Sollte Christof Nitz irgendwann dieser Tage einmal aus purer Gewohnheit morgens die Rathaustreppen hinauf gehen, am Ende der Treppe rechts abbiegen und dann durch die Türe und am Sekretariat vorbei in sein altes Büro wollen, so wird ihm spätestens da der Weg versperrt sein: Christof Nitz hat am Mittwochmorgen die Rathausschlüssel an seinen Nachfolger Dirk Harscher übergeben. Nach diesem Schlüsselerlebnis ist Harscher nun als Bürgermeister der Herr nicht nur über Schlüssel und Schlösser, sondern auch über die Verwaltung.

Christof Nitz hat die Zeit zwischen den Jahren genutzt, um reinen Tisch zu machen. Nicht im übertragenen, sondern im wörtlichen Sinn: „Ich habe in den vergangenen Tagen das Büro geräumt und meine persönlichen Sachen alle abgeholt“, erklärt Nitz, kurz bevor er seinem Nachfolger am Mittwochmorgen seinen Schlüssel aushändigt. Ob Wehmut dabei ist? „Nicht wirklich. Ich hatte lange genug Zeit, mich auf diesen Augenblick vorzubereiten.“

Nicht vorbereitet ist Nitz allerdings auf das kleine Geschenk, das ihm sein Nachfolger da präpariert hat. Der Ex-Burgi bekommt einen Volleyball und Fitness-Nahrung, in Anlehnung an seine „großen sportlichen Verdienste“, vor allem beim Beach-Volleyball auf dem Marktplatz, wie Dirk Harscher in Erinnerung ruft. Dass der neue Bürgermeister den alten da so überraschend beschenkt, hat auch einen weiteren Grund: Dirk Harscher durfte Christof Nitz in den zurückliegenden sieben Wochen sozusagen als Praktikant bei der täglichen Arbeit über die Schulter schauen. „Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, dafür möchte ich mich noch einmal herzlich bedanken“, sagt Harscher. „Ich kann jetzt etwas entspannter in den ersten Arbeitstag starten.“ Am wichtigsten während seiner Hospitanz war ihm der persönliche Kontakt zu seinen neuen Mitarbeitern. „Ich habe jetzt einen Überblick, wer was macht und für was er zuständig ist. Es ist eine riesige Herausforderung.“

Für Christof Nitz gab es von Nachfolger Harscher ein Abschiedsgeschenk in Form von Volleyball-Utensilien.
Für Christof Nitz gab es von Nachfolger Harscher ein Abschiedsgeschenk in Form von Volleyball-Utensilien. | Bild: Nicolai Kapitz

Thementechnisch hat er sich – als gelernter Bankkaufmann – natürlich sofort mit dem Fachbereich von Kämmerer Thomas Spohn angefreundet. Auch Fachbereich III – hier stecken unter anderem Ordnungsamt, Familie und Soziales sowie die Bildung mit Schulen und Kindergärten drin – „ist logisch und sofort nachvollziehbar“, sagt Dirk Harscher. „Wahnsinnig komplex ist das Thema Bauen und Gebäudemanagement. Aber dafür haben wir sehr kompetentes Personal im Rathaus.“ Es warten, da ist er sicher, „in allen Fachbereichen riesige Herausforderungen“ auf ihn. „Es sind so viele Themen, und über alle sollte man den Überblick behalten. Das dauert noch Monate, bis ich da richtig drin bin.“

Christof Nitz ist zuversichtlich, dass sein Nachfolger diesen Überblick schnell bekommt. „Ich bin froh, dass das Amt jemand übernimmt, der die Sache sehr, sehr ernst nimmt. Es ist nicht selbstverständlich, dass man sich so engagiert einarbeitet und sich dafür vom Arbeitgeber sogar freistellen lässt“, gibt Nitz seinem Nachfolger noch einen verbalen Schulterklopfer mit. „Ich wünsche ihm Kraft, Erfolg und gute Entscheidungen und ein gutes Miteinander im Gemeinderat.“ In seinem neuen Büro muss sich der neue Bürgermeister erst einmal einleben. „Ich habe hier noch gar nichts verändert“, sagt er mit Blick auf die Einrichtung. „Aber es muss auch kaum etwas verändert werden.“ Christof Nitz ergänzt mit einem Schmunzeln, dass er vor 16 Jahren die komplette Einrichtung hatte austauschen lassen. „Da waren alle Möbel schwarz. Da konnte ich nicht arbeiten.“

Stichwort Arbeit: „Ich freue mich auf das, was jetzt auf mich zukommt“, sagt Christof Nitz. Er hat bekanntlich verschiedene Beraterfunktionen inne, dazu einen Posten als Dozent übernommen und gemeinsam mit CDU-Stadtrat Rolf Kuri eine Projektentwicklungs GmbH gegründet. „Bei mir steht als nächstes der Sternsinger-Empfang und dann eine EDV-Einführung im Kalender“, sagt Dirk Harscher. Mit der Übernahme des Rathausschlüssels geht eben auch die Übernahme des vollen Terminkalenders eines Bürgermeisters einher.

Dirk Harscher wird am Montag, 21. Januar, offiziell und öffentlich als Bürgermeister vereidigt. Die Vereidigung ist eine Formalität, die Amtsgeschäfte führt er bereits.