Die auf ein 15-Jahres-Hoch gestiegene Zahl von Motorradunfällen ist wohl das auffälligste Merkmal der Unfallstatistik für den Bereich des Polizeireviers Schopfheim. Während es 2018 insgesamt weniger Verkehrsunfälle gab, schnellte die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Motorradfahrern in die Höhe.

Auch alle drei Verkehrstoten im Revierbereich waren im Jahr 2018 Zweiradfahrer. Michael Trefzer, stellvertretender Revierleiter, nannte den überdurchschnittlich schönen Sommer und die allgemein gestiegene Zahl von Motorradfahrern als Hauptursachen.

  • Unfälle: Insgesamt 574 Unfälle hat die Polizei im Schopfheimer Revier mit seinen rund 210 Straßenkilometern zwischen Maulburg und Feldberg samt Nebentälern des Wiesentals im Jahr 2018 gezählt. Damit ist die Unfallquote im Vergleich zum Vorjahr wieder gesunken. „Wir haben uns wieder im Landesmittelwert eingependelt“, sagte Michael Trefzer bei der Vorstellung der Statistik am Donnerstag im Polizeirevier. 2017 hatte es 650 Unfälle gegeben – ein krasser Ausreißer nach oben. Analog dazu ist auch die Zahl der Verletzten wieder gesunken: Während es bei 399 Unfällen bei Sachschaden blieb (2017: 460 Fälle), gab es 163 Leichtverletzte (194 im Vorjahr). Die Zahl der Schwerverletzten blieb konstant bei 59, bei Unfällen getötet wurden 2018 drei Menschen, 2017 waren es vier. Bei den Unfällen war im Vergleich zum Vorjahr nicht zu schnelles Fahren Ursache Nummer eins, sondern offensichtlich mangelnde Übersicht: 125 Unfälle passierten beim Abbiegen oder Rückwärtsfahren, in 96 Fällen wurde die Vorfahrt missachtet. Nur 77 Mal war die Geschwindigkeit Unfallursache. 2017 lag dieser Wert noch mit 150 Fällen viel höher. Trotz der nun wieder gesunkenen Unfallzahlen kann im langfristigen Vergleich von sinkenden Unfallzahlen eher nicht die Rede sein, über die Jahre hinweg ist ein leichter Anstieg zu beobachten. Eine Zahl am Rande: Senioren haben mit 131 Unfällen in etwa ebenso viele Unfälle verursacht, wie die andere „Risikogruppe“, die jungen Fahrer mit 126.
  • Motorradfahrer: Gegenläufig zum allgemeinen Trend schnellte die Zahl der Motorradunfälle 2018 nach oben. 81 Unfälle gab es mit Beteiligung von motorisierten Zweiradfahrern, wie es im Polizeisprech heißt. Im Vorjahr waren es noch 60, „ein erschreckender Anstieg“, kommentierte Michael Trefzer. In zwei Dritteln der Fälle war der Motorradfahrer der Unfallverursacher, in den übrigen Fällen wurde der Motorradfahrer von einem Autofahrer übersehen, erklärte Trefzer.

Die Folge sind entsprechend Verletzte und auch Tote: Alle drei Verkehrsteilnehmer, die 2018 auf den Straßen im Revierbereich umgekommen sind, waren Motorradfahrer. Zwei davon kamen wegen zu hoher Geschwindigkeit von der Straße ab, einer stieß mit einem Auto zusammen, dessen Fahrer den Biker nicht bemerkt hatte. Die Polizei rechnet den sprunghaften Anstieg der Motorradunfälle dem sehr warmen und sonnigen Sommer 2018 zu. Die 81 Motorradunfälle bedeuten statistisch ein 15-Jahres-Hoch.

  • Unfallhäufungsstellen: Was Motorradfahrer angeht, sind die meisten Unfälle (jeweils sieben) auf den bekannten Biker-Strecken von Schopfheim nach Gersbach und zwischen Geschwend, Präg und Bernau passiert. Fünf Unfälle gab es zwischen Utzenfeld und Wieden. Auch zwischen Autos hat es an zwei neuralgischen Punkten am häufigsten gekracht: Die B 317-Abfahrten Schopfheim Mitte und Maulburg Hauptstraße – beide sind seit wenigen Jahren mit einer Beschleunigungsspur für Linksabbieger ausgestattet – gehören erneut zu den Brennpunkten. Elf Unfälle verzeichnete die Polizei bei der Abfahrt Schopfheim Mitte, deren Fortsetzung – die Kreuzung Hohe-Flum-Straße und Wiechser Straße – mit acht Unfällen ebenfalls zur Spitze gehört. Die Abfahrt in Maulburg wurde ebenfalls Zeuge von acht Unfällen. Mit fünf Unfällen taucht die Schnittstelle zwischen der B 317 und der B 518 in der Statistik auf.
  • Verkehrsüberwachung: Bei verschiedenen Kontrollen hat die Polizei 2018 folgendes festgestellt: Die häufigsten Verstöße gab es gegen die Vorschriften der sogenannten „passiven Sicherheit“, hierunter fallen zum Beispiel ein nicht angelegter Sicherheitsgurt oder ein Telefongespräch mit dem Handy am Ohr. 776 Fälle wurden hier registriert. 501 Portraits fertigte die Polizei mittels Blitzer von Temposündern, 114 mal wurden Motorradfahrer bei Kontrollen bei Vergehen erwischt – entweder waren sie zu schnell oder hatten unerlaubte Umbauten an ihrem Gefährt unternommen. 72 Fahrer erwischten die Beamten mit Alkohol am Steuer, 31 Fahrer hatten Drogen genommen.
  • Fazit: Nachdem die Unfallzahlen 2017 in die Höhe gegangen waren, hatte die Polizei in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Landkreis verstärkt Kontrollen abgehalten. Dass die Zahlen sich 2018 wieder auf Durchschnittsniveau befinden, schreibt die Polizei den Kontrollen zu. Allerdings geben die Motorradunfälle Anlass zur Sorge: Die Polizei will im Sommer 2019 mit noch mehr Personaleinsatz die berühmt-berüchtigten Biker-Strecken überwachen, um die Zahlen in den Griff zu bekommen. Zwölf Motorrad-Kontrollen sind entlang der Straßen geplant, „jeweils mit enormem Personalaufwand“, kündigte Michael Trefzer an.