Zurück zur Natur! Rousseaus Schlachtruf macht sich der Maler David Stegmann (35) zu eigen. Aber er differenziert: Zurück zur Symbiose von Natur und Mensch. In seiner Malerei, die er im Kunstverein Schopfheim in der Kulturfabrik zeigt, kommt der Mensch aber nicht vor – lediglich sein starker Einfluss auf die Natur ist in den Bildern präsent.

Es ist reine Natur, was der in Freiburg geborene und in Staufen lebende Stegmann ohne Vorzeichnung und ohne fotografische Vorlage spontan auf Leinwand malt; die Landschaft ist unberührt vom Menschen, aber versehen mit den Spuren des Menschen. Der Betrachter kann abgestorbene Bäume entdecken als melodramatischen Hinweis für das Waldsterben. Vor allem aber sind es das Ungestüm und die Wildheit des Schwarzwaldes, die den Künstler umtreiben. Jenes schwarzen Waldes, der es schon schaffte, die Römer zu vertreiben. Folgerichtig heißt denn eine beachtliche Serie mit großen Landschaften „Schwarzwaldstille“.

Der Schwarzwald erscheint hier düster, das liegt an der starken Untermalung und an der Überlagerung mit dunklen Farben. Es sind wohl tiefe Bildwelten in Stegmanns Kopf und Innerem, was sein Schwarzwaldbild angeht. Er bedient zwar das alte Genre Landschaft, ist in der Region auch fest verankert, bricht aber das Sujet auf und stellt es in einer anderen Form dar: modern, abstrakt, frei interpretierbar.

Dabei wird die Realität reduziert auf die Natur, es erfolgt eine Rückbesinnung auf den Ursprung. Das ist der Kontext von Stegmanns visionärer Malerei, einer Kunst der gesammelten Inspiration. Stegmann ist Maler. Punkt. Deswegen heißt die Schau auch schlicht „David Stegmann Malerei“. Dass der Stiftungskünstler des Morat-Instituts Freiburg, dessen Arbeiten, so Franz Armin Morat, „Anlass zu großer Hoffnung für die Zukunft der Malerei geben“, seine Wurzeln in der Street Art (Straßenkunst) hat, sei nur der Vollständigkeit halber angefügt. Auch dass er einmal mehr gegenständlich gearbeitet hat.

Der neue Stegmann ist ein immer abstrakterer. Abzulesen an einigen anderen Arbeiten, die gestisch, dynamisch sind und die man dem Informel zuordnen könnte. Die Phase Schwarz-Weiß und letztlich total Monochromes, wie in einigen sehr reduzierten Arbeiten, dominiert. David Stegmann sagt von sich, dass er immer schon ein Fan von Schwarz-Weiß war. Am faszinierendsten wirkt die Serie der Schwarzwaldbilder mit ihrem mystischen Dunkelblau: Stimmungsvolle Bilder, bei denen man je nach Betrachtungswinkel Regenstreifen assoziieren kann, die sich bei Nahem besehen in Reihen von Bäumen verwandeln – geheimnisvoll in ihrer Art und vom Malerischen her spannend.

Die Ausstellung läuft noch bis 30. Mai, geöffnet ist sie Mittwoch, Samstag und Sonntag, 14 bis 17 Uhr.