Erst hob er die Hand zum Schwur. Dann reichte er sie symbolisch Gemeinderat, Stadtbediensteten und Schopfheimer Bürgerinnen und Bürgern: Dirk Harscher legte am Montag in einer Sondersitzung des Gemeinderats in der Stadthalle nicht nur den Amtseid ab. Er bekräftigte auch sein Angebot aus dem Wahlkampf, mit jedem zusammenarbeiten zu wollen – im Sinne seines Leitgedankens: „Gemeinsam Verantwortung übernehmen.“

„Traditionsbewusst in die Zukunft“ – dieser Leitspruch stand auf den Fahnen, die den Hintergrund der Stadthallenbühne zierten. Er schwebte aber auch im übertragenen Sinne über dem ganzen Anlass. Einerseits war der bedeutsame, zeremonielle Charakter in den formellen Gesten zu spüren. So leistete Harscher bei seiner Vereidigung durch Bürgermeisterstellvertreter Thomas Gsell (SPD) den Schwur, das Amt nach bestem Wissen und Können zu führen, Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben und „die Rechte der Gemeinde gewissenhaft zu wahren und ihr Wohl und das ihrer Einwohner nach Kräften zu fördern“. Anschließend bekam er nach guter Tradition von Gsell die Amtskette umgehängt (Gsell: „Passt ihm gut“). Andererseits ging es um Zukunft. Nach 16 Jahren unter Bürgermeister Christof Nitz beginnt eine neue Zeitrechnung im Rathaus – und wie diese aussehen kann, skizzierte der neue Bürgermeister anschließend in einer rund zehnminütigen Rede.

Harscher klammerte darin bewusst „die vielen vorgegebenen Themen und bereits gesetzten und bekannten Projekte“ aus. Diese habe er bereits in den Neujahrsansprachen erwähnt. Stattdessen gab er einen Einblick, wie er das Amt ausüben wolle. Zuvor allerdings dankte er den Mitarbeitern der Stadtverwaltung, die ihm in seiner Einarbeitungsphase „sehr viel Wertschätzung und Anerkennung entgegengebracht haben“. Auch dankte er seinen Helfern, Unterstützern, seiner Familie und besonders seiner Frau Sofie sowie den „Wählerinnen und Wähler für das Vertrauen, das sie mir zur Ausübung dieses Amtes geschenkt haben“ – und seinem Amtsvorgänger Christof Nitz „ganz herzlich für seinen Einsatz in den letzten 16 Jahren“. Nun freue er sich „auf die vor ihm liegenden Aufgaben – auf eine gute Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den anderen Gremien“.

Sein Ziel sei es, zusammen mit der Stadtverwaltung die gemeinsame Zukunft in Schopfheim zu gestalten und dabei die Bürger auf vielfältige Weise einzubinden. An Herausforderungen werde es sicher nicht mangeln. „Lassen Sie uns also gemeinsam Verantwortung übernehmen.“ Harscher reichte dazu zum einen dem Gemeinderat die Hand: Ihm sei es wichtig, „dass wir in konstruktiver Zusammenarbeit Mehrheiten generieren können, für gute Ideen und Projekte“. Eindringlich appellierte er deshalb an die Stadträtinnen und Stadträte: „Bitte unterstützen Sie mich nach besten Kräften und helfen Sie mir in meiner Tätigkeit.“ Der Gemeinderat sei das demokratisch gewählte Hauptorgan der Stadt. Daraus leite er seine Verpflichtung ab, „dem Gemeinderat so zuzuarbeiten, dass er seiner schwierigen kommunalpolitischen Aufgabe gerecht werden kann“.

Dies bedeutet für ihn „eine umfassende Sachinformation und die Bemühung um ein Vertrauensverhältnis“. Zu keiner Zeit dürfe der Gemeinderat das Gefühl haben, „dass die Verwaltung ihn überrollt, oder gar an ihm vorbei arbeitet“. Für Schopfheim „kann es nur ein Miteinander geben und kein Gegeneinander, um unsere gemeinsame Zukunft konstruktiv zu gestalten“. Vom Gemeinderat erwarte er im Gegenzug außer einer sachlichen Beratung „eine offene, ehrliche Meinungsäußerung“. Auch den Mitarbeitern der Stadtverwaltung bot er eine offene Zusammenarbeit an: Gemeinsam mit ihnen wolle er „Schopfheim verantwortungsvoll in die Zukunft“ führen. „Schopfheim muss weiterhin lebens- und liebenswert bleiben.“ Es komme nicht nur darauf an, was ein Bürgermeister wolle: „Ein Bürgermeister ist kein Einzelkämpfer.“ Nur mit Hilfe und Engagement der Mitarbeiter seien die Herausforderungen zu bewältigen, wobei erfolgreiches Arbeiten auch stark vom Umgang miteinander abhänge. Er wolle deshalb ein stets offenes Ohr und ein vertrauensvolles Verhältnis pflegen, das geprägt sei von „Wertschätzung und Kontakt auf Augenhöhe“.

Ebenso reichte Harscher den Bürgern die Hand: Er verstehe die Stadtverwaltung als modernen Dienstleister. Daher wolle er „bürgernah agieren und daher sind mir eine gute Erreichbarkeit auf allen Kanälen, Offenheit für Ideen und Feedback, aber auch Kritik und Transparenz wichtig“. Hier werde er sich Gedanken machen, „wie man Bürgernähe noch besser umsetzen kann“. Er wolle „einfach ansprechbar sein – möglichst oft und unkompliziert“. Harschers Rede endete mit dem Aufruf: „Lassen Sie uns gemeinsam und bürgernah Zukunft gestalten.“ Kreisrat Paul Renz, der Landrätin Marion Dammann vertrat, wünschte Harscher viel Glück für das Amt. Dass er bei der Wahl zwei Drittel der Stimmen erhalten hatte, sei ein „deutlicher Vertrauensbeweis und eine gute Basis“. Schopfheim sei für den Landkreis eine bedeutsame Stadt mit wichtigen Einrichtungen – zu denen aktuell auch noch das Markus-Pflüger-Heim zählt.

Dieses werde zwar dezentralisiert, das aber biete der Stadt die Chance für eine „attraktive Nachnutzung“. Renz wünschte Harscher „gute Ideen und den Mut, Entscheidungen zu treffen zum Wohle der Stadt“, so dass er „Schopfheim in eine gute Zukunft führen“ möge.