuhmachers so viel Wissen und Können: medizinisches Wissen, ausgeprägtes handwerkliches Geschick, Geschick im Umgang mit Menschen, der Wunsch, anderen zu helfen. Die Bereitschaft, auch einmal in ein Pflegeheim zu gehen, oder in eine Behinderteneinrichtung. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre; nur vier Schulen in Deutschland bieten Meisterlehrgänge an.

Hanspeter Pfeifer selbst hat seinen Meisterlehrgang in Hannover absolviert. Als er die Prüfung bestand, sei das einer der schönsten Momente seines Lebens gewesen. Da er gerne Berufserfahrungen außerhalb von Schopfheim sammeln wollte, hat er auch einige Jahre lang in Köln und in Kassel gearbeitet.

Die Arbeit ging ihm in seinem ganzen Berufsleben nicht aus, erst recht nicht im eigenen Geschäft in Schopfheim. Als im Lauf der Zeit die Kunden immer zahlreicher wurden, seien 60-Stunden-Wochen zur Normalität geworden. Waren es früher vor allem Kriegsverletzte, die orthopädisches Schuhwerk benötigten, sei in den vergangenen Jahrzehnten die Zahl der Diabetespatienten immer größer geworden. Auch viele Patienten des Schopfheimer Diabetes-Zentrums finden den Weg in seine Werkstatt.

Das Thema macht ihn nachdenklich: „Vor 20, 30 Jahren war diese Krankheit viel seltener.“ Superschwierige Aufgaben sind die Spezialität von Hanspeter Pfeifer. Glücklich sei er zum Beispiel gewesen, nachdem es ihm gelungen war, einen Maßschuh für einen Klumpfußpatienten anzufertigen, dem niemand zuvor hatte helfen können.

Glücklich macht es ihn auch, wenn seine Arbeit wertgeschätzt wird. „Als ich aufgehört habe, sind viele Menschen auf mich zugekommen und haben sich bedankt. Das fand ich sehr schön.“

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