Schopfheim – Das Coronavirus ist weltweit Thema Nummer eins. Innerhalb Deutschlands hat sich Baden-Württemberg als einer der Brennpunkte herausgestellt und spätestens seit dem ersten Erkrankten im Landkreis Lörrach – bekanntgeworden in der vergangenen Woche – hat die Virus-Angst auch das Wiesental ergriffen. Wir haben uns in Schopfheim umgesehen, wie sich das Coronavirus und die Angst davor im Alltag der Stadt bemerkbar machen.

  • Bei Veranstaltungen: Die Absagewelle hat auch Schopfheim längst erreicht. Erst am Montag kam zum Beispiel die Nachricht, dass der geplante Multivisionsvortrag von Martin Schulte-Kellinghaus am Dienstagabend in der Stadthalle ausfällt. „Die von Verwaltungen angeordneten Schutzmaßnahmen gegen eine Ausbreitung des Coronavirus sind teilweise so massiv, dass eine sinnvolle Durchführung unserer Multivisionen nicht mehr möglich ist“, heißt es vom Veranstalter. Gleiches gilt für viele weitere kleine wie große Veranstaltungen – Kinderkleiderbörsen, Versammlungen, Konzerte und Vorträge im ganzen Tal. In Hasel wurde sogar auf das Fasnachtsfeuer verzichtet.
  • Im Kreiskrankenhaus: „Eine gewissen Verunsicherung ist natürlich zu spüren und leider gibt es auch die Patienten, die die üblichen Wege über Hausarzt oder Gesundheitsamt nicht einhalten und sich unmittelbar in unsere Notaufnahme begeben“, schreibt Marion Steger, Pressesprecher der Kliniken des Landkreises Lörrach auf Anfrage. Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind – anders als andernorts in Deutschland – noch nicht knapp, aber auch das Kreiskrankenhaus spüre die Lieferengpässe bei den Herstellern. Die Klinik ist vorbereitet auf eventuelle Corona-Fälle in und um Schopfheim, auch hier gäbe es im Fall der Fälle die Möglichkeit, Patienten zu isolieren. „Eigentlich läuft aber alles sehr moderat ab“, so Marion Steger. „Es ist keine Panik zu spüren.“
  • In den Apotheken: Bei den Lieferungen von Desinfektionsmitteln gibt es Engpässe. Man sei dazu übergegangen, Kunden, die Desinfektionsmittel kaufen wollen, zu fragen, wozu sie das brauchen, berichtet Rainer Fröhlich, Inhaber der Apotheke am Markt. „Arztpraxen werden bevorzugt, da geht es ums Allgemeinwohl“, stellt er klar. Die Nachfrage nach Atemschutzmasken habe etwas nachgelassen – da habe es sich wohl herumgesprochen, dass das als Infektionsschutz wenig bringt. Dagmar Fuchs, Inhaberin der Hirsch-Apotheke, betont die Verantwortung, die jeder Einzelne durch sein Verhalten im Kampf gegen die Ansteckung übernehmen müsse, es sei eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Grundsätzlich gehe es darum, Neuansteckungen so gering wie möglich zu halten, so dass die Menschen, die tatsächlich schwer erkranken, intensiv und optimal behandelt werden können – was eben nicht mehr gelinge, wenn die Zahl der gleichzeitig Erkrankten allzu groß wird. Für den Einzelnen bedeute dies, die bekannten Hygienevorkehrungen konsequent umzusetzen, insbesondere sei nötig, Abstand zu halten und unnötige Kontakte zu vermeiden, um sich selbst und andere, vor allem ältere Menschen, zu schützen.
  • Bei den Hausärzten: Die Schlangen in und teilweise auch vor den Arztpraxen sind lang – aber das waren sie bekanntermaßen bereits vor dem Auftreten des Coronavirus. Engpässe speziell wegen des Virus gebe es nicht, erfährt man zum Beispiel im Sprechzimmer der Gemeinschaftspraxis Schopfheim-Hausen. Aber es gibt Vorsichtsmaßnahmen. Die Warteschlange wurde hier zum Beispiel vor die Praxis verlegt, um Gedränge an der Info-Theke zu vermeiden. Und an der Eingangstür hängt ein Warnhinweis: „Achtung“, heißt es da. Wer Husten, Fieber, Allgemeinbeschwerden, Gliederschmerzen mit oder ohne Atembeschwerden hat, unter einem Infekt der Atemwege leidet oder Kontakt zu einer Person aus den bekannten Corona-Risikogebieten hatte, soll die Praxis nicht betreten, sondern sich telefonisch melden.
  • In den Schulen und Kitas: Für die Schulen und Kitas gelten die Richtlinien des Kultusministeriums: Wenn ein Verdachtsfall besteht, bleibt der Betroffene 14 Tage zu Hause. Von Schließungen sind die Schopfheimer Schulen und Kitas noch weit entfernt, Auswirkungen gibt es trotzdem. Am Theodor-Heuss-Gymnasium schauen alle Teilnehmer der geplanten Schüleraustausch-Fahrten nach England und Spanien in die Röhre: Die Reisen wurden abgesagt. „Zudem werden Veranstaltungen in der Schulmensa umgeplant“, erklärt der stellvertretende Schulleiter Matthias Kreutz.

Für die kleineren THG-Schüler bitter: Die Unterstufen-Disko fällt aus. Vergangene Woche wurde bekannt, dass zwei Schüler und eine Lehrkraft der Schule aus Sicherheitsgründen 14 Tage fern bleiben – sie waren im Urlaub in Norditalien. Die Schüler sind angehalten, sich regelmäßig die Hände zu waschen. Ansonsten geht der Unterricht an Schopfheims größter Schule ganz normal weiter. Gewerbeschule und Kaufmännische Schule haben die gemeinsam veranstaltete, für 28. März geplante Ausbildungsbörse abgesagt. Die beiden Schulleiter – Klaus König (Gewerbeschule) und Jürgen Hermann (Kaufmännische Schule), weisen darauf hin, dass sich Eltern direkt an die Schulen wenden können, um sich über die Bildungs- und Ausbildungsangebote zu informieren. Abgesagt ist auch so manches andere Vorhaben, zum Beispiel sämtliche Lehrerfortbildungen. An der Gewerbeschule gibt es noch keinen Quarantänefall, an der Kaufmännischen Schule habe man einen Schüler nach Hause schicken müssen, der Urlaub in einem Gefährdungsgebiet gemacht hatte, berichtet Jürgen Herrmann.

  • In den Geschäften: Ein Blick in die Supermärkte und Drogerien der Innenstadt zeigt, dass die Hygieneartikel knapp werden. Im Müller-Markt etwa sind alle Desinfektionsmittel ausverkauft – und es ist unklar, wann die Regale wieder gefüllt werden können, heißt es von der Marktleitung. Auch bei Klopapier und Taschentüchern gebe es immer wieder Engpässe. Richtig losgegangen mit den Hamsterkäufen ist es laut Marktleitung vor rund anderthalb Wochen – als bekannt wurde, dass es einen Infizierten im Landkreis gibt. Auch in den übrigen Supermärkten sind die Klopapier- und Taschentuchbestände teilweise dezimiert, hier und da zeigen sich auch Lücken im Konservendosen- und Fertigmahlzeiten-Sortiment.
  • In der Gastronomie: Adlerwirt Jörg Buchleither merkt die Auswirkungen vor allem im Hotelbetrieb: „Die Unternehmen sagen Meetings und Fortbildungen ab. Da werden große Buchungen storniert.“

Im Hotelgewerbe habe die Branche stark mit den Auswirkungen zu kämpfen, es stehen Verluste durch Stornierungen zu Buche. Besser sieht es im Restaurantbetrieb aus: Da sind die Gasträume nach wie vor voll, „da findet man am Freitag, Samstag und Sonntag wie immer kaum einen Platz“, sagt Jörg Buchleither. Auch Kulturkneipenwirt Torsten „Torti“ Thilla merkt beim Besuch des „Goldenen Löwen“ noch keine Auswirkungen – „außer, dass es an den Tischen kaum noch ein anderes Thema gibt“.

Wer Symptome verspürt, soll den Hausarzt anrufen statt ihn aufsuchen.
Wer Symptome verspürt, soll den Hausarzt anrufen statt ihn aufsuchen. | Bild: Nicolai Kapitz

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