Silvia Fricker war jahrzehntelang die rechte Hand des Bürgermeisters. Genau genommen waren es gleich vier Bürgermeister (Hans Vetter, Klaus Fleck, Christof Nitz – und für kurze Zeit noch Dirk Harscher), die die zierliche Person kennen und schätzen lernten, die ihnen nicht nur den Rücken freihielt. Nach 48 Jahren bei der Stadt Schopfheim und im öffentlichen Dienst wurde sie am Dienstagabend in den Ruhestand verabschiedet. Mit ihr zusammen ging auch Dieter Henrich, der 46 Jahre bei der Stadt im Bauhof arbeitete.

Bürgermeister Dirk Harscher würdigte alle beiden künftigen Ruheständler. Leider habe er sie lediglich nur noch ein Quartal lang erlebt, bedauerte Harscher. Er skizzierte den jeweiligen Lebenslauf bei der Verabschiedung im Rathaussaal. Die Stadt verliere ihre Kompetenz und ihr Engagement, sagte Harscher. So etwas sei nicht leicht zu ersetzen. Silvia Fricker habe die neuen Kolleginnen eingearbeitet und sich bereit erklärt, in nächster Zeit noch beiseitezustehen, was er sehr zu schätzen wisse, erklärte Harscher.

  • Silvia Fricker: Stadtkämmerer und Kollege Thomas Spohn hielt die Laudatio auf Silvia Fricker (63). Dass jemand so lange bei demselben Arbeitgeber tätig ist, sei selten geworden, sagte Thomas Spohn. Für Kollegen und den „Chef“ sei das aber eine gute Sache, denn nur so sei es möglich, die Person wirklich kennen zu lernen. Mit 14 Jahren – am 1. September 1970 – begann Silvia Fricker ihre Ausbildung zur Verwaltungsfachangestellten, die sie 1973 erfolgreich abschloss. Sie fing danach in der Finanzverwaltung an, wechselte 1983 ins Sekretariat des damaligen Stadtbaumeisters Hermann Unger und kam im August 1985 schließlich ins Sekretariat des Bürgermeisters. Ob Bürgermeister Dr. Vetter oder auch Klaus Fleck: Silvia Frickers „überdurchschnittliche Auffassungsgabe“ stach sofort ins Auge, sie besaß zudem ein enormes Organisationstalent und war der ruhende Pol, wenn es hektisch wurde, erkannten die Ex-Bürgermeister und vermerkten diese Eigenschaften in Zwischenzeugnissen.

Bürgermeister Fleck habe häufig Komplimente für sein hervorragendes Sekretariat erhalten, wenn er unterwegs war. Dass Silvia Fricker absolut vertrauenswürdig war, stand eh außer Frage. Bürgermeister Nitz schließlich habe bei ihrem Dienstjubiläum 2005 gesagt, dass er wahnsinnig froh über so eine Sekretärin sei. Die Anekdoten am Rande dokumentierten die Vertrautheit miteinander, schmunzelte Thomas Spohn, als er erzählte, wie Silvia Fricker einmal zu einer „kleinen Kunstdiebin“ wurde. Sie ließ im städtischen Museum problemlos eine Vase mitgehen, da niemand in der Nähe gewesen sei, der sie hätte aufhalten können. „Und sie hat sie natürlich zurückgegeben“, sagte Thomas Spohn. „Die Infos aus der ganzen Stadt liefen bei ihr zusammen. Die jeweiligen Chefs im Rathaus profitierten davon“, sagte Thomas Spohn.

Silvia Fricker ist nach eigenem Bekunden stets gern ins Rathaus gegangen. Und sie sei gern für die Bürger und Bürgerinnen da gewesen. Sie erlebte die Eingemeindungen der Ortsteile live mit, die Technologie im Rathaus schritt stetig voran, Weiterbildungen gehörten mit zu ihrem Berufsalltag. Und was eine Sekretärin des Bürgermeisters den ganzen Tag so macht, hatten die Redner skizziert: Sie übernahm die Korrespondenz, koordinierte Termine, kam Repräsentationspflichten nach, kümmerte sich um die Organisation von Jubiläen, Ehrungen oder auch Dienstreisen der Bürgermeister und sie wirkte bei Wahlen mit. Die Bürgermeister verließen sich auf ihr phänomenales Gedächtnis und ihr Urteilsvermögen, merkte Dirk Harscher an.

Von ihrer „Blitzableiterfunktion“ hatte der damalige Bürgermeister Klaus Fleck gesprochen. Dabei sei sie stets freundlich, hilfsbereit und zuvorkommend geblieben. Für Silvia Fricker zählte das „schöne Miteinander“ und die interessanten Diskussionen. Als Christof Nitz ihr das Aufgabenfeld Städtepartnerschaften übertrug, sei sie glücklich gewesen. „Das war was Neues und hat herausgefordert.“ Sie habe dadurch neue Freundschaften geschlossen, die sie weiterpflegen werde. „Ich werde im Ruhestand meinen Alltag so gestalten, dass es Spaß macht.“

  • Dieter Henrich: Mit 17 Jahren kam Dieter Henrich (63) im Mai 1972 zum damaligen Werkhof. Schnell sei seine Geschicklichkeit aufgefallen, erklärte Bürgermeister Dirk Harscher. Bauhofleiter Stefan Wetzel widmete sich in seiner Laudatio dem Mitarbeiter, der 46 Jahre lang Einsatz für die Stadt leistete und dem Menschen, der dahinter steckte. Dieter Henrich habe seine Arbeit still und unauffällig verrichtet, aber stets zuverlässig und gewissenhaft. „So haben wir ihn kennengelernt.“ Zunächst war er als Stadtarbeiter eingestellt, leistete dann 1975/1976 seinen Grundwehrdienst in Füssen am Lech, kam zurück zum Bauhof und wechselte 1982 in den Bereich Abwasser. Dort war er für die Unterhaltung der städtischen Kanalisation (Reinigung, Reparatur der Wasserläufe und Sinkkästen), für die Gewässerunterhaltung und auch den Hochwasserschutz zuständig. Die Arbeit war körperlich sehr schwer, hielt Stefan Wetzel fest. Im Juni 1993 kümmerte sich Dieter Henrich mit der neuen Kehrmaschine um die Sauberkeit in der Stadt. Personalratsvorsitzender Andreas Gaenzle hat ihn als heiteren Menschen, der „immer gut drauf ist“ kennengelernt. Silvia Fricker habe stets ein offenes Ohr für alle Anliegen gehabt.

Im Beisein von Kollegen(innen) und Stadträten(innen) feierten die Jubilare ihren Abschied von der Stadt. Für die musikalische Umrahmung sorgte Mario Stracuzzi.