Es ist vollbracht. Das Haus, das 18 altersgerechte Wohnungen, 20 Tagespflegeplätze, die Verwaltungen des evangelischen Sozialwerks Wiesental und der Curare gGmbH sowie einen großen Saal unter anderem für gesellige Veranstaltungen, kommunikative Treffen der Bewohner sowie Gottesdienste unter einem Dach vereint und das den Namen des Pfarrers Dietrich Bonhoeffer trägt, wurde seiner Bestimmung übergeben.

Rund 200 Gäste erlebten zunächst in der evangelischen Stadtkirche einen – so Martin Mybes – „Augenblick des Innehaltens nach einer anstrengenden Zeit“ und dann einen hochkarätigen Festakt im Dietrich-Bonhoeffer-Haus (DBH), den das Saxophon-Quartett „Subito one“ aus Freiburg musikalisch umrahmte. Hocherfreut registrierten Geschäftsführer und Hausherr Martin Mybes und Curare-Geschäftsführerin Pia Maria Späth, dass sich neben der Landrätin Marion Dammann auch der Grünen-Landtagsabgeordnete Josha Frey, die Bürgermeister Dirk Harscher, Martin Bühler, Jürgen Multner und Gerd Schönbett, die Pfarrer Rave, Wassmer und Schmitthenner sowie etliche Mitglieder des Sozialwerks als Träger des Hauses eingefunden hatten, um mit ihnen „das großartige Werk, das hier neu werden durfte“, zu feiern. Und das in einem „Geschenk“, das es „zum ersten Mal in der Geschichte des Sozialwerkes gibt“ – einen Saal.

„Sich aus der Kraft des Glaubens schöpfend auf den Weg machen, um Verantwortung zu nehmen, durchaus auch erst einmal für sich selbst, dann aber auch für andere, das ist für uns alle im Sozialwerk eine dauernde und lohnende Aufgabe“, sagte Martin Mybes und stellte damit den Bezug her zum Namensgeber, der „mit Schopfheim eigentlich nichts und doch alles zu tun“ habe: Dietrich Bonhoeffer. Dessen Werdegang, dessen 39 Lebensjahre bis zu seinem gewaltsamen Tod durch die Nazis würdigte er in einer Rede, deren Inhalt die bewegende Aufforderung war, „von Bonhoeffer Notiz zu nehmen“.

Weitere Angebote sind in Planung

Pia Maria Späth attestierte dem Sozialwerk, mit dem Bau des Hauses „die richtungsweisende Entscheidung getroffen“ zu haben, sein Leistungsspektrum auszubauen. Weitere und besondere Angebote sollten neben den bereits bestehenden entwickelt und realisiert werden. „In dem Haus nutzen wir die Chance, für Menschen tätig zu werden, die unsere Begleitung und Unterstützung brauchen“, sagte die Curare-Geschäftsführerin. Marion Dammann fand, das neue Haus sei eine ideale Ergänzung zum traditionsbehafteten Georg-Reinhard-Haus. Seine Einweihung sei wohl auch ein sehr erfreulicher Anlass für den Schopfheimer Bürgermeister Dirk Harscher. Sie beglückwünschte das Sozialwerk, das es geschafft habe, „Leben durch Arbeiten und Wohnen“ in das Haus zu bringen. Wohnungen und Tagespflege erlaubten den Menschen, in Würde alt zu werden und dabei „so lange wie möglich selbstständig leben wollen.“ Genau das decke sich mit den Zielen der Politik des Landkreises. Sie freue sich, dass es demnächst in Schopfheim einen Pflegestützpunkt geben wird, an dem sich Betroffene beraten lassen können. Dammann wies auf die Diskrepanz hin zwischen verkürzten Krankenhausaufenthalten und den frühzeitigen Entlassungen alter Patienten nach Hause und damit dorthin, wo keine Pflege möglich sei.

Bürgermeister Dirk Harscher betonte, dass die Lebenserwartung alle zehn Jahre um zweieinhalb Jahre zunimmt. Deshalb sei es wichtig, dem Umstand mit zukunftsweisenden Entscheidungen innovativ Rechnung zu tragen, wie es Curare und das Sozialwerk getan haben. „Bonhoeffer sagte, Dankbarkeit mache das Leben reich“, so Harscher. Das wolle er zur Einweihung aufgreifen, denn hier werde in angenehmer Atmosphäre „schnell auf unterschiedliche Bedarfe eingegangen.“ Der lange Atem der Bauträger habe sich ausbezahlt. In seiner Stadt habe sich bezüglich der Seniorenbetreuung viel getan. Es sei aber enorm wichtig, einen verlässlichen Partner vor Ort zu haben, der die Lebensqualität nicht außer Acht lasse. Das Sozialwerk sei „ein großer Gewinn für uns und die Menschen hier in Schopfheim“, sagte Harscher und lobte: „Durch Ihr Engagement wird eine Lücke in der Altersversorgung angegangen und schrittweise minimiert.“ Die Stadt – und dafür erntete der Bürgermeister Lachen – sei weiterhin sehr offen für weitere Zukunftsgedanken des Sozialwerks, betonte Harscher. Dem nun entgegnete Maulburgs Bürgermeister Jürgen Multner – er ist auch Vorsitzender des Verwaltungsrates – dass das nächste zukunftsweisende Projekt nicht in Schopfheim, sondern in Maulburg anstehe.

Dann ging Multner auf die „gravierenden Veränderungen“ in der Gesellschaft ein. Auch die Bereitschaft, Angehörige zu pflegen, nehme stetig ab. Auch aus diesem Grund sei es ein Credo des Sozialwerks, Sorgen und Nöte der Menschen zu erkennen, gute Lösungen zu erarbeiten, passende Angebote zu unterbreiten und somit einen guten Beitrag für ein sorgloses Leben im Alter zu leisten. Er selbst halte es mit einem japanischen Sprichwort, das besagt: „Die größte Kulturleistung eines Volkes sind die zufriedenen Alten.“ Daran müsse sich eine Gesellschaft messen lassen. Denn die Alten hätten einen Anspruch darauf, menschenwürdig behandelt zu werden.

Mit einem gewissen Stolz behaupte er, dass das Sozialwerk in der Vergangenheit diese Herausforderungen gut gemeistert habe. Und zwar in erster Linie, „weil wir auf äußerst zuverlässige, kompetente Mitarbeitende zählen können, die mit Überzeugung ihrer Arbeit nachkommen.“