Herr Dümmig, wer den Maulburger Nachtumzug nicht besucht hat, fragt sich, was denn da los war. Gewalt gegen einen Feuerwehrmann, ein niedergeschlagener Jugendlicher, ein Angriff gegen einen Polizeiwagen – das ist schon eine Menge Holz.

Dennoch möchte ich klarstellen, dass es beim diesjährigen Nachtumzug keine heftige Gewalt in der Fläche gab. Im Allgemeinen ging es um einiges friedlicher zu als in nahezu allen Vorjahren. Die von Ihnen erwähnten Vorgänge gingen fast ausschließlich von zwei von außerhalb angereisten jungen Besuchern aus. Die Tatverdächtigen versuchten zunächst, die Heckscheibe an einem Funkstreifenwagen einzuschlagen, wohl um daraus polizeiliche Einsatzmittel zu entwenden. Sie haben dann unsere Beamten beleidigt, die sie festgenommen haben. Auf unser Eingreifen hin haben sich die beiden wieder beruhigt, so dass wir ihnen zwar einen Platzverweis für den Nachtumzug und die Halle erteilt haben, sie allerdings wieder auf freien Fuß entlassen mussten. Kurz darauf haben sie dann den jungen Feuerwehrmann attackiert und verletzt.

Die Polizei spricht aber doch selbst davon, dass sie es nicht nur mit der Gewalt zweier Einzeltäter zu tun hatte, sondern auch noch zahlreiche Platzverweise aussprechen musste.

Die vielen Platzverweise sind das direkte Resultat der von uns entwickelten Einsatzstrategie. Diese sah vor, Störern des nächtlichen Umzugs frühestmöglich mit massivem Kräfteeinsatz der Polizei zu begegnen und Gewaltexzesse gar nicht erst zuzulassen. Wir haben deshalb von vorneherein große Präsenz im Raum gezeigt. Mit unserem niederschwelligen Einschreiten bereits bei Ordnungsstörungen wollten wir von vorneherein verhindern, dass sich Randalierer zu Schlimmerem ermuntert fühlen.

Ist Ihr Konzept der frühzeitigen Deeskalation denn aufgegangen?

Insgesamt würde ich schon behaupten, dass unsere Taktik aufgegangen ist. Wären diese beiden mutmaßlichen Gewalttäter nicht in Maulburg aufgetaucht, würde der Umzug 2018 in einem ganz anderen Licht stehen und die Veranstalter sähen sich nicht mit einem so bedenklichen medialen Echo konfrontiert. Das macht die Sache beinahe tragisch. Den Überfall auf den Feuerwehrmann müssen wir allerdings schon noch genauer untersuchen und unsere Erkenntnisse daraus ziehen. Die polizeiliche Taktik sollte nämlich unbedingt auch dazu geeignet sein, Einsatzkräften aller Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben einen grundlegenden Schutz zu bieten. Wie wir dies künftig noch besser gewährleisten können, wird Thema einer gemeinsamen Besprechung sein.

 

Wie viele Polizeikräfte hatten Sie denn in Maulburg im Einsatz?

Sie werden verstehen, dass ich öffentlich über die taktische Gliederung meiner Einheit nichts sagen kann. Soviel sei verraten: Wir hatten weit mehr Beamte im Dienst, als das normalerweise Samstagnacht der Fall ist. Darüber hinaus war auch die Bundespolizei im Dienst, die sich des S-Bahnhaltepunktes Maulburg angenommen hat.

Diskutiert wird aktuell darüber, ob es eigentlich unter Gewalttätern sozusagen „schick“ geworden ist, ausgerechnet Uniformträger zu attackieren.

Ich würde trotz des jüngsten Vorfalls beim Nachtumzug und allgemein steigender Zahlen nicht behaupten, dass es einen konkreten Trend gibt, Polizeibeamte oder die Feuerwehr unter Beschuss zu nehmen. Es sind aus meiner Beobachtung häufig die gleichen, denen es an nötigem Respekt sowohl vor dem Nächsten als auch vor den Mitarbeitern von Hilfs- und Rettungsorganisationen oder der Polizei fehlt. Das ist insgesamt nur ein kleiner Teil in unserer Gesellschaft. Wir müssen uns auf diese Entwicklung einstellen und diesen Menschen mit aller Konsequenz begegnen. Schlichte Respektlosigkeit ist das eine; verbale oder gar physische Übergriffe jeglicher Art bedürfen einer unmissverständlichen, rechtsstaatlichen Antwort und einer gesellschaftlichen Verurteilung. Hier hat sich in der letzten Zeit einiges bewegt. Auch die Justiz zeigt hier klare Kante.

Sehen Sie eigentlich auch die Veranstalter, in diesem Fall also die Teufelsknechte, in der Pflicht? Was könnten die dazu beitragen, den Nachtumzug aus den Negativschlagzeilen zu bringen?

In Maulburg können die Veranstalter eigentlich nicht viel mehr viel tun. Die Teufelsknechte waren gemeinsam mit der Feuerwehr und dem Ordnungsamt im Vorfeld bei uns, um das Sicherheitskonzept zu optimieren. Ich denke, wir haben eigentlich eine sehr gute Lösung gefunden, der Veranstalter hat unter anderem die Security-Präsenz deutlich ausgeweitet, was insbesondere im Bereich der Halle zu deutlichen Verbesserungen geführt hat. Mehr Sicherheit ist fast nicht zu schaffen und einzelne, aus einem Impuls heraus begangene Gewalttaten lassen sich nun einmal kaum erkennen und somit auch kaum verhindern.

Warum sind ausgerechnet die Nachtumzüge immer wieder ein doch recht gefährliches Pflaster an närrischen Tagen?

Bei nächtlichen Fastnachtsveranstaltungen kommen aus sicherheitstechnischen Erwägungen einige kritische Punkte zusammen. Zum einen: Nachts sind nun einmal alle Katzen, aber auch alle Übeltäter, grau, soll heißen, die Dunkelheit bietet potentiellen Tätern einen gewissen Schutz. Der Polizei wiederum erschweren die eingeschränkten Sichtverhältnisse ihre Möglichkeiten, potentielle Übergriffe zu erkennen und die Umzugsteilnehmer so zu schützen. Da wird halt schnell mal einer in einem dunklen Hinterhof abgepasst und verprügelt, ohne dass wir es sehen.

Ein dritter Punkt ist der Alkohol. Bei Nachtumzügen beginnt das „Vorglühen“ in der Regel bereits am Nachmittag, die Alkoholisierungsgrade der Teilnehmer sind deshalb zumeist deutlich höher als bei anderen Umzügen – entsprechend niedriger ist die Hemmschwelle bei ohnehin aggressiven Zeitgenossen. Hinzu kommen die Partys, die sich meist an den Umzug anschließen – dort finden potentielle Gewalttäter leicht Gleichgesinnte.

Fragen: Robert Bergmann

Zur Person

Christoph Dümmig ist seit Oktober 2017 Leiter des Polizeireviers Schopfheim. Der 40-jährige Polizeirat stammt aus Emmendingen und wohnt dort auch mit seiner Lebenspartnerin und seinem Sohn.