Als Bürgermeister Christof Nitz das Endergebnis gegen 19.20 Uhr verkündete, war an den Mienen der Kandidaten und der Beobachter in der Stadthalle eines abzulesen: Viele hatten erwartet, dass es einen zweiten Wahlgang geben wird. Aber nur wenige hatten kommen sehen, dass der Favorit auf den Bürgermeisterposten dann – am 21. Oktober – Dirk Harscher heißen wird. Mit 38,3 Prozent der Stimmen hat der parteilose Kandidat am Sonntag das beste Ergebnis erzielt, gefolgt von Josef Haberstroh mit 31,6 Prozent. Für viele eine Überraschung.

Bild: Ellen Knopp

Einer hatte es zumindest ein bisschen kommen sehen: „Dass die beiden vorne liegen würden, war mir klar“, sagte Schopfheims Alt-Bürgermeister Klaus Fleck. Für viele Beobachter war es dagegen eine faustdicke Überraschung, dass Dirk Harscher das Feld aus vier ernsthaften Kandidaten am Ende des Wahlsonntags anführen würde. Allen voran für den 48-Jährigen aus Langenau selbst.

Überraschungskandidat Dirk Harscher war mit seiner Familie ins Rathaus gekommen.
Überraschungskandidat Dirk Harscher war mit seiner Familie ins Rathaus gekommen. | Bild: Stefan Ammann

Harscher hatte vor allem in den Ortsteilen starke Ergebnisse erzielt, gerade in seinem Heimatort Langenau. Hier machten 70,42 Prozent der Wähler ihr Kreuz bei ihm. „Damit hätte ich nie gerechnet“, sagte ein verblüffter Dirk Harscher. „Mit 20 Prozent wäre ich sehr zufrieden gewesen. Ich wollte nicht scheitern.“ Noch, so gab der Überraschungskandidat aber zu Protokoll, „ist nichts gewonnen“.

Josef Haberstroh will noch einmal alles geben

Dies liegt vor allem an seinem nun wohl stärksten Konkurrenten, Josef Haberstroh, 54-jähriger amtierender Bürgermeister von Breitnau. Haberstroh selbst war während der Ergebnisverkündung gar nicht anwesend, kündigte aber am Sonntagabend via Telefon an, „im Wahlkampf nun noch eine Schippe draufzulegen“. Das Ergebnis wertet er positiv, zumal es für ihn erwartbar gewesen sei, dass ein zweiter Wahlgang kommen werde. „Ich bin begeistert von Schopfheim, das ist ein gutes Ergebnis und ich werde noch einmal alles geben“, versprach Haberstroh, der vor allem auf eine höhere Wahlbeteiligung in 14 Tagen hofft.

Thomas Gsell zieht sich zurück

Der Wahlkampf ist für Thomas Gsell dagegen vorbei. Auch Gsells Abschneiden – 13,4 Prozent der Stimmen entfielen auf ihn – war für viele eine Überraschung, für den 57-Jährigen dagegen eine herbe Enttäuschung. „Eine klare Niederlage, natürlich bin ich enttäuscht“, sagte Gsell, der im gleichen Atemzug ankündigte, seine Bewerbung für den zweiten Wahlgang zurückzuziehen.

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„Es ist klar geworden, dass die Wähler keinen Bürgermeister wollen, der mitten im politischen Geschehen ist“, sagte Gsell. Er empfinde das als klares Zeichen. Eine Wahlempfehlung hatte Gsell allerdings auch: „Ich empfehle, Dirk Harscher zu wählen.“ Seine Kandidatur als Stadtrat bei der nächsten Kommunalwahl dagegen stellte Gsell nicht in Frage: „Hier stehe ich bei meiner Fraktion im Wort“, so Gsell, der in der SPD-Fraktion sitzt.

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Der von den Grünen und Unabhängigen unterstützte Roland Matzker hat sich im Gegensatz zu Gsell noch nicht entschieden, ob er im zweiten Wahlgang erneut antreten will. „Das werden wir in den kommenden Stunden in aller Ruhe analysieren“, sagte Matzker am Sonntagabend. Der 58-Jährige, auf den 15,8 Prozent der Stimmen entfielen, will die Stimmabgaben in den einzelnen Bezirken unter die Lupen nehmen und im Laufe des heutigen Montags eine Entscheidung bekannt geben. „Der Bürger hat entschieden, das respektiere ich“, sagte Matzker. Er sei wegen des Ergebnisses nicht enttäuscht.

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Für den zweiten Wahlgang könnten im Übrigen noch weitere Kandidaten zugelassen werden: Das Kommunalwahlrecht sieht für zweite Wahlgänge eine erneute Bewerbungsphase vor. Diese läuft vom 8. bis 10. Oktober. Ebenso können in dieser Phase eingegangene Bewerbungen zurückgezogen werden. Im zweiten Wahlgang reicht dann eine einfache Mehrheit, um neuer Schopfheimer Bürgermeister zu werden.