Fürchten Sie Einbußen, wenn auch dieser Sommer so heiß und trocken wird wie im letzten Jahr?

Bernhard Kaiser: Wir sind starke Schwankungen beim Stromertrag gewohnt. In manchen Jahren fällt der Ertrag durch hohe Niederschläge doppelt so hoch aus wie in einem anderen Jahr, aber er kann sich auch halbieren. Solche Schwankungen haben wir seit über 40 Jahren. Das sehr trockene Jahr 2018 brachte beispielsweise die Hälfte unserer Jahresleistung des Jahres 2016. Das gibt es immer wieder mal, zuletzt 2003. Wir planen sowieso langfristig, da ist ein einzelnes Jahr nicht ausschlaggebend.

Herbert Kaiser: Das ist ein Märchen, dass es zu wenig regnet und die Sommer immer trockener werden. Die Statistik spricht eine andere Sprache. Schon im Mittelalter gab es Jahre, in denen es monatelang nicht geregnet hat. Ich habe hier eine Studie über den Klimawandel in Baden-Württemberg. Darin heißt es, dass die Niederschläge im Sommer um bis zu zehn Prozent geringer ausfallen, die Winterniederschläge jedoch deutlich zunehmen, in manchen Regionen sogar bis zu 35 Prozent. Die Zahlen stammen aus dem Projekt „Kliwa“, Klimaveränderungen und Konsequenzen für die Wasserwirtschaft, einer Studie des Landes Baden-Württemberg mit dem Deutschen Wetterdienst. Das Thema trockener Sommer wird viel zu sehr aufgebauscht.

Sie machen sich also keine Sorgen, dass Ihnen der Klimawandel Probleme bei der Wasserkraft bereitet?

Bernhard Kaiser: Wenn es zu mehr Stark­regen kommt, können wir damit im Moment nicht gut umgehen. Ein großer Teil des Wassers bleibt dann für die Stromerzeugung ungenutzt. Wenn da in kurzer Zeit die fünffache oder zehnfache Wassermenge runterkommt, ist das nach ein paar Tagen weg.

Herbert Kaiser: Die neuen Anlagen reagieren darauf, damit sie auch solche Spitzen mitnehmen. Wir haben in den 80er Jahren eine Anlage in Todtnau aus den 20er Jahren übernommen mit 38 Kilowatt Leistung. Heute können wir dort mit neuer Technik 80 Kilowatt rauskitzeln, und das bei derselben Wassermenge.

Warum engagieren sie sich bei der Wasserkraft und nicht bei anderen regernativen Energieformen wie Wind und Sonne?

Herbert Kaiser: Die ganze Industrialisierung im Wiesental zwischen Aftersteg und Zell geht auf die Nutzung der Wasserkraft zurück. Sie hat Tradition im Schwarzwald. Wasserkraft ist für uns die beste regenerative Energie, denn sie liefert konstant Strom. Sie ist gut planbar und geht nicht auf null zurück, wenn sich eine Wolke vor die Sonne schiebt oder der Wind ausbleibt. Sie ist geeignet für die Grundlast bei der Stromgewinnung und jederzeit im Netz anbietbar. Bei der Wasserkraft gibt es außerdem keine Proteste wie am Zeller Blauen, wo ein Windpark gebaut werden soll. Das Volk will Wasserkraft, aber genehmigt wird vor allem Windkraft.

Wo liegen die Grenzen des Wasserkraftausbaus im Wiesental und Umgebung?

Herbert Kaiser: Das sind die Genehmigungen. Wir haben schon einige neue Standorte für Turbinen angefragt, und immer hieß es bei den Behörden: ungeeignet!

Was wird Ihr nächstes Projekt?

Bernhard Kaiser: Wir würden gerne ein Wasserkraftwerk in Staufen bauen, aber die Behörden lehnen es noch ab. Wir lassen nun ein Gutachten anfertigen und hoffen, dass die Bedenken dann ausgeräumt sind. Den Behörden wäre es am liebsten, wenn der Fluss naturbelassen bleibt. Aber wir brauchen Wasserkraftwerke, um mehr Strom aus regenerativen Quellen zu produzieren.

Wie lange dauert es, um eine Genehmigung für eine neue Wasserkraft-Anlage zu erhalten?

Bernhard Kaiser: Im Höllental hat es sieben Jahre gedauert, in Tegernau drei bis vier Jahre. Das kostet uns nicht nur viel Zeit, sondern auch Geld. Alleine für die Anlage im Münstertal mussten wir knapp 40 000 Euro für Gutachten bezahlen.

Fragen: Dirk Sattelberger