Wenn der Dirigent den Taktstock ein letztes Mal sinken lässt, dann weiß der Zuschauer: Auch die Zugaben sind vorbei, alle Stücke sind gespielt, alle Lieder gesungen, die Messe gelesen. Gut 260 geladene Gäste wussten gegen 21.15 Uhr am Freitagabend: Christof Nitz hat gerade sein letztes Konzert als Bürgermeister der Stadt Schopfheim auf der Bühne der Stadthalle dirigiert – es ist Zeit für den Schlussapplaus. Nitz wurde am Ende eines würdigen Abends mit Standing Ovations offiziell aus seinem Amt verabschiedet.

Gäste in der ersten Reihe (von links): Stellvertreter Thomas Gsell, Gudrun Heute-Bluhm (Städtetag), Marion Dammann, Christof und Corinna Nitz und CDU-Bundestagsmitglied Armin Schuster.
Gäste in der ersten Reihe (von links): Stellvertreter Thomas Gsell, Gudrun Heute-Bluhm (Städtetag), Marion Dammann, Christof und Corinna Nitz und CDU-Bundestagsmitglied Armin Schuster. | Bild: Nicolai Kapitz

Was die Musikschülerinnen Sila Yilmaz und Valentina Zalbertus auf der Bühne sangen und spielten – nämlich unter anderem Adeles Herzschmerz-Ballade „Someone like you“ –, das taugte auch gut als Überschrift über diesen Abend. Es hing ein Hauch von Wehmut in der Luft an diesem Freitag. Marianne Zabel – als damalige CDU-Fraktionschefin im Gemeinderat hatte sie Nitz 2002 nach Schopfheim geholt – fiel es „persönlich und auch emotional schwer“, diesen Abschied mitzumachen.

Zabel war es auch, die den scheidenden Bürgermeister in ihrer Rede zum Dirigenten machte. Klaus Fleck habe sie vor 16 Jahren bei seiner Verabschiedung als Kapitän bezeichnet. „Aber Du warst eher ein Dirigent. Du hast Schopfheim dirigiert wie ein Orchester. Es gab tiefe Töne und hohe Töne, Zwischentöne und Lobeshymnen.“ Und auch zur Gemeinderatsarbeit zog Marianne Zabel eine musikalische Parallele: „Manchmal war es eine Oper, oft eine Operette, manchmal auch nur Theater.“

Christof Nitz, das merkte man an den zahlreichen Wortbeiträgen an diesem Abend, wird ziemlich vielen als Bürgermeister in Erinnerung bleiben, unter dessen Regie sich Schopfheim „zu einer attraktiven, ansehnlichen und lebenswerten Stadt“ (Zabel) weiterentwickelt hat.

Mehrere Projekte – Uehlin-Areal, Schulcampus, Eisweiher – wurden von mehreren Rednern genannt; und auch – allerdings als satirische Einlage – von Zunftabendmeister Jeannot Weißenberger, der als Überraschung ein paar närrische Verse über die Nitz-Amtszeit sang. „Ein langsames Bohren ganz dicker Bretter“ nannte Bürgermeister-Stellvertreter Thomas Gsell anerkennend die Aufgaben, die Christof Nitz in den zurückliegenden Jahren im Rathaus stemmen musste.

Amtskollege Martin Bühler aus Hausen würdigte im Namen aller Bürgermeister aus der Region die „gute und angenehme Zusammenarbeit“ – ob in Zweckverbänden, beim Tourismus oder in der Verwaltungsgemeinschaft. Und Bühler fand die passenden Worte für Nitz’ meist wortgewandtes und charismatisches Auftreten: „Langes Blabla lag Dir fern. Du hast Schopfheim immer perfekt präsentiert.“

Gute Freunde sind Christof Nitz und Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert geworden.
Gute Freunde sind Christof Nitz und Kleinmachnows Bürgermeister Michael Grubert geworden. | Bild: Nicolai Kapitz

Das ist offenbar auch in den Partnerstädten so angekommen: Michael Grubert, Bürgermeister von Kleinmachnow, und Christelle Morbois, erste Beigeordnete in Poligny, lobten Nitz’ Einsatz für die Städtepartnerschaften. Das hätte die Delegation aus dem schwedischen Ronneby übrigens sicher auch gerne getan – doch die beiden Herren saßen auf dem Weg nach Schopfheim am Wiener Flughafen fest und mussten umkehren.

Nach Schopfheim geschafft hatte es dagegen Gudrun Heute-Bluhm. Die frühere Lörracher Oberbürgermeisterin und heutige Geschäftsführerin des baden-württembergischen Städtetags erinnerte sich noch daran, wie der „Sunny Boy“ Nitz vor 16 Jahren nach Amtsantritt in Lörrach auftauchte, sich bei ihr vorstellte und „auf gute Nachbarschaft“ mit ihr anstieß.

„Wir verzichten auch im Städtetag ungern auf Dein Engagement“, sagte Heute-Bluhm. „Es hätt’ au schlimmer chönne cho. Am End’ isch er e güede Cherli gsi“, fasste Gersbachs Ortsvorsteher Christian Walter die Stimmung unter den sieben Ortsvorstehern in einer kurzen Ansprache zusammen.

Marion Dammann zählte dagegen Verdienste auf. „Mir fallen da sofort Großveranstaltungen wie zum Beispiel der Sommersound ein. Das hat Großstadtformat.“ Die Landrätin sah aber nicht nur einen Mann gehen, „der für Schopfheim viel bewegt hat“, sondern auch einen Mitstreiter für Themen im Kreistag: „Schade, dass ich auf einen engagierten, kompromissbereiten und kreativen Kopf verzichten muss.“ Allerdings – und hier schlug Landrätin Dammann sehr nachdenkliche Töne an – könne sie den Nitz-Rückzug aus dem Bürgermeisteramt auch verstehen.

„Die Diskussionen sind radikaler geworden, der Ton rauer. Lassen Sie uns darauf achten, dass dieser Ton nicht zur Gewohnheit wird“, sagte Dammann ans Publikum gerichtet, mit Blick auf hitzige Diskussionen um umstrittene Projekte.

Eine etwas traurige Melodie, die Christof Nitz in seiner Abschiedsrede dann auch fortsetzte: In den Debatten um die Windkraft und um den geplanten Kindergarten im Oberfeld, so nannte Nitz zwei Beispiele, sei die Diskussion in persönliche Angriffe ausgeartet – für ihn einer der Gründe, nicht mehr als Bürgermeister anzutreten. „Mein Sohn hat irgendwann zu mir gesagt: Papa, es gibt auch ein Leben vor dem Tod“, ließ Nitz tief blicken.

„Ich habe aber auch viele tolle Sachen erlebt. Wenn man die großen Leitplanken anlegt, hat sich die Stadt gut entwickelt“, so Nitz. „In der Summe“, zog er abschließend Bilanz, „hat es Spaß gemacht. Es war mir eine Ehre, hier Bürgermeister zu sein.“ Es war Christof Nitz am Ende seiner Rede ein Bedürfnis, danke zu sagen.

Die sieben Ortsvorsteher machten dem Bürgermeister und seiner Frau zum Abschied ein Geschenk.
Die sieben Ortsvorsteher machten dem Bürgermeister und seiner Frau zum Abschied ein Geschenk. | Bild: Nicolai Kapitz

Vor allem seine Stadtverwaltung überhäufte der scheidende Chef mit Lob, er schloss aber auch Vereine, Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, Kindergärten und Schulen mit ein. Und nicht zuletzt seine Frau Corinna: „Ich weiß, es ist nicht leicht, mit mir zusammen zu leben“, sagte er, während er seine Frau auf die Bühne bat, um ihr einen Strauß zu überreichen. „Wir haben heute Hochzeitstag. So viele Gäste hatten wir noch nie.“

Dann legte er seinem Nachfolger Dirk Harscher feierlich die Amtskette um, Joachim Wendland überreichte ihm den Taktstock, räumte das Dirigentenpult und Christof Nitz dirigierte die Stadtmusik und die mitsingenden Gäste zum Abschied beim „Badnerlied“. Als der letzte Ton verklungen war und Christof Nitz den Taktstock sinken ließ, gab es von den stehend klatschenden Gästen den Schlussapplaus.